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Heuschnupfen – allergischer Schnupfen
Praktische Tipps

Hundert Prozent allergenfrei leben? Da würde jeder Allergiker aufatmen. Je nach Art des Allergens sieht die Wirklichkeit leider oft anders aus. Alles in allem gibt es aber durchaus Möglichkeiten, die Belastung mit Allergenen niedrig zu halten


Hier ist die Luft tatsächlich fast rein, was Pollen angeht

Allergenvermeidung

Gut und schön, aber lässt sich das wirklich immer in die Tat umsetzen? Nicht jede/r Betroffene kann dem Pollenflug ohne weiteres entfliehen, als Heuschnupfen- oder Milbenallergiegeplagter also beispielsweise einfach mal sechs Wochen frische Meeresluft atmen. Oder sich für eine Weile in die Bergwelt zurückziehen – ab etwa 1 200 bis 1 500 Höhenmeter beginnt die milben- und pollenarme Zone. Ein Trost: Immerhin gibt es ja den Pollenflugalarm! Klar ist auch, dass jemand, der auf Wiesengräser allergisch reagiert, in der entsprechenden Zeit besser auf Distanz zur Natur geht. Nachts sollten die Fenster geschlossen bleiben. Nur stoßweise lüften, bei Schauern besser danach, da die Luft dann "reiner" ist. In der Stadt erreicht die Pollenkonzentration normalerweise abends ihren Höhepunkt. Für die Fenster gibt es Schutzgitter, fürs Auto Filter. Es empfiehlt sich, abends vor dem Zubettgehen die Pollen aus Haaren und Kleidern zu waschen, jedenfalls die Kleider nicht im Schlafzimmer herumliegen zu lassen. Wie schwer es ist, den manchmal tausende Kilometer weit fliegenden Pollen aus den Weg zu gehen, wird auch deutlich, wenn man bedenkt, dass ein Dutzend von ihnen pro Kubikmeter Luft genügt, um einen allergischen Anfall auszulösen, ein Baum in seiner vollen Blüte aber millionenfach Pollen freisetzt!


Mutter stillt Säugling

Konkurrenzlos gut: Muttermilch ist in den ersten Monaten die beste Nahrung fürs Baby, auch dann, wenn es allergiegefährdet ist

Marke Mutter Natur

Muttermilch ist als Babynahrung in den ersten vier Lebensmonaten nach wie vor unübertroffen und daher uneingeschränkt empfehlenswert. Normale Vollmilch eignet sich wegen ihrer Zusammensetzung nicht für Säuglinge. Ab dem fünften Lebensmonat darf ein Baby Beikost erhalten. Nach und nach kann ein Kind, wenn sonst nichts dagegen spricht, auf gesunde "Erwachsenenkost" einschließlich Fischmahlzeiten (schon in der Beikost!), die möglicherweise Allergien vermeiden helfen, eingestellt werden. Kann oder möchte eine Mutter nicht stillen, sollte sie ihrem Kind bei Allergiegefahr bis zum vierten vollendeten Monat allergenarme (hypoallergene) Säuglingsmilch geben. Allerdings sind in dieser teilhydrolysierten Fertigmilch immer noch Eiweißbestandteile aus der Kuhmilch enthalten. Insofern kann auch stark (extensiv) hydrolisierte Säuglingsnahrung sinnvoll sein. Säuglinge mit festgestellter Kuhmilchallergie benötigen auf jeden Fall stark hypoallergene (extensiv hydrolysierte) Säuglingsmilch.

Und: Verhinderung von Übergewicht, besonders im Kindesalter, trägt offenbar dazu bei, das Allergie- und Asthma-Risiko zu senken.

Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Allgemeine Diätempfehlungen gibt es nicht. Vielmehr wird zu einer ausgewogenen und den Nährstoffbedarf deckenden Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit geraten. Bestimmte allergiefördernde Nahrungsmittel bewusst zu meiden, hat offenbar keinerlei Vorteile. Möglicherweise bringt der bislang sozusagen "verpönte" Fisch sogar eher schützende Effekte im Hinblick auf Allergien mit sich. Am besten lassen sich Frauen, die in dieser Hinsicht besorgt sind, fachkundig beraten, damit sie alles richtig machen.



Bei Allergie gegen Hausstaubmilben: Ab in die Tiefkühltruhe (für einen Tag)

Milben eindämmen

Hausstaubmilben leben von Hautschuppen und besiedeln daher Wohntextilien aller Art, die Mensch und Tier nahe sind. Sie mögen es gerne gemütlich, feucht, aber nicht kühl. Ideale Bedingungen treffen sie in Betten an, nehmen aber auch mit häufig benutzten Polstermöbeln und Gardinen vorlieb. Selbst Stofftapeten sind vor ihnen nicht sicher. Ihre Ausscheidungen oder Reste davon, die eigentlichen Allergieauslöser, bleiben in der Matratze und im Oberbett hängen und heften sich auch an den Staub. Was allerdings am Staub im Einzelfall genau die Beschwerden auslöst – ob Pollen, Pilzsporen (siehe unten), Tierschuppen oder -haarpartikel, Federreste oder eben Bestandteile aus getrocknetem Milbenkot – das können nur eine gezielte allergologische Diagnostik und Nachweisverfahren aufdecken.

