Herzschrittmacher: Der Taktgeber für das Herz

Rhythmusstörungen des Herzens können zu Ohnmachtsanfällen, Schwindel und Schwäche führen. Oder der Herzschlag ist zwar in Ruhe unauffällig, steigt aber bei Belastung nicht genug an. In beiden Fällen kann ein Herzschrittmacher nützlich sein
von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 19.11.2014

Ein moderner Schrittmacher ist in etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze

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Ein Herzschrittmacher ist ein kleines medizinisches Gerät, das das Herz mit einem elektrischen Impuls zu einem regelmäßigen Herzschlag anregt, wenn der eigene Herzrhythmus zu langsam ist oder ganz aussetzt. Hierdurch garantiert der Herzschrittmacher einen stabilen Herzrhythmus bei den sogenannten bradykarden Herzrhythmusstörungen (bradykard bedeutet: mit verlangsamtem Herzschlag).

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Die heutigen Herzschrittmacher haben ungefähr die Größe einer Zwei-Euro-Münze. Spezielle Drähte (Elektroden) führen vom Herzschrittmacher in das Herz und registrieren dort den Herzrhythmus. Ist dieser zu langsam oder kommt es zu Aussetzern, gibt der Herzschrittmacher elektrische Impulse ab, um das Herz zum Schlagen anzuregen. Er wird also nur aktiv, wenn er Störungen im Herzrhythmus feststellt.

Der erste Herzschrittmacher wurde 1958 in Schweden implantiert. Seitdem hat die Schrittmachertechnologie große Fortschritte gemacht. Moderne Herzschrittmacher können sich auf die körperliche Beanspruchung ihres Trägers einstellen, und den Herzschlag daran anpassen. Sie speichern Informationen über den Herzrhythmus, die der Arzt bei der Schrittmacherkontrolle abfragen kann. Neue Entwicklungen gehen dahin, dass Schrittmacherdaten auch per Telefon von zuhause aus an den Arzt weitergeleitet werden können.

Welche Arten von Herzschrittmachern gibt es?

Es gibt Einkammer-, Zweikammer- und Dreikammerschrittmacher, je nachdem, ob sie über eine, zwei oder drei Elektroden verfügen. Beim Einkammerschrittmacher führt eine einzelne Elektrode in die rechte Vor- oder Hauptkammer. Beim Zweikammerschrittmacher führt jeweils eine Elektrode in die rechte Vorkammer und eine in die Hauptkammer. Beim Dreikammerschrittmacher gibt es eine dritte Elektrode, die in die linke Hauptkammer führt. Welcher Herzschrittmacher ausgewählt wird, hängt von der Art der Herzrhythmusstörung ab.

Wann kommt ein Herzschrittmacher zum Einsatz?

Es gibt Herzrhythmusstörungen, die durch langsamen Herzschlag oder ein komplettes Aussetzen des Herzschlages zu Beschwerden wie Ohnmachtsanfällen (Synkopen), Schwindel und Schwäche führen. Ein Herzschrittmacher kann in diesen Fällen als künstlicher Taktgeber dienen. Ein Schrittmacher kann außerdem sinnvoll sein, wenn der Puls zwar in Ruhe ausreichend ist, aber bei Belastung nicht ausreichend ansteigt und dadurch die Leistungsfähigkeit eingeschränkt wird. Die Mediziner sprechen dann von der sogenannten chronotropen Inkompetenz.

Während bei einigen Herzrhythmusstörungen kein Zweifel besteht, dass der Einsatz eines Herzschrittmachers notwendig ist, gilt es bei anderen Herzrhythmusstörungen abzuwägen.

In jedem Fall ist eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte und eine Untersuchung einschließlich EKG, Langzeit-EKG und Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) erforderlich, bevor man sich für den Einsatz eines Herzschrittmachers entscheidet. In manchen Fällen ist es für den Arzt gar nicht so einfach, zu klären, ob die Beschwerden des Patienten durch die Herzrhythmusstörungen verursacht werden oder andere Gründe haben.

Wie läuft die Herzschrittmacher-Operation ab?

Für den Eingriff ist meistens keine Vollnarkose erforderlich. In der Regel ist die örtliche Betäubung des Operationsbereiches ausreichend, und der Patient ist die ganze Zeit bei Bewusstsein. Nach einem kleinen Hautschnitt werden zunächst eine, zwei oder drei Elektroden unter Röntgenkontrolle über die unter dem Schlüsselbein verlaufende Vene bis zum Herz vorgeschoben und dort verankert. Die Elektroden werden anschließend an das Schrittmachergerät angeschlossen und getestet. Dann wird das Schrittmachergerät unterhalb des rechten oder linken Schlüsselbeines im Unterhautfettgewebe eingesetzt und der Hautschnitt vernäht. Die ganze Prozedur dauert normalerweise nicht länger als eine Stunde. Der Patient kann bereits einige Stunden nach der Operation aufstehen.

Der Herzschrittmacher kann unter dem rechten oder linken Schlüsselbein platziert werden

W&B/Sallwey/Szczesny

Wie oft muss der Herzschrittmacher kontrolliert werden?

Vor der Entlassung wird der Herzschrittmacher noch einmal kontrolliert und optimal eingestellt. Der Patient bekommt einen Herzschrittmacherausweis, den er ständig bei sich tragen sollte. Auch im weiteren Verlauf sind regelmäßige Kontrollen des Herzschrittmachers erforderlich. Die erste Herzschrittmacherkontrolle erfolgt nach einem Monat, die zweite nach drei Monaten. Danach finden die Kontrollen normalerweise halbjährlich statt. Manchmal reichen auch jährliche Kontrolltermine. Kürzere Abstände zwischen den Kontrollterminen sind erforderlich, wenn sich die Lebensdauer der Batterie dem Ende