Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Vorbeugung, Praktische Tipps

Hundert Prozent allergenfrei leben? Da würde jeder Allergiker aufatmen. Je nach Art des Allergens sieht die Wirklichkeit leider oft anders aus. Ein paar hilfreiche Strategien gibt es aber dennoch
aktualisiert am 05.04.2017

Hier ist die Luft tatsächlich fast rein, was Pollen angeht

Juice Images/ RYF

Allergene möglichst meiden

Schön und gut, es ist das Therapieprinzip Nr. 1. Aber lässt es sich wirklich immer in die Tat umsetzen? Nicht jede/r Betroffene kann den Pollen oder anderen Allergenen ohne weiteres entfliehen, als von Heuschnupfen Geplagter also beispielsweise einfach mal sechs Wochen frische Meeresluft atmen. Oder sich für eine Weile in die Bergwelt zurückziehen, wo ab etwa 1200 bis 1500 Höhenmetern die pollenarme Zone beginnt.

Wie schwer es ist, den manchmal tausende Kilometer weit fliegenden Pollen aus den Weg zu gehen, wird auch deutlich, wenn man bedenkt, dass ein Dutzend von ihnen pro Kubikmeter Luft genügt, um einen allergischen Anfall auszulösen, ein Baum in seiner vollen Blüte aber millionenfach Pollen freisetzt!

Alles in allem gibt es aber durchaus Möglichkeiten, die Belastung mit Allergenen niedrig zu halten, wie sich auch das Allergierisiko senken lässt – teilweise jedenfalls.

Hilfreiche Strategien gegen Pollen

Pollenallergiker können zum einen den Pollenflugalarm nutzen. Klar ist, dass jemand, der auf Wiesengräser allergisch reagiert, in der entsprechenden Pollenflugzeit besser auf Distanz zur Natur geht. Nachts sollten die Fenster geschlossen bleiben. Nur stoßweise lüften, bei Schauern besser danach, da die Luft dann "reiner" ist. In der Stadt erreicht die Pollenkonzentration normalerweise abends ihren Höhepunkt. Für die Fenster gibt es Schutzgitter, fürs Auto Filter, für Radfahrer zumindest eine Sportbrille.

Zum anderen empfiehlt es sich, abends vor dem Zubettgehen die Pollen aus Haaren und Kleidern zu waschen, jedenfalls die getragenen Kleider nicht ungereinigt im Schlafzimmer herumliegen zu lassen.

Bei Allergie gegen Hausstaubmilben: Ab in die Tiefkühltruhe (für einen Tag)

Banana Stock/ RYF

Milben eindämmen

Hausstaubmilben
Die winzigen Spinnentierchen leben von Hautschuppen und besiedeln daher Wohntextilien aller Art, die Mensch und Tier nahe sind. Sie mögen es gerne gemütlich, feucht, aber nicht kühl. Ideale Bedingungen treffen sie in Betten an, nehmen aber auch mit häufig benutzten Polstermöbeln und Gardinen vorlieb. Selbst Stofftapeten sind vor ihnen nicht sicher. Ihre Ausscheidungen oder Reste davon, die eigentlichen Allergieauslöser, bleiben in der Matratze und im Oberbett hängen und heften sich auch an den Staub.

Was allerdings am Staub im Einzelfall genau die Beschwerden auslöst – ob Pollen, Pilzsporen (siehe unten), Tierschuppen oder -haarpartikel, Federreste oder eben Bestandteile aus getrocknetem Milbenkot – das können nur eine gezielte allergologische Diagnostik und Nachweisverfahren aufdecken.

Saubere Haushaltung ist die Grundvoraussetzung, um die Belastung mit Milben zu senken. Dazu gehören ein staubarmes Ambiente, regelmäßig feucht gereinigte Böden und Oberflächen, wiederholtes Lüften und häufiges Reinigen von Wäsche und Kleidern. Wo Schimmel und Stockflecken lauern, gedeihen auch Milben. Sonneneinstrahlung vertreibt Milben oder tötet sie ab.

