Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Ursachen, Risikofaktoren

Wenn die Eltern allergisch sind, hat ein Kind ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Allergie wie Heuschnupfen zu erkranken. Aber es gibt noch weitere Risikofaktoren
aktualisiert am 05.04.2017

Allergierisiko: Gene mischen mit

ItStockFree/RYF

Bei allen Formen des allergischen Schnupfens – sei es Heuschnupfen oder Schnupfen aufgrund einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare – spielt Vererbung eine Rolle. Dasselbe gilt für die Neurodermitis. Dabei kommen letztlich komplizierte Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt zum Tragen. Die Erkrankungen bilden den atopischen Formenkreis (siehe auch Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Symptome"). Doch wie kommt es überhaupt zu einer allergischen Reaktion?

Allergie: Immunsystem auf Abwegen

Unser Immunsystem ist normalerweise so gepolt, dass es Krankheitserreger oder unerwünschte Partikel im Körper erkennt und abwehrt, ansonsten aber tolerant ist. Mit vielen Schädlingen werden wir dadurch leichter fertig, oder wir erkranken erst gar nicht.

So entsteht eine Soforttyp-Allergie (ein Klick auf die Lupe zeigt das vollständige Bild; siehe auch Text)

W&B/Szczesny

Bei einer Typ-1-Allergie passiert Folgendes: Bestimmte Zellen des Immunsystems (dendritische Zellen, Th2-Zellen, B-Zellen) sehen plötzlich in einem harmlosen Stoff wie Pflanzenpollen  einen Feind und bringen passende Antikörper (Immunglobuline E, IgE) gegen das "Antigen" in Stellung (Sensibilisierung, noch keine Symptome; siehe Schritte 1 und 2 links im nebenstehenden Bild; zur Vergrößerung bitte auf die Lupe klicken).

Die an Mastzellen gekoppelten IgE binden nun beim nächsten und jedem weiteren Kontakt mit dem Antigen (oder Allergen) im höchstmöglichen Maße diese Stoffe (Schritte 3 und 4, rechts im Bild). Dabei werden aus den Mastzellen und den anderen weißen Blutzellen in der Schleimhaut jede Menge entzündungsfördernde Substanzen freigesetzt, unter anderem Histamin. Die Folge ist eine allergische Typ-1- oder Sofortreaktion, die vor allem Nase und Augen zu schaffen macht (allergische Rhinokonjunktivitis).

Bei allergischem Asthma verlieren die Bronchien durch die chronische Entzündung der Schleimhaut auf Dauer an Elastizität. Ihre Wände verdicken sich (Remodelling), was das Atmen langfristig erschwert.

Die Allergie ist also gewissermaßen eine Eskalation der Sensibilisierung. Meist passiert der "Irrtum" des Immunsystems schon in der frühen Kindheit. Tatsächlich stellen Allergien bei Kindern eines der häufigsten Gesundheitsprobleme dar.

Allergien: In die Wiege gelegt?

Dass in manchen Familien einer an Neurodermitis, ein anderer an Asthma und wieder ein anderer an Heuschnupfen leidet, lässt erkennen, dass die IgE-vermittelten Allergien einiges mit Veranlagung zu tun haben müssen. So weiß man heute, dass das Erkrankungsrisiko der Kinder um ein Vielfaches steigt, wenn beide Eltern in der einen oder anderen Richtung mit einer atopischen Erkrankung belastet sind.

In Zahlen sieht das für die Nachkommen so aus:

•     Kein Familienmitglied allergisch: Allergierisiko 5 bis 15 Prozent
•     Ein Elternteil/Geschwisterkind allergisch: Allergierisiko 25 bis 30 Prozent (dabei spielt eine Allergie seitens der Mutter offenbar die größere Rolle)
•     Beide Eltern allergisch: Allergierisiko 40 bis 60 Prozent
•     Beide Eltern mit derselben Allergie: 60 bis 80 Prozent

Zigarettenrauch fördert Atemwegsallergien

Jupiter Images/Thinkstock

Rauchende Eltern, allergische Kids

Kinder, die ständig Zigarettenrauch ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Allergierisiko. Bei Asthma führt an einer rauchfreien Umgebung kein Weg vorbei – für Kinder wie für Erwachsene.

Schwangere, die rauchen, geben ihrem Kind gleich mehrere Gesundheitsrisiken mit auf den Weg: niedrigeres Geburtsgewicht, erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod, für Entwicklungsstörungen, Fehlbildungen und Krankheiten wie Allergien und Lungenschäden. Rauchfreies Aufwachsen von Anfang an – also schon vor der Geburt – trägt dagegen dazu bei, das Kind vor Krankheiten zu schützen.

