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Lymphknoten am Hals
Ursachen: Lymphome

Lymphome sind Erkrankungen des Lymphsystems. Im engeren Sinn geht es dabei um die sogenannten malignen (bösartigen) Non-Hodgkin-Lymphome. Aber auch die Hodgkin-Krankheit und lymphatische Leukämien zählen dazu


Bei Erkrankungen des Lymphsystems hängt es vom einzelnen Krankheitsbild ab, welche Altersgruppe betroffen ist

Lymphom-Krankheiten bieten eine verwirrende Vielfalt mit sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Hier ein kurzer Einblick:

Unterschiedlich bösartig (maligne): Non-Hodgkin-Lymphome, Hodgkin-Krankheit

Diese Erkrankungen bilden den Hauptanteil der malignen Lymphome. Oft ist hier auch von „Lymphdrüsenkrebs“ die Rede. Die neutralere Bezeichnung „Gewebeneubildungen des lymphatischen Gewebes“ berücksichtigt, dass diese Erkrankungen sich biologisch sehr unterschiedlich verhalten und es zudem gutartige Formen gibt (siehe unten). Die zweite gute Nachricht: Lymphom-Erkrankungen sind teilweise heilbar.

Zu den Lymphomen werden die akuten und chronischen lymphatischen (lymphoblastischen) Leukämien gerechnet, auf die wie hier nicht näher eingehen können, ferner die Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome.
Letztere Gruppe ist durch Anpassungen der internationalen Einteilungen über die Jahre zu einem Sammelbegriff mit vielen Untergruppen geworden.

Je nachdem, welche Arten von Lymphozyten – das sind bestimmte weiße Blutkörperchen – betroffen sind, unterscheidet der Arzt bei den Non-Hodgkin-Lymphomen sogenannte B-Zell- und T-Zell-Lymphome (teilweise im Anfangsstadium mit Hautbefall) sowie Lymphome spezieller Lymphzellen, der sogenannten natürlichen Killerzellen. Noch weitergehende Unterteilungen beruhen darauf, dass es Lymphome der unreifen Vorstufen der weißen Blutkörperchen wie auch der ausgereiften weißen Blutzellen gibt.


Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome haben einiges gemeinsam, beispielsweise bei den Symptomen, es gibt aber auch deutliche Unterschiede. Bei Hodgkin-Lymphomen (Morbus Hodgkin, Lymphogranulomatose Hodgkin-Krankheit) beispielsweise sind bestimmte Zellen, sogenannte Sternberg-Reed-Zellen und einkernige Hodgkinzellen, im erkrankten Lymphknotengewebe nachweisbar.

Ganz allgemein entstehen Lymphome durch Erbgutänderungen in den Zellen. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, unter anderem Rauchen, Belastung mit Strahlen und Chemikalien, bestimmte Viren, etwa das Epstein-Barr-Virus (siehe Kapitel „Infektionen“) oder das Hepatitis-C-Virus. Auch bei bestimmten Verlaufsformen von Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis) können Lymphknotenschwellungen im Sinne eines Lymphoms auftreten.

Auch zeigen die einzelnen Erkrankungen eine unterschiedliche Verteilung hinsichtlich Lebensalter und Geschlecht. Non-Hodgkin-Lymphome treten beispielsweise häufiger bei älteren Menschen und bei Männern auf. Demgegenüber betreffen bestimmte akute Leukämien eher Kinder und junge Erwachsene. Im Einzelnen kommt es immer auf die Unterform (siehe oben, Unterteilungen) an. Einige Erkrankungen verlaufen eher leukämieähnlich, bei anderen stehen (schmerzlose) Lymphknotenschwellungen im Vordergrund. Manchmal können sie dann erst später in eine Art akute Leukämie übergehen. Es gibt aber auch von Anfang an überlappende Formen.