Zur Senkung der Allergenbelastung bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Oberbetten – Kissen und Decken – täglich lüften und regelmäßig etwa alle vier Wochen waschen, falls das Material sich gut dazu eignet. Ansonsten häufig reinigen. Matratzen regelmäßig wenden. Als Sofortschutz gibt es spezielle Schutzbezüge, Encasings, für Matratzen und Oberbett (siehe unten). Die Bettbezüge müssen natürlich trotzdem regelmäßig bei 60° C gewaschen werden.
  • Auch befallene Textilien können durch einstündiges Waschen bei über 60° C saniert werden, Stofftiere durch mindestens 24-stündige Behandlung in der Tiefkühltruhe bei -18° C. Anschließend komplett durchtrocknen lassen. Bei unsicherem Ergebnis lieber entsorgen und ein kochfestes Exemplar anschaffen, das regelmäßig gewaschen werden kann (über eine Stunde bei 60° C).
  • Für milbenträchtige Teppiche und Polstermöbel gibt es zwar akarizide Mittel. Besser wäre es allerdings, sich ganz von diesen Gegenständen zu trennen beziehungsweise von vornherein auf Staubfänger wie Vorhänge, Teppichböden, viel Stoff, auch Stofftapeten und Plüsch zu verzichten. Das gilt ganz besonders fürs Schlafzimmer. Das Bett sollte mit milbendichten Überzügen (Encasings, siehe oben) ausgestattet werden, deren Kosten die Krankenkassen übernehmen. Auch in Hunde- und Katzenkörbchen nisten Milben übrigens gerne.
  • Raumluftbefeuchter sind entbehrlich. Staubsaugen und Wechseln der Staubbeutel lieber Mitmenschen überlassen, die nicht allergisch sind. Es empfiehlt sich ein Gerät, das über ein Feinfiltersystem verfügt (Allergiker-Siegel). Ein wenig feuchtes (relative Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent), wohltemperiertes Wohnklima trägt am ehesten dazu bei, die ungebetenen Gäste fernzuhalten.

Vorratsmilben
Auf Nahrungsvorräten im Hause oder in der Landwirtschaft – Silo-Futter, Heu, Stroh, Getreide – gedeihen bei Lagerungsbedingungen, die dies fördern (weder kühl noch trocken) Vorratsmilben bestens. Untersucher fanden beispielsweise in einem Kilogramm Heu, das ein Jahr lang milbenfreundlich gelagert worden war, Abertausende dieser bis zu einen halben Millimeter großen Exemplare. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Landwirte bei der Fütterung von Stalltieren diesen Allergieauslösern in hohem Maße über die Atemluft ausgesetzt und sensibilisiert, teilweise bereits auch dagegen allergisch sind (Typ-1-Allergie, allergische Rhinokonjunktivitis): Anzeichen dafür sind wiederum Niesattacken, Fließschnupfen, tränende Augen.

In den häuslichen Bereich, etwa der Speisekammer, können Vorratsmilben über Getreideprodukte, zum Beispiel Mehl oder pulverisierte Fertignahrung, gelangen. Sie leben auch von Schimmelpilzen und anderen Milben. Über den Verdauungstrakt aufgenommen, wirken Bestandteile von ihnen gegebenenfalls als Nahrungsmittelallergene und könnten dann allergische Magen-Darm-Beschwerden oder Hauterscheinungen (Nesselsucht, sogenannte Urticaria) auslösen. Im Rahmen von Blut-, Haut-, gegebenenfalls auch Provokationstests lässt sich bei entsprechendem Verdacht überprüfen, ob eine Sensibilisierung gegen Milbenallergene vorliegt.

Kreuzallergien (siehe auch Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Ursachen, Risikofaktoren") zwischen Hausstaub- und Vorratsmilben sind möglich, kommen aber eher selten vor. Die einzige Möglichkeit, Vorratsmilben in die Schranken zu weisen, sind optimale, hygienisch einwandfreie Lagerungsbedingungen an möglichst kühlem, trockenem Ort (relative Luftfeuchtigkeit höchstens 40 Prozent) und in dicht verschlossenen Behältnissen. Dies gilt natürlich auch für den häuslichen Bereich.

Schimmelpilze trockenlegen

Schimmelpilze sind Kleinstlebewesen, die eine eigene Gattung bilden. Sie zeichnen sich durch enormen Artenreichtum aus. Zur Fortpflanzung dienen ihnen ihre Sporen, die ähnlich wie Pollen vom Winde verweht werden. Nach Aufnahme über die Atemwege können sie Allergien auslösen. Das trifft besonders auf einen engeren Kreis von etwa 20 Pilzarten zu, darunter Sorten wie Alternaria, Aspergillus, Cladosporium, Penicillium und andere.