Zur Senkung der Allergenbelastung bei nachgewiesener Milbenallergie bieten sich folgende Maßnahmen an:

Oberbetten – Kissen und Decken – regelmäßig etwa alle vier Wochen waschen, falls das Material gut waschbar ist. Ansonsten öfters reinigen. Matratzen regelmäßig wenden. Als Sofortschutz gibt es spezielle Schutzbezüge, Encasings, für Matratzen und Oberbett.

Befallene Textilien können durch einstündiges Waschen bei über 60°C saniert werden, Stofftiere durch mindestens 24-stündige Behandlung in der Tiefkühltruhe bei -18° C, anschließend komplett durchtrocknen lassen. Alternativ gegebenenfalls durch Waschen mit einem akariziden, also milbenabtötenden Kaltwaschmittelzusatz. Bei unsicherem Ergebnis lieber entsorgen und ein kochfestes Exemplar anschaffen, das regelmäßig gewaschen werden kann (über eine Stunde bei 60°C). Befallene Teppiche und Polstermöbel können ebenfalls mit einem akariziden Mittel behandelt werden. Besser wäre es allerdings, sich ganz von ihnen zu trennen beziehungsweise von vornherein auf alle Staubfänger – Vorhänge, Teppichböden, viel Stoff und Plüsch – zu verzichten. Das gilt ganz besonders fürs Schlafzimmer. Auch Raumluftbefeuchter sind entbehrlich. Staubsaugen und Wechseln der Staubbeutel lieber anderen überlassen. Es empfiehlt sich ein Gerät, das über ein Feinfiltersystem verfügt (Allergiker-Siegel). Ein wenig feuchtes (relative Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent), wohltemperiertes und möglichst staubfreies Wohnklimaträgt am ehesten dazu bei, die ungebetenen Gäste fernzuhalten.

Auf Nahrungsvorräten im Hause oder in der Landwirtschaft – Silo-Futter, Heu, Stroh, Getreide – gedeihen bei Lagerungsbedingungen, die dies fördern (weder kühl noch trocken) Vorratsmilben bestens. Untersucher fanden beispielsweise in einem Kilogramm Heu, das ein Jahr lang milbenfreundlich gelagert worden war, Abertausende dieser bis zu einen halben Millimeter großen Spinnentierchen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Landwirte bei der Fütterung von Stalltieren diesen Allergieauslösern in hohem Maße über die Atemluft ausgesetzt und sensibilisiert, teilweise bereits auch dagegen allergisch sind. In den häuslichen Bereich können Vorratsmilben über Getreideprodukte, zum Beispiel Mehl oder pulverisierte Fertignahrung, gelangen. Sie leben auch von Schimmelpilzen und anderen Milben. Über den menschlichen Verdauungstrakt aufgenommen, können sie als Nahrungsmittelallergene wirken und allergische Magen-Darm-Beschwerden oder Hauterscheinungen (Nesselsucht, sogenannte Urticaria) auslösen. Im Rahmen von Blut-, Haut-, gegebenenfalls auch Provokationstests kann bei entsprechendem Verdacht überprüft werden, ob eine Sensibilisierung vorliegt.

Kreuzallergien zwischen Hausstaub- und Vorratsmilben sind möglich, kommen aber eher selten vor. Die einzige Möglichkeit, Vorratsmilben in ihre Schranken zu weisen, sind optimale, hygienisch einwandfreie Lagerungsbedingungen an möglichst kühlem, trockenem Ort (relative Luftfeuchtigkeit höchstens 40 Prozent) und in dicht verschlossenen Behältnissen. Dies gilt natürlich auch für den häuslichen Bereich.


 

Schimmelpilze trockenlegen

Zwischen Tier und Pflanze stehend, bilden diese Kleinstlebewesen eine ganz eigene Gattung und zeichnen sich durch enormen Artenreichtum aus. Zur Fortpflanzung dienen ihnen ihre Sporen, die ähnlich wie Pollen vom Winde verweht werden. Nach Aufnahme über die Atemwege können sie Allergien auslösen. Das trifft besonders auf einen engeren Kreis von etwa 20 Pilzarten zu, darunter Sorten wie Alternaria, Aspergillus oder Penicillium. Insgesamt sind diese Allergien jedoch deutlich seltener als die durch Hausstaubmilben ausgelösten. Schimmelpilze lieben ein feuchtes, kühles, wenig belüftetes Milieu, also Keller, Nischen, feuchte Badezimmerwände oder geschlossene Sommerhäuser. Auch darin lagernde Matratzen, Polstermöbel oder Teppichböden bleiben oft nicht verschont. Ideale Nährböden für Schimmelpilze sind außerdem Holzverschalungen, Gummidichtungen, Raumluftbefeuchter, Pflanzenerde, Kühlschränke, Nahrungsmittel ...