Bei allergischem Schnupfen reagiert die Nase auf viele Reizstoffe empfindlicher

W&B/ Szczesny

Reizstoffe irritieren empfindliche Nasen und Bronchien

Tabakrauch ebnet also Allergien den Weg. Umgekehrt haben Menschen mit allergischem Schnupfen oft überempfindliche Atemwege. Die Schleimhäute dort können auf vielfältige Reize, allen voran Zigarettenrauch, mit einer Entzündung reagieren. Auch gegenüber Stäuben, Duft- und Aromastoffen ist die Reizschwelle oft niedrig. 

Innenraumluftschadstoffe wie zum Beispiel Formaldehyd und Lösungsmitteldämpfe, die aus neuen Möbeln oder bei Streich- und Lackarbeiten frei werden können, stehen im Verdacht, das Risiko für atopische Erkrankungen und Asthma zu erhöhen. Auch längerfristige Exposition gegenüber Autoabgasen und lungengängigen Feinstaubpartikeln gilt als asthmaträchtig.

Bei manchen Betroffenen können sogar Temperatursprünge oder körperliche Anstrengungen allergieartige Beschwerden auslösen. Die Schwellungen in der Nase erschweren zudem die Selbstreinigung und Belüftung der Nebenhöhlen. Dies begünstigt Nasennebenhöhlenentzündungen. Im Laufe der Zeit können sich zudem die Nasenmuscheln im Inneren der Nase vergrößern (Hyperplasie) – auch dies ist oft eine Folge der allergischen Überreizung. Dadurch wird die Nasenatmung noch mehr behindert.

Gemeiner Beifuß (auch Gewürzbeifuß oder Artemisia vulgaris, links) und Hasel ... bei uns seit langem klassische Pollenquellen

W&B/Winfried Fischer

Weltweite Zunahme von Allergien – Pollenspektrum im Wandel

Allergien sind chronische Erkrankungen und nehmen rund um den Globus zu. So wird geschätzt, dass inzwischen 25 Prozent der Bevölkerung allergisch ist. Experten befürchten, dass sich gerade auch der Heuschnupfen weiter ausbreitet. Die Liste der Auslöser wird immer länger. Einer der Gründe dafür ist, dass das Pollenspektrum sich ständig verändert. So bringt zum Beispiel die in Deutschland erst seit Kürzerem heimisch gewordene Beifußambrosie (Ambrosia artemisiifolia, engl. ragweed, nicht zu verwechseln mit dem Gemeinen Beifuß) erhebliches Allergie-Potenzial mit sich. Veränderungen des Klimas können außerdem den Pollenflug verstärken oder verlängern. Auch die Verbindung von Schadstoffen und Pollen spielt eine Rolle, besonders in den Städten. Schadstoffbelastung beeinflusst möglicherweise den Stoffwechsel der Pflanzen. Mit den Pollen könnten sie dann auch vermehrt allergen wirkende Substanzen freisetzen.

Klassische, für Heuschnupfen verantwortliche Pflanzenpollen stammen von windbestäubten, früh blühenden Bäumen wie Hasel und Erle. Als nächstes folgen Pappel, Weide, Esche, Buche, Birke. Bis zu 70 Prozent der wichtigsten allergenen Pollen sind Birkenpollen. Von etwa April / Mai bis September sind einschließlich der Vor- und Nachblüte Gräser, vor allem Lieschgras und Spitzwegerich, potente Auslöser. Dazu zählt mit Blütezeit im August und September auch die zuvor genannte Beifußambrosie (artemisiifolia). Hauptblütezeit des ebenfalls pollenstarken Roggens ist meist der Juni. Im Herbst haben dann noch verschiedene blühende Kräuter beziehungsweise "Unkräuter" als reich mit Pollen(-Allergenen) gesegnete Pflanzen Saison oder Nachsaison.

Trainiert die Natur das Immunsystem?

Digital Vision/ RYF

Die Hygiene-Hypothese: Landluft senkt Allergierisiko

Bei der Diskussion über die Ursachen von Allergien geht es immer wieder auch um die sogenannte Hygiene-Hypothese. In Studien wurde festgestellt, dass Kinder, die auf dem Lande, insbesondere auf einem Bauernhof, aufwachsen, ein deutlich niedrigeres Asthmarisiko haben als Stadtkinder. Vermutlich trainiert die ländliche Umgebung mit ihrer größeren Artenvielfalt und Naturnähe das kindliche Immunsystem besser als ein "steriles" Stadtmilieu.