Insgesamt sind diese Allergien jedoch deutlich seltener als die durch Hausstaubmilben ausgelösten. Schimmelpilze lieben ein feuchtes, kühles, wenig belüftetes Milieu, also Keller, Nischen, feuchte Badezimmerwände oder geschlossene Sommerhäuser. Auch darin lagernde Matratzen, Polstermöbel oder Teppichböden bleiben oft nicht verschont. Ideale Nährböden für Schimmelpilze sind außerdem Holzverschalungen, Gummidichtungen, Raumluftbefeuchter, Pflanzenerde, Kühlschränke, Nahrungsmittel.

Allergenarmes Raumklima: So gehts

Ob bereits allergisch oder nicht: Feuchtigkeit und damit einen eventuellen Schimmelpilzbefall sollte man nach Möglichkeit stets vermeiden. Die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen sollte auf Dauer 65 bis 70 Prozent nicht überschreiten. Schimmelpilze sollten Sie möglichst beseitigen. Um zu ermitteln, ob überhaupt ein Befall vorliegt und um welche Pilzart es sich handelt, gibt es spezielle Testverfahren. Erwägt man eine Wohnraumsanierung, sollte man sich fachkundig beraten lassen, denn das Ganze kann schnell aufwendig und teuer werden.

Schon einfache Maßnahmen können helfen, Schimmelpilzen den Boden zu entziehen. Um das Risiko von Schimmelpilzbefall und entsprechenden Allergien zu senken, gelten teilweise ähnliche Empfehlungen wie zur Vorbeugung von Hausstaubmilbenallergien:

  • Frisches, staubfreies, nicht zu feuchtes Wohnklima; mehrmals täglich kurzes Stoß-Lüften (fünf bis zehn Minuten ein oder mehrere Fenster vollständig öffnen)
  • Wählen Sie leicht zu pflegende Möbel (Holz, Leder, Metall, Glas) in überschaubarer Zahl und stellen Sie das Mobiliar mit Abstand zu den Wänden auf
  • Wischbare Böden sind ideal, einzelne Teppiche möglich, da sie im Allgemeinen gut zu reinigen und zu lüften sind
  • Auf Raum-Textilien möglichst verzichten
  • Lebensmittel immer hygienisch und möglichst kurz aufbewahren, angeschimmelte Ware wegwerfen
  • Kühl- und Tiefkühlschränke regelmäßig reinigen
  • Besonders auch in Feuchtbereichen wie Küche und im Badezimmer für möglichst gute Belüftung sorgen
  • Halten Sie insbesondere Ihr Schlafzimmer frei von Zimmerpflanzen oder lassen Sie sich beraten, welche unproblematisch sind
  • Auch wenn Ihr Herz daran hängt und die Bewegung Ihnen gut tut: Seien Sie bei Gartenarbeiten vorsichtig, wenn Sie mit Erdreich, feuchtem, modrigem Laub und Kompost in Kontakt kommen; alles dies sind wahre Schimmelpilz-Biotope
  • Als Betroffene/r möglichst nicht selbst staubsaugen; das Gerät sollte ein geeignetes Feinfiltersystem haben (siehe oben: Abschnitt "Milben eindämmen")

Kuschelkatze: Bei allergischem oder allergiegefährdetem Kind tabu!

Thinkstock/Hemera

Pro & Contra: Haarige Tierfreunde

Tierhaarallergien werden vor allem durch Bestandteile in Hautschuppen, im Speichel oder in Ausscheidungen ausgelöst – feinste Teilchen, die sich an Federn oder Fellhaare heften, wenn das Tier sich leckt, und die mit dem Staub in die Luft gelangen. Die Stärke der Allergie prägt immer das Ausmaß der Symptome. So können Kinder, die eine milde Pferdehaarallergie haben, eventuell trotzdem reiten, sollten aber danach die Kleidung wechseln. Andere dagegen bekommen schon im Umkreis von Stallgeruch Beschwerden. Manche Betroffene mit einer Tierhaarallergie reagieren sogar auf Felljacken oder -teppiche allergisch.