Natürlich sollten Feuchtigkeit immer vermieden (relative Luftfeuchtigkeit maximal 60 Prozent) und Schimmelpilze möglichst beseitigt werden. Um zu ermitteln, ob das Problem überhaupt vorliegt und um welche Erregerart es sich handelt, gibt es spezielle Testverfahren. Erwägt man eine Wohnraumsanierung, sollte man sich fachkundig beraten lassen, denn das Ganze kann schnell aufwändig und teuer werden. Schon einfache Maßnahmen können helfen, Schimmelpilzen den Boden zu entziehen. Um das Risiko von Schimmelpilzbefall und entsprechenden Allergien zu senken, gelten teilweise ähnliche Empfehlungen wie zur Vorbeugung von Hausstaubmilbenallergien (Betroffenen können diese Tipps zumindest helfen, Schimmelpilz- und Milbenallergene weitgehend zu verbannen):

-    Frisches, staubfreies, nicht zu feuchtes Wohnklima
-    Wenige, leicht zu pflegende Möbel (Holz, Leder, Metall, Glas) mit Abstand zu den Wänden
-    Wischbare Böden
-    Wenig Textilien
-    Lebensmittel hygienisch und möglichst kurz aufbewahren
-    Kühl- und Tiefkühlschränke regelmäßig reinigen
-    In "Feuchtbereichen" wie Küche und im Badezimmer für möglichst gute Belüftung sorgen
-    Halten Sie insbesondere Ihr Schlafzimmer frei von Zimmerpflanzen oder lassen Sie sich beraten, welche unproblematisch sind
-    Bei Gartenarbeiten, auch wenn Ihr Herz daran hängt und die Bewegung Ihnen gut tut: Seien Sie vorsichtig beim Kontakt mit Erdreich, feuchtem, modrigem Laub und Kompost: Alles dies sind wahre Schimmelpilz-Biotope
-    Als Betroffene/r möglichst nicht selbst Staubsaugen; das Gerät sollte ein geeignetes Feinfiltersystem haben

 


"Haarige" Tierfreunde

Ist ein Kind familiär vorbelastet, so wird zur Vorbeugung einer Allergie insbesondere der Verzicht auf Katzen und Nagetiere empfohlen. Einige Studien nähren neuerdings zwar die Vermutung, dass Haustierhaltung sogar zur Vorbeugung von Allergien beitragen könnte. Jedoch ist das bislang eine Hypothese und keinesfalls eine Empfehlung. Auch wenn Hunde vermutlich "verträglicher" sind als Katzen und ein Hunde-Verzicht nicht ausdrücklich nahegelegt wird, so zeigt die Erfahrung letztlich, dass so manches Risikokind auch bei Anwesenheit eines Hundes früher oder später doch eine Tierhaarallergie bekommt. Ist eine solche erst einmal aufgetreten, muss man sich auf jeden Fall vom liebgewordenen Vierbeiner trennen. Manche Eltern entschließen sich daher, die Notwendigkeit der Trennung erst gar nicht zu provozieren.

Einige Hunderassen gelten inzwischen auch bei Tierhaarallergie als einigermaßen geeignet. Da jeder Mensch individuell reagiert, kann man sich vor dem Erwerb des Tieres auch auf eigene Kosten testen lassen. Nähere Informationen finden Sie beim Verband für das deutsche Hundewesen.

Zur Erklärung noch Folgendes: Tierhaarallergien werden vor allem durch Bestandteile in Hautschuppen, im Speichel oder in Ausscheidungen ausgelöst – feinste Teilchen, die sich an Federn oder Tierhaare heften und mit dem Staub in die Luft gelangen. Die Stärke der Allergie prägt immer das Ausmaß der Symptome. So können Kinder, die eine Pferdehaarallergie haben, eventuell trotzdem reiten, sollten aber danach die Kleidung wechseln. Andere dagegen bekommen schon im Umkreis von Stallgeruch Beschwerden.

Wenn keine Allergieneigung in der Familie bekannt ist, ist auch keine Tierabstinenz nötig.


 

Empfohlenen Impfschutz nicht vernachlässigen

Auf das Impfen Ihres Kindes, auch wenn es allergiegefährdet ist, sollten Sie wirklich nicht verzichten. Im Gegenteil: Impfen im empfohlenen Rahmen könnte auch dazu beitragen, das kindliche Immunsystem allgemein zu aktivieren. Ist eine Allergie auf Hühnerweiß bekannt, so können allergenfreie Impfstoffe herangezogen werden. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Kinderarzt beraten, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie Ihr Kind impfen lassen sollen.



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www.apotheken-umschau.de; 16.11.2005, aktualisiert am 20.03.2012
Bildnachweis: Stockbyte/ RYF, Banana Stock/ RYF, W&B/ Frommann

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