Hirntumore (Gehirntumore)

Zu den Hirntumoren zählen zahlreiche gutartige und bösartige Geschwülste im Gehirn. Welche Symptome sie hervorrufen, wie sich ein Hirntumor behandeln lässt

aktualisiert am 12.04.2016

Auch im Gehirn kann sich ein Tumor bilden. Die meisten sind jedoch gutartig

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Was sind Hirntumore?

Hirntumore haben ihren Ursprung im Gehirn oder im Rückenmark und heißen daher auch Tumore des Zentralnervensystems (ZNS) oder primäre Hirntumore (primäre ZNS-Tumore). Von diesen primären Hirntumoren sind sogenannte Hirnmetastasen abzugrenzen. Diese stellen Tochtergeschwülste von Krebsarten dar, die ihren Ursprung in anderen Organen haben.

Es gibt über 100 verschiedene primäre Hirntumorarten. Sie lassen sich nach den Zellen einteilen, aus denen sie entstanden sind, also nach ihrem Ursprungsgewebe. Am häufigsten gehen Hirntumore von den verschiedenen Stützzellen im Gehirn, den sogenannten Gliazellen aus. Zu diesen als Gliome bezeichneten Tumoren zählen Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Glioblastome sind die bösartigste Form der Astrozytome. Ependymome sind Tumoren, die von der Innenauskleidung der Hirnkammern ausgehen. Desweiteren gibt es Tumore die von den Hirnhäuten ausgehen: die Meningeome. Darüberhinaus kommen Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophysentumore) oder der Hirnnerven (Neurinome) vor. Aus bestimmten weißen Blutkörperchen, den Lymphozyten, können Lymphome des Zentralnervensystems entstehen. Manche Hirntumore treten typischerweise im Kindesalter, andere eher in höherem Alter auf.

Zwei Drittel aller Hirntumore sind gutartig, etwa ein Drittel sind bösartig. Zu den häufigen gutartigen Hirntumoren im Erwachsenenalter zählt unter anderem das Hypophysenadenom und das Meningeom, zu den bösartigen Hirntumoren das Glioblastom. Gutartige Astrozytome stellen die häufigsten Hirntumore im Kindesalter dar. Ebenfalls bei Kindern recht häufig: das Medulloblastom, ein Hirntumor, der das Kleinhirn betrifft.


Tumorrisiko Handy? Das ist noch nicht geklärt

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Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen und Risikofaktoren von Hirntumoren sind noch weitgehend unbekannt. Folgende Faktoren stehen derzeit als Risikofaktoren für Hirntumore fest:

  • Genetische / erbliche Ursachen: Es gibt bestimmte seltene Erbkrankheiten, zum Beispiel die Neurofibromatose (Morbus Recklinghausen), bei denen in Folge Hirntumore häufiger auftreten
  • Bestimmte Behandlungsmethoden – wie eine Strahlentherapie – zum Beispiel zur Behandlung einer Leukämie im Kindesalter, können das Risiko von bösartigen Hirntumoren erhöhen

Weitere Faktoren werden zudem als Risikofaktoren für Hirntumore diskutiert:

  • Bestimmte bildgebende Verfahren: Eine Computertomografie (CT) im Kindesalter erhöht geringfügig das Risiko, später einen Hirntumor zu entwickeln. Von anderen bildgebenden Verfahren, in denen ionisierende Strahlen eingesetzt werden, wie beispielsweise Röntgenuntersuchungen des Zahnapparates, geht nach derzeitigem Wissen jedoch kein eindeutig erhöhtes Risiko aus
  • Ob Umweltgifte oder elektromagnetische Wellen, wie sie zum Beispiel beim Telefonieren mit dem Handy einwirken, eine Rolle bei der Entwicklung von Hirntumoren spielen, ist bislang weder eindeutig geklärt, noch ausgeschlossen

Kopfschmerzen sind meist harmlos. Treten sie neu auf oder verändern sich, sollte man sie aber abklären lassen

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Symptome

Beschwerden, die durch einen Hirntumor ausgelöst werden, sind vielfältig und unter anderem abhängig von der genauen Lage des Tumors. Die meisten Beschwerden sind dabei eher unspezifisch. Dazu gehören unter anderem:

  • Epileptische Anfälle
  • Neurologische Ausfallserscheinungen wie halbseitige Lähmung, Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Gefühlsstörungen
  • Psychische Veränderungen

Sogenannte Hirndruckzeichen entstehen, wenn der Hirntumor das gesunde Hirngewebe verdrängt und mehr Raum fordert. Da sich der knöcherne Schädel nicht ausdehnen kann, steigt der Druck in der Schädelhöhle. Zu den Hirndruck-Zeichen gehören: 

  • Neu auftretende Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma

Vor allem Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit kommen auch bei einer Vielzahl anderer, meist harmloser Erkrankungen – wie Erkältung, Grippe, Migräne – vor und deuten nicht zwangsläufig auf einen Hirntumor hin. Besonders heftige, lang andauernde und zunehmende Beschwerden sowie jeder nach dem 20. Lebensjahr erstmals auftretende epileptische Krampfanfall sollte jedoch unbedingt von einem entsprechend erfahrenen Arzt abklärt werden.


MRT: Wichtigste Methode, um einen Hirntumor festzustellen

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Diagnose

Eine spezifische Früherkennungsuntersuchung für Hirntumore gibt es nicht. 

Um Hirntumore oder andere neurologische Erkrankungen frühzeitig entdecken und rechtzeitig behandeln zu können, sollten Sie bei bestimmten Symptomen umgehend einen Arzt aufzusuchen:

  •  zunehmend starke Kopfschmerzen
  • Schwindel oder Bewusstseinsverlust
  • Plötzliche Sehstörungen oder Gesichtsfeldausfälle
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sprachprobleme
  • Gefühlsstörungen, z.B. in den Händen oder im Gesicht
  • Plötzliche Lähmungserscheinungen
  • Epileptischer Anfall
  • wiederholte morgendliche Übelkeit oder Erbrechen

Auch wenn Sie diese Symptome bei anderen – zum Beispiel bei Ihrem Kind – bemerken, sollten Sie mit der Person zum Arzt gehen. Dies gilt auch, wenn Sie feststellen, dass sich der Betreffende plötzlich anders verhält, sich zum Beispiel immer mehr zurückzieht.

Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor, führt der Arzt zunächst eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung durch.

Die wichtigste bildgebende Methode zur Diagnose von Hirntumoren ist die Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes. Bei der MRT ist ein Hirntumor in praktisch 100 Prozent der Fälle sichtbar. Die Computertomografie (CT) wird in Notfallsituationen oder bei Patienten, bei denen keine MRT möglich ist (Kontraindikationen), eingesetzt. In manchen Fällen kann sie auch ergänzend zu einer MRT sinnvoll sein. Bei gefäßreichen Hirntumoren kann gegebenenfalls eine Angiografie (Röntgen-Untersuchung der Hirngefäße) zusätzlich weiterhelfen. Auch eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) kann in bestimmten Fällen weitere Hinweise auf einen Hirntumor liefern.

Eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kann Informationen über den Stoffwechsel eines fraglichen Hirntumors liefern. Sie kann helfen, gutartige Veränderungen (wie Narben- oder Entzündungsherde) von bösartigen abzugrenzen. Zudem kann die PET in bestimmten Fällen zusätzliche Informationen liefern: In einer PET lässt sich bei Verlaufsbeobachtungen möglicherweise erkennen, ob ein langsam wachsender Tumor in eine bösartigere Form übergeht (Malignisierung des Tumors).

Um die Diagnose eines Hirntumors zu sichern und die Art des Tumors festzustellen, ist in der Regel eine Gewebeprobe notwendig. Diese kann gezielt über einen kleinen Eingriff (stereotaktische Biopsie) oder im Rahmen der operativen Entfernung des Tumors erfolgen.

Malignitätsgrade von Hirntumoren 

Bösartigkeit und Wachstumsverhalten von Hirntumoren lassen sich durch die sogenannten Malignitätsgrade beschreiben. Die Einteilung der Hirntumoren erfolgt anhand der WHO-Klassifikation (Weltgesundheitsorganisation) in die Grade I bis IV:

Grad I: Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, der sich nur wenig von normalen Gewebezellen unterscheidet (differenzierter Tumor) und der nur langsam wächst. Hierzu zählen unter anderem die Astrozytome Grad I.

Grad II: Diese Tumoren wachsen in die Umgebung ein (infiltratives Wachstum) und es kann zu Rückfällen kommen. Eine Entwicklung hin zu aggressiveren Tumoren ist möglich. Ein Beispiel ist das Astrozytom Grad II.

Grad III und Grad IV: Die Tumoren zeigen in der feingeweblichen Untersuchung Zeichen der Bösartigkeit und sie wachsen meist rasch. Beispiele: Anaplastisches Astrozytom Grad III, Glioblastom Grad IV.

