Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Diagnose

Die Diagnose eines Heuschnupfens oder allergischen Schnupfens ergibt sich aus dem, was der Arzt vom Patienten erfährt und was er bei der körperlichen Untersuchung sowie in Tests feststellt
aktualisiert am 05.04.2017

Der Arzt untersucht bei einem Kind mit Heuschnupfen auch die Haut gründlich

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Frühzeitig kundigen Rat suchen

Entwickelt ein bislang gesundes Kind Symptome wie Fließschnupfen, verstopfte Nase, Augenjucken, Niesreiz, Hüsteln, Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz, Konzentrations- und Schlafstörungen, so ist das von Anfang an ernst zu nehmen. Also unbedingt den Haus- oder Kinderarzt kontaktieren, auch wenn der letzte Untersuchungstermin, bei dem noch alles in Ordnung war, nicht lange her ist.

Für jeden hinzugezogenen Arzt – sei es ein allergologisch spezialisierter Kinderarzt, ein Kinderpneumologe oder auch Hals-Nasen-Ohren-Arzt –, der ein Kind erstmals untersucht, ist das offizielle "Gesundheitstagebuch", also das Gelbe Vorsorgeheft, eine wichtige Basisinformation. Es enthält normalerweise alle Ergebnisse der bisherigen Früherkennungsuntersuchungen des Kindes.

Die Familiengeschichte, die Beschreibung der Gegebenheiten am Wohnort, die Schilderung der Symptome und die symptombezogene körperliche Untersuchung des Arztes – das sind weitere Schritte, um den Allergieverdacht zu erhärten und den Kreis der in Frage kommenden Allergene einzugrenzen.

Erwachsene, die erstmals Symptome eines Heuschnupfens haben, lassen sich am besten zunächst von ihrem Hausarzt beraten. Er wird dann die notwendigen Maßnahmen treffen.

Den Schnupfen-Allergenen auf der Spur

Spezielle allergologische Haut-, Blut- und gegebenenfalls Provokationstests nehmen auf Hinweise aus den Voruntersuchungen Bezug. Bei Verdacht auf eine Allergie wie Heuschnupfen gehören allergologische Hauttests zu den Standardverfahren. Sie sind für Patienten jeden Alters geeignet, sofern der Arzt zuvor keine Gegenanzeigen festgestellt hat. Dazu gehören etwa eine bekannte Neigung zu starken allergischen Reaktionen (Anaphylaxie), schlecht kontrolliertes Asthma und eine Schwangerschaft. Bei Babys und Kleinkindern versucht man oft, möglichst ohne den Hauttest auszukommen, da er für sie unangenehm ist und verständlicherweise meist starken Protest bei ihnen hervorruft.

Drei Tage vor dem Hauttest sollten Sie nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt Medikamente, die allergische Reaktionen unterdrücken, zum Beispiel Antihistaminika oder Kortison, abgesetzt haben.

Die Tests bringen in der Regel kein Risiko mit sich. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer allergischen Allgemeinreaktion (Anaphylaxie) kommen. Der Arzt ist jedoch mit Notfallmedikamenten dagegen gewappnet und hilft dem Patienten sofort.

Ein Pricktest ist prinzipiell schon bei Babies und kleinen Kindern möglich

W&B/Jan Greune

Hauttests erhärten Allergieverdacht

Pricktest: Das ist der am häufigsten praktizierte allergologische Hauttest. Dabei werden standardisierte Lösungen mit Allergenen an gekennzeichneten Stellen, meist an der Vorderseite der Unterarme, auf die Haut getropft und dann mit einem Nadelstich vorsichtig oberflächlich in die Haut gebracht. Eine Sensibilisierung zeigt sich nach wenigen Minuten als Rötung und Quaddel, etwa wie nach Berührung von Brennesseln. Zur Vergleichskontrolle wird außerdem mit einer Kochsalzlösung (soll keine Reaktion ergeben: Negativ-Kontrolle) und mit Histamin (hier ist eine Reaktion in Form einer Quaddel zu erwarten: Positiv-Kontrolle) getestet. Das Ergebnis des Pricktests wird in Millimetern abgelesen: Ein mittlerer Durchmesser von größer/gleich drei Millimetern der entstandenen Hautquaddel oder eine Quaddeloberfläche von größer/gleich neun Quadratmillimetern gilt als positive Reaktion.

Intrakutantest: Bevorzugter Testort ist hier der Rücken. Der Arzt spritzt die sterile Testlösung in die Haut. Dabei entsteht normalerweise eine etwa drei Millimeter große Quaddel. Nimmt ihr Durchmesser auf größer/gleich fünf Millimeter zu, gilt das als positive Reaktion. Der Test wird nur sehr selten bei speziellen Fragestellungen, zum Beispiel Verdacht auf Medikamentenallergie, eingesetzt.

Weitere Hauttests sind der Scratchtest, der Reibtest und der Epikutantest, den der Arzt  sofort abliest. Bei Heuschnupfen werden sie allerdings selten angewandt.

Eine Allergie kann sich im Blut widerspiegeln

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Mehr Gewissheit durch Bluttests

Die Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut lässt erkennen, ob das Immunsystem gezielt sensibilisiert wurde, also maßgeschneiderte Antikörper gegen bestimmte Allergene gebildet hat. Ein negatives Ergebnis schließt eine IgE-vermittelte Allergie aus. Der Bluttest kommt auch infrage, wenn keine Hauttestung möglich ist, etwa bei starken Hautausschlägen. Bei Babies und Kleinkindern wird der Arzt prüfen, welche Testmethode vorzuziehen ist.

Eine ergänzende sogenannte molekulare Allergiediagnostik hilft manchmal, eine genauere Allergiediagnose zu stellen. Denn sie lässt die für die Sensibilisierung eines Patienten verantwortlichen spezifischen Allergene erkennen. Sinnvoll ist das bei mutmaßlich mehrfach allergisch reagierenden Pollenallergikern. Dabei wird das spezifische IgE im Hinblick auf bestimmte Haupt- und Nebenallergene (sogenannte Major- und Minorallergene) ausgetestet. So lassen sich zum Beispiel Mehrfachallergien beziehungsweise Kreuzallergien, etwa gegen Pollen und bestimmte Nahrungsmittelbestandteile, bestätigen oder ausschließen. Ausschließen oder (differenziert) bestätigen lässt sich so auch die Indikation für eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, Allergieimpfung, SIT).

Provokationstests mit Allergenextrakten

In diagnostisch schwierigen Situationen sind manchmal sogenannte Provokationstests unter ärztlicher Kontrolle zielführend. So kann der Arzt zum Beispiel bei dringendem Verdacht auf einen allergischen Schnupfen, aber nicht eindeutigen Haut- und Bluttests, die mutmaßlichen Allergenextrakte auf die Nasenschleimhaut aufbringen. Infrage kommt dies etwa bei Patienten (Erwachsene) mit ganzjährigem Schnupfen, bei denen bislang keine sichere Zuordnung der Beschwerden zu bestimmten Allergenen möglich war. Bestimmte Provokationstests werden sicherheitshalber nur in der Klinik durchgeführt.


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