7 wichtige Fragen zu Hodenkrebs

Der Tumor streut vergleichsweise schnell. Er lässt sich aber gut behandeln, wenn er frühzeitig erkannt wird. Was Sie über Hodenkrebs wissen sollten

von Diana Engelmann, aktualisiert am 04.01.2016

Er ist selten, trifft aber junge Männer: Hodenkrebs

Thinkstock/istock

Erst Lance Armstrong, dann Ivan Basso. Beides Radsportprofis, die an Hodenkrebs erkankten. Sie rückten eine Krebsart ins Blickfeld, die bisher kaum beachtet wurde. Hodenkrebs ist mit etwa 4000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland nicht weit verbreitet, bei Männern unter 40 stellt er aber die häufigste Krebsart dar. Zudem hat sich die Zahl der Fälle in den vergangenen 20 Jahren beinahe verdoppelt. Warum das so ist – darüber mutmaßen Forscher bisher nur. Wir klären für Sie wichtige Fragen.


1. Kann ich Hodenkrebs erkennen?

Ein Tumor ist gut zu ertasten. Einmal im Monat sollten Männer die Hoden überprüfen. Am besten geht das, wenn der Hodensack entspannt ist, etwa nach einer warmen Dusche. "Nicht erschrecken, die Hinterseite des Hodens, der Nebenhoden, fühlt sich generell härter an", sagt Professor Mark Schrader, Chefarzt für Urologie am Helios-Klinikum Berlin-Buch.

2. Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Sie einen Knoten getastet haben, der Hoden verhärtet oder größer geworden ist, sich schwerer anfühlt als sonst oder sich Flüssigkeit in ihm gesammelt hat. Der Urologe untersucht dann auffällige Stellen mit ­­Ultraschall. Die Krankenkassen bieten keine Früherkennungsmaßnahme an wie beispiels­weise bei Prostatakrebs. Umso wichtiger ist es, selbst zu tasten.

3. Entstehen bei Hodenkrebs schnell Metastasen?

"Ja, es ist ein sehr aggressiver Tumor", sagt Schrader. Es handelt sich meist um einen Primärtumor, also einen, der Metastasen bildet, selbst aber keine Metastase ist. Andere Krebsgeschwüre streuen so gut wie nie in den Hoden.

4. Stimmt es, dass große Männer ein höheres Risiko tragen?

Männer ab einer Größe von mehr als 1,95 Metern haben ein etwas größeres Risiko. Sicher erhöht ist die Gefahr, wenn der Vater oder ein Bruder erkrankt ist. Hodenhochstand und Fruchtbarkeitsprobleme können die Wahrscheinlichkeit ebenfalls vergrößern, ebenso möglicherweise Hormone.

5. Ist immer eine Chemotherapie erforderlich?

Das kommt auf das Stadium an. Der betroffene Hoden wird entfernt. Haben sich noch keine Metastasen gebildet, kann es ausreichen, in der nächsten Zeit häufig zu kontrollieren. Gibt es bereits Metastasen, meist im Bauch, wird mit Chemo- oder Strahlentherapie weiterbehandelt. "Hoden­tumore schlagen auf Chemotherapie sehr gut an", so Schrader.

6. Werde ich wieder gesund?

Etwa 3850 von 4000 Erkrankten überleben. Auch ist es prinzipiell möglich, nach Hoden­krebs Kinder zu zeugen. Wem die Asymme­trie am Geschlechtsteil Probleme bereitet, der kann eine Hodenprothese einsetzen lassen. Auf jeden Fall sollten Patienten psychoonkologisch betreut werden. Auch wenn der Krebs geheilt ist, verändert eine solche Krankheit das Leben.

7. Wie entsteht Hodenkrebs?

Die genauen Ursachen haben Forscher bisher nicht entschlüsselt. Weil es vor allem jüngere Männer trifft, suchen Mediziner die Gründe im Embryoalter oder in der frühen Kindheit. Man geht davon aus, dass Keimzellen während der Embryroentwicklung im Mutterleib "falsch programmiert" wurden. Aus diesen veränderten Zellen kann im Erwachse­nen­alter Hodenkrebs entstehen.



Bildnachweis: Thinkstock/istock

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