Dazu passt auch die Beobachtung, dass Kinder, die mit älteren Geschwistern groß werden oder in den ersten zwei Lebensjahren regelmäßig eine Kinderkrippe besuchen, seltener Allergien bekommen. Hatte eine werdende Mutter während einer Schwangerschaft auf dem Bauernhof Kontakt mit verschiedenen Tieren, sank das Risiko des Kindes für ein atopisches Ekzem.
Die Hygiene-Hypothese wird schon seit Längerem untersucht und in letzter Zeit vermehrt gestützt.

Haben mehr als ein Gesundheitsrisiko: Übergewichtige Kinder

iStock/annedde

Vermeidbar: Risikofaktor Übergewicht

Normalgewicht trägt bei Kindern zur Vorbeugung von Allergien, insbesondere Asthma, bei. Es ist also wichtig, bei den Kleinen auf ein gesundes Körpergewicht zu achten.

Erhöhen traumatisierende Lebensereignisse das Allergierisiko?

Macht eine Schwangere ein psychisch stark belastendes Lebensereignis durch, so scheint dies das Risiko für eine spätere atopische Erkrankung beim Kind zu erhöhen. Auch ein schweres Kindheitstrauma kann bei betroffenen Kindern und Jugendlichen womöglich in dieser Richtung wirken. Eine gute psychologische Betreuung könnte dazu beitragen, gesundheitlichen und seelischen Entwicklungsstörungen vorzubeugen.

Neurodermitis-Haut braucht viel Pflege

W&B/Stefanie Aumiller

Auf Tuchfühlung mit der Allergie: Neurodermitis

Nahezu jedes dritte Schulkind hat allergische Symptome, etwa juckende, tränende oder rote Augen, Fließschnupfen, verstopfte Nase, Husten, asthmaartige Beschwerden. Wenn ein Kleinkind sich sodann mit Juckreiz, trockener Haut und einem schuppigen Ausschlag herumplagt, beispielsweise an den Oberarmbeugen und Kniekehlen, so ist das verdächtig auf eine Neurodermitis (auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt; siehe Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Symptome").

Sollte keine Allergie erkennbar sein, so hat sich bei vielen Betroffenen doch zumindest eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene entwickelt, etwa Pollen, Hausstaubmilben oder Kuhmilcheiweiß. Inzwischen ist das offenbar bei etwa 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen der Fall. Das bedeutet: Nicht selten markiert die Hauterkrankung tatsächlich den Beginn einer allergiebereiten Lebenslinie, einer Atopie.

Was Birkenpollen mit Äpfeln zu tun haben? Tatsächlich sind manche Menschen auf beides allergisch

Thinkstock/iStockphoto

Kreuzallergie: Ärger mit der Allergen-Verwandtschaft

Manche Kinder oder Erwachsene, die zum Beispiel eine Allergie auf Birkenpollen haben, sind gleich doppelt geplagt, denn sie reagieren auch allergisch auf bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel – etwa Äpfel, Haselnuss, Birne, Pflaume, Karotte, Sellerie, Sojaeiweiß.

Die Ursache dieser Kreuzallergien liegt darin, dass wichtige Allergene der Baumpollen und bestimmter Obst- und Gemüsesorten sich sehr ähnlich sind. Dann zielt das Immunsystem mit seinen reaktionsbereiten Antikörpern auf beide Allergenarten und führt unter Umständen bei Kontakt mit beiden zu Beschwerden. Kreuzreaktionen nennen Ärzte das. Diese Reaktionen sind bei Jugendlichen und Erwachsenen die häufigste Ursache für Nahrungsmittelallergien überhaupt.

Die Kreuzreaktionen treten aber nicht immer gleichbleibend stark auf, manchmal auch nur vorübergehend. Die Bandbreite bis hin zum allergischen Schock ist groß, und es nehmen verschiedene Faktoren Einfluss. Beispielsweise schwankt der Allergengehalt des Nahrungsmittels. Er hängt unter anderem von der Sorte, Reife, geografischen Herkunft und Zubereitung ab. Manche Allergene werden beim Kochen zerstört, andere sind hitzestabil.

Auch der ständige Wandel sowohl des Pollenspektrums als auch im Angebot der Nahrungsmittel beeinflusst die Allergieraten. Schließlich ist das Immunsystem noch vielen anderen inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt. Um sicherzugehen, dass wirklich eine Kreuzallergie vorliegt, was womöglich zur Folge hätte, dass der Betroffene die kritischen Nahrungsmittel künftig meiden müsste, ist eine exakte Diagnostik notwendig. Dabei wertet der Arzt die sorgfältig dokumentierten Symptome des Patienten in Bezug zu speziellen Tests aus. Mehr dazu im nächsten Kapitel ("Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Diagnose").


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