Eine Hodentorsion (Hodenstieldrehung) kann in jedem Alter auftreten. Üblicherweise findet bei einer Hodenstieldrehung eine Eindrehung des Samenstranges statt. Dies führt dazu, dass die im Samenstrang zum Hoden und Nebenhoden verlaufenden Gefäße abgeschnürt werden. Zuerst ist der Blutabstrom über die Venen gestört, im späteren Stadium auch der Blutzufluß über die Arterien.
Eine solche „Hodenverdrehung“ bereitet starke Schmerzen und ist immer ein Notfall, da das Hodengewebe bereits nach wenigen Stunden ohne Durchblutung abstirbt. Eine rasche Diagnose und Therapie ist also entscheidend, um die Zeugungsfähigkeit zu retten.
Die Hoden sind die männlichen Fortpflanzungsorgane. Sie sind paarig angelegt, entstehen im Bauchraum und wandern kurz vor der Geburt in den Hodensack (Skrotum). Sie entwickeln sich erst in der Pubertät zu ihrer vollen Größe. Im Inneren des Hodens werden die Samenzellen produziert, die Bestandteil des Spermas sind. Weiterhin werden männliche Geschlechtshormone (Androgene und Testosteron) gebildet. Der Hoden ist von einer derben Bindegewebshaut (Tunica albuginea) umgeben, die ihn schützt. Auf den Hoden liegen halbmondförmig die Nebenhoden auf. Unreife Samenzellen durchlaufen hier eine weitere Reifephase. Nach dem Ausreifen können die Spermien die Nebenhoden über den Samenleiter verlassen.
Die Hoden-Arterie (Arteria testicularis) führt sauerstoffreiches Blut in den Hoden und die Hoden-Vene (Vena testicularis) leitet kohlenstoffdioxidreiches Blut vom Hoden weg. Zusammen mit dem Samenleiter bilden sie den Samenstrang, der durch den Leistenkanal verläuft. Auch Nerven liegen im Samenstrang.
Bei der Hodentorsion dreht sich der Hoden mitsamt dem Samenstrang – teilweise mehrfach – um seine eigene Achse. Die Drehung führt üblicherweise dazu, dass der Samenleiter und auch die Blutgefäße abgeklemmt werden. Dadurch wird der verdrehte Hoden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Dauert dieser Zustand länger an, kann das Hodengewebe dauerhaft geschädigt werden. Die Folge kann dann ein Untergang des Hodens (Atrophie) oder ein Funktionsverlust (Unfruchtbarkeit) sein.
Es scheint eine gewisse Veranlagung für eine Hodenstieldrehung zu geben. Dabei spielen anatomische Besonderheiten eine Rolle, die dazu führen, dass die Hoden im Hodensack schlechter fixiert und dadurch beweglicher als gewöhnlich sind. Manchmal kommen Hodentorsionen bereits im Mutterleib vor der Geburt vor.
Ultraschall-Untersuchungen, durch die sich der Hoden und seine Blutgefäße (farbkodierte Doppler-Sonografie) darstellen lassen, können bei der Diagnosestellung helfen. Die Behandlung einer Hodentorsion sollte möglichst rasch erfolgen. In einer Operation dreht der Arzt den betroffenen Hoden in seine ursprüngliche Lage zurück, sodass die Durchblutung wieder möglich ist. Ist der Hoden schon unwiederbringlich geschädigt, muss er entfernt werden.
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13.09.2005, aktualisiert am 16.06.2011
Bildnachweis: W&B/Szczesny, Mauritius Images/ Phototake
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