Hirnmetastasen sind Absiedlungen (Tochtergeschwülste) anderer bösartiger Tumore. 20 bis 30 Prozent aller Gewebsneubildungen im Gehirn sind Metastasen. Vor allem Krebserkrankungen wie Brustkrebs, Hautkrebs, Lungenkrebs und Nierenkrebs streuen häufig ins Gehirn und siedeln dort Metastasen ab.


Operation: Wenn möglich, sollte der Tumor entfernt werden

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Therapie

Zur Behandlung von Hirntumoren stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung: die Operation, die Bestrahlung des Tumors (Strahlentherapie) und die Chemotherapie. Neben diesen klassischen Behandlungsverfahren kommen insbesondere bei Patienten mit schnell wachsenden Hirntumoren auch etliche neue Therapiekonzepte zum Einsatz - meist im Rahmen einer klinischen Studie.

Die genaue Behandlung hängt von der Art des Hirntumors sowie von seiner Lage im Gehirn ab. Vor jeder Therapie gilt: Der Patient muss über mögliche Vor- und Nachteile sowie über Alternativen aufgeklärt werden. Manchmal kann es auch ratsam sein, abzuwarten und die Erkrankung zu beobachten.

  • Operation

Hirntumore, die operativ gut zugänglich sind, werden in vielen Fällen entfernt. Je nach Größe und Lokalisation des Tumors muss ein Chirurg hierzu die Schädeldecke öffnen beziehungsweise Instrumente über ein Bohrloch in der Schädeldecke einführen (transkranielle Operation). Alternativ kommt eine transsphenoidale Operation (durch die Nase) infrage. Solche Eingriffe können gesundes Nervengewebe beeinträchtigen, was zu neurologischen Störungen wie Sprachschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Lähmungen oder Gangunsicherheiten führen kann. Bei gutartigen Hirntumoren stellt die Operation in der Regel die einzige notwendige Behandlung dar.

Besteht bei einem Tumor ein hohes Rückfallrisiko, wurde eine bösartige Geschwulst durch eine Operation nur unvollständig entfernt oder ist eine Operation nicht möglich, können Ärzte zusätzliche Therapien einsetzen:

  • Bestrahlung

Die Strahlentherapie kann bei Hirntumoren vor oder nach einer Operation sowie alleine zum Einsatz kommen. Ziel ist es, den Hirntumor durch gezielte Bestrahlung zu zerstören und dabei möglichst wenig gesundes Hirngewebe zu schädigen. Die Bestrahlung erfolgt entweder von außen oder über Strahlungsquellen (Radionuklide), die direkt in den Tumorbereich im Gehirn eingebracht werden. Als Nebenwirkung kann es ebenfalls zu neurologischen Störungen kommen.

  • Chemotherapie

Hierbei kommen spezielle Medikamente, sogenannte Zytostatika zum Einsatz, die den Hirntumor zerstören sollen. Die Chemotherapie wird bei Hirntumoren häufig mit einer Strahlentherapie kombiniert. Man spricht dann von einer Radiochemotherapie. Auch hierbei können neurologische Probleme auftreten.

Eine psychosoziale Betreuung von Patient und Angehörigen sollte einen festen Stellenwert in der Therapie eines Hirntumors haben. Tumor- oder behandlungsbedingte neurologische Störungen müssen unterstützend behandelt werden.


Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

 

Weitere Quellen:

Deutsche Krebsgesellschaft: Hirntumor. Online: http://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/hirntumor.html (abgerufen am 05.04.2016)

Deutsche Krebsgesellschaft: Astrozytome und Glioblastome. Online: http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hirntumor/astrozytome-und-glioblastome.html (abgerufen am 05.04.2016)

Ostrom QT et al. (2013): CBTRUS statistical report: Primary brain and central nervous system tumors diagnosed in the United States in 2006-2010. In: Neuro-Oncology 2013, Nov;15 Suppl 2:ii1-56.

kinderkrebsinfo.de: Hirntumoren - Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS). Online: http://www.kinderkrebsinfo.de/erkrankungen/zns_tumoren/index_ger.html (Abgerufen am 12.04.2016)

Walsh KM et al.: Epidemiology. In: Handbook of Clinical Neurology 2016, 134:3-18.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, Jupiter Images GmbH/Ablestock, Thinkstock/ Creatas, Jupiter Images GmbH/Creatas, Jupiter Images GmbH/ Photos.com

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