Erkrankte Lymphknoten können nur in einer oder von vornherein in mehreren Körpergegenden in Erscheinung treten. Die häufigste Lokalisation ist der Hals, gefolgt von den Partien über dem Schlüsselbein und den Achselhöhlen. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen sind auch die Lymphknoten im Mittelfellraum des Brustkorbs (Mediastinum) erkrankt. Die Schwellungen können sich sehr schnell oder eher langsam entwickeln, manchmal auch zwischenzeitlich wieder verschwinden. Eine wichtige Grenze, auch für die Stadieneinteilung sowohl von Hodgkin- als auch Non-Hodgkin-Lymphomen, bildet das Zwerchfell. Es kommt aber auch darauf an, ob neben den Lymphknoten weitere lymphatische Organe wie Mandeln und Milz erkrankt sind, oder die Leber und / oder auch das Knochenmark. Außerdem bestehen gewisse Beziehungen zu einer Erkrankung wie dem Sjögren-Syndrom, die durch eine Störung des Immunsystems entsteht (Autoimmunerkrankung). Gelegentlich kommen bei Non-Hodgkin-Lymphomen Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen vor, da sie auch lymphatische Zellen beherbergen, oder der Schilddrüse (siehe entsprechende Kapitel). 

Wichtige Begleitsymptome – sogenannte B-Symptome – sind Fieber über 38 Grad Celsius, auch phasisch, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholte nächtliche Schweißausbrüche, eventuell starker Juckreiz, Schmerzen in Lymphknoten nach Alkoholgenuss, Hautveränderungen.

Diagnose: Das Blutbild, Proben (Biopsien) aus Lymphknoten, Knochenmark oder anderen Organen mit umfangreicher feingeweblicher Untersuchung sind richtungsweisend. Weitere Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie und Szintigrafie, manchmal auch die Sondierung des Bauchraumes (diagnostische Laparoskopie) ermöglichen es dann, das Krankheitsstadium genauer festzulegen.
Therapie: Sie ist so vielfältig wie das Spektrum der Lymphome selbst. Bei manchen Formen genügt es, den Gesundheitszustand des Patienten sorgfältig zu kontrollieren. Bei anderen wird ein spezielles Chemotherapie-Protokoll mit mehreren Phasen notwendig sein. Teilweise setzen Ärzte bestimmte biotechnisch hergestellte Antikörper im Rahmen einer Kombinationstherapie (sogenannte Immun-Chemotherapie oder Chemo-Immuntherapie) ein. Eine weitere Möglichkeit kann manchmal in einer Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzellverpflanzung oder einer Radioimmuntherapie (eine Form der nuklearmedizinischen Therapie mit bestimmten strahlenden Substanzen, gekoppelt an Antikörper) bestehen. Abhängig vom Krankheitstyp und -stadium sind Heilungen erreichbar.

Gutartige Lymphknoten-Erkrankungen

Sinushistiozytose: Das ist ein gutartiges lymphomähnliches Krankheitsbild. Hier wie bei ähnlichen Diagnosen können Lymphknoten erheblich anschwellen und es sind verschiedene, teilweise akute, unbedingt behandlungsbedürftige Begleitsymptome möglich. Manchmal entpuppt sich die Krankheit auch als immunologisch bedingt (siehe entsprechendes Kapitel). Diagnose und Therapie bedürfen des erfahrenen „Blut-Spezialisten“ auf dem Sektor Hämatologie / Onkologie bzw. Immunologie.

Castleman-Lymphom: Ebenfalls gutartige Lymphknotenerkrankung. Mitunter tritt sie im Zusammenhang mit einer Herpes-Virus-Infektion auf, und dies wiederum häufiger im Rahmen einer HIV-Erkrankung (Aids). Die Betroffenen weisen eine örtlich begrenzte oder generelle Lymphknotenschwellungen auf. Sie haben manchmal auch eine Blutarmut. Durch eine Lymphknotenbiopsie lässt sich ein bösartiges Lymphom ausschließen. Die Therapie besteht je nach Ausprägung in der Gabe von Kortison.

Nekrotisierende Lymphadenitis: Das ist eine entzündliche Erkrankung von Lymphknoten mit Gewebszerstörung, die häufiger in Asien als in Europa und mehrheitlich bei jungen Frauen auftritt. Bei dieser auch „Kikuchi-Syndrom“ genannten Erkrankung schwellen in der Regel die Halslymphknoten an – schmerzlos, ein- oder beidseitig. Begleitend kommt es zu Fieber, allgemeiner Schwäche, eventuell auch zu einem Hautausschlag und zu Gelenkschmerzen. Um die Diagnose zu stellen, muss eine Lymphknoten-Gewebeprobe feingeweblich untersucht werden. Da die Ursache unbekannt ist, gibt es keine spezielle Therapie.

Daneben gibt es weitere, seltene entzündliche Lymphknotenerkrankungen, die häufig die Halslymphknoten betreffen.



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www.apotheken-umschau.de; 19.05.2009, aktualisiert am 16.05.2012
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer

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