Wenn keine Allergieneigung in der Familie bekannt ist, ist auch keine Tierabstinenz nötig. Ist ein Kind familiär vorbelastet, so wird zur Vorbeugung einer Allergie insbesondere der Verzicht auf felltragende Tiere wie Katzen und Nagetiere empfohlen. Lebt bereits eine Katze im Haushalt, wird es eine Einzelfallentscheidung sein, ob man sich lieber von dem Tier trennen soll. Hundehaltung kann nach neueren Ergebnissen das Risiko für Asthma und ein atopisches Ekzem senken – wahrscheinlich durch die Belastung des Tieres mit Umweltkeimen. Besteht allerdings bereits eine nachgewiesene Allergie gegen den Hund, ist es besser, eine andere Heimstatt für ihn zu finden.

Wer jedoch eine ausgeprägte Tierhaarallergie hat, sollte sich auf keinen Fall ein Tier anschaffen. Denn auch ein als allergenarm deklarierter Vierbeiner produziert Allergene, de facto genauso viele. Nur finden sich bei wenig haarenden Hundearten wie etwa Pudeln, die teilweise als "allergikerfreundlich" bezeichnet werden, in der Umgebung weniger auslösende Partikel. Früher oder später können sie trotzdem Beschwerden auslösen. Lassen Sie sich bei Bedarf von einem allergologisch erfahrenen Arzt beraten.

Mutter stillt Säugling

Konkurrenzlos gut: Muttermilch ist in den ersten Monaten die beste Nahrung fürs Baby, auch dann, wenn es allergiegefährdet ist

Stockbyte/ RYF

Allergievorbeugung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Möglicherweise haben Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein erhöhtes Allergierisiko. Sofern eine schwangere Frau die Wahl hat, wie sie entbinden möchte, sollte sie sich darüber mit ihrem Frauenarzt beraten. Ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig, so gibt es daran nichts zu rütteln.

Ernährung

Diätempfehlungen zur Allergievorbeugung gibt es nicht. Vielmehr wird zu einer ausgewogenen und den Nährstoffbedarf deckenden Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit geraten. Bestimmte allergiefördernde Nahrungsmittel bewusst zu meiden, hat keine Vorteile. Fisch in der Ernährung schwangerer und stillender Frauen trägt zum Schutz des Kindes vor späteren atopischen Erkrankungen bei.

Ideal fürs Baby: Muttermilch

Muttermilch in den ersten vier Lebensmonaten ist uneingeschränkt empfehlenswert. Sie liefert dem Baby alles, was es dieser Zeit braucht, ist gut bekömmlich und schützt es am ehesten vor späteren Allergien. Normale Vollmilch eignet sich wegen ihrer Zusammensetzung nicht für Säuglinge. Ab dem fünften Lebensmonat darf ein Baby Beikost erhalten. Nach und nach kann ein Kind, wenn sonst nichts dagegen spricht, auf gesunde "Erwachsenenkost" einschließlich Fischmahlzeiten (schon in der Beikost!), die möglicherweise Allergien vermeiden helfen, eingestellt werden. Kann oder möchte eine Mutter nicht stillen, sollte sie ihrem Kind bei Allergiegefahr, etwa familiärer Belastung mit Allergien, bis zum vierten vollendeten Monat allergenreduzierte (hypoallergene = HA-) Säuglingsmilch geben. Der Kinderarzt wird die Mutter genauer beraten.

Übrigens: Auch Übergewicht, besonders im Kindesalter, fördert das Allergie- und Asthma-Risiko. Gut, wenn Ihr Kind sich gesund ernährt und sich regelmäßig körperlich bewegt.

Empfohlenen Impfschutz nicht vernachlässigen

Auf das Impfen Ihres Kindes, auch wenn es allergiegefährdet ist, sollten Sie wirklich nicht verzichten. Im Gegenteil: Impfen im empfohlenen Rahmen (richtungweisend sind hier im Allgemeinen die Empfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO)) könnte auch dazu beitragen, das kindliche Immunsystem allgemein zu aktivieren.

Ist eine Allergie auf Hühnerweiß bekannt, so können allergenfreie Impfstoffe herangezogen werden. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Kinderarzt beraten, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie Ihr Kind impfen lassen sollen.


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