Eitrige Schilddrüsenentzündungen werden durch Bakterien, seltener Pilze verursacht. Bei einer Immunschwäche haben diese Erreger leichteres Spiel. Dies ist aber nicht die einzuge Voraussetzung. Manchmal kann eine Infektion auf die Drüse übergehen, wenn ein Keim ins Blut übergetreten ist. Der Ausgangspunkt können beispielsweise vereiterte Mandeln sein. Manchmal begünstigt auch ein kleiner Geweberest am Hals, der aus Entwicklung der Schilddrüse im Embryonalstadium übrig geblieben ist, eine Infektion.
Zum Sonderfall Schilddrüsenentzündung, Typ Hashimoto-Thyreoiditis, siehe unten.
Symptome: Bei einer akuten, eitrigen Schilddrüsenentzündung ist nicht nur die Schilddrüse selbst vergrößert, sondern es sind auch Halslymphknoten mitbetroffen und der Hals dementsprechend geschwollen. Die Schilddrüse schmerzt und kann Schluckbeschwerden verursachen. Am Hals über der Drüse ist die Haut oft gerötet (siehe auch unter Schwellung am Hals). Komplikation: ein Abzess. Dann tritt starkes Fieber auf und die Schmerzen nehmen deutlich zu.
Diagnose: Blutuntersuchungen, Entnahme einer Gewebeprobe mit Gewebeanalyse und Keimnachweis, Ultraschalluntersuchung, eventeuell Computertomografie, vor allem bei Anhaltspunkten für einen Abszess.
Therapie: Mit Antibiotika entsprechend dem nachgewiesenen Erreger. Kühlung der Schwellung mit Eispackungen und Bettruhe sind sinnvoll. Bei einem Abszess muss dringend operiert werden.
Hier liegt eine immunologisch bedingte Überfunktion der Schilddrüse vor, sie ist erheblich vergößert.
Symptome: Bei einem Teil der Patienten tritt eine endokrine Orbitopathie auf: Infolge von Bindegewebsveränderungen in der Augenhöhle und in den Augenmuskeln können die Augäpfel mehr oder weniger hervortreten. Es kommt zu einem Reizzustand mit Fremdkörpergefühl, roten Augen und Sehstörungen; die Augenpartien sind geschwollen. Halslymphknoten können anschwellen, Herzbeschwerden auftreten.
Diagnose: klinisch, zusätzlich Blutuntersuchungen einschließlich sogenannter TSH-Rezeptorantikörper, Schilddüsenantikörper und Bestimmung der Schilddrüsen-Hormonspiegel; Ultraschall und Szintigrafie der Schiddrüse
Therapie: Die Überfunktion wird medikamentös durch Schilddrüsenblocker gebremst (Achtung: Schwangerschaft verhüten). Falls nach ein bis zwei Jahren keine nachhaltige Besserung eintritt oder wenn die Schilddrüse stark vergrößert oder „knotig“ ist, wird der Arzt in der Regel eine Radiojodbehandlung (siehe unten) oder eine Operation vorschlagen.
Schilddrüsenkrebs tritt häufiger nach der Lebensmitte, etwa um das 50. Lebensjahr, und bei Frauen öfter als bei Männern auf. Seltenere erbliche Formen betreffen das Kindes- und junge Erwachsenenalter. Bei Schilddrüsenkrebs kann nicht nur der Bereich der Schilddrüse am Hals selbst verdickt sein, sondern es können sich auch angeschwollene Lymphknoten am Hals abzeichnen. Allerdings treten Symptome bei diesem Krebs meist erst relativ spät auf.
Symptome: Hinweise können ein schmerzloser, sich fest oder hart anfühlender „Knoten“ oder eine derbe Schwellung am Hals, eine Halsvenenstauung, Schluckbeschwerden (siehe unter Schluckstörung, Kapitel „Ursachen im mittleren Brustraum“), Heiserkeit, Schmerzen am Hals, im Nacken oder anderswo im Oberkörper oder Augenveränderungen mit hängendem Lid (siehe Beitrag Sehstörungen) sein.
Diagnose: Sie ergibt sich aus Blutuntersuchungen, insbesondere der Bestimmung des Schilddrüsen-Hormons Kalzitonin und des Eiweißstoffes Thyreoglobulin, und der Analyse von Gewebeproben aus der Schilddrüse. Bildgebende Untersuchungen – von Ultraschall über Röntgen und Szinitigrafie bis zur Magnetresonanztomografie – kommen hinzu. Eventuell ist auch die Spiegelung von benachbarten Organen wie Luft- und Speiseröhre notwendig. Zum erblichen Schilddrüsenkrebs im Rahmen der MEN-2-Erkrankung siehe wiederum unter Schwellung am Hals.
Therapie: Bis auf wenige Ausnahmen komplette Entfernung der Schilddrüse und von Halslymphknoten (sogenannte neck dissection; Ausmaß des Eingriffs unterschiedlich). Teilweise Radiojodtherapie. Dabei wird radioaktives Jod aufgenommen, gelangt über das Blut in verbliebene Schilddrüsenzellen und entfaltet dort eine „innere Bestrahlung“. Eventuell wird auch eine äußere Bestrahlung durchgeführt, seltener eine Chemotherapie. Die fehlenden Schilddrüsenhormone lassen sich durch Tabletten ersetzen. Dies ist auch wichtig, um ein erneutes Drüsenwachstum zu verhindern.
Spezielle Geschwulstformen der Schilddrüse sind Lymphome. Sie können sich beispielsweise bei einer Schilddrüsenentzündung namens Hashimoto-Threoiditis entwickeln. Schilddrüsenlymphome werden von vornherein bestrahlt und im Übrigen nach den Vorgaben für Lymphome behandelt (vgl. entsprechendes Kapitel).
www.apotheken-umschau.de;
19.05.2009, aktualisiert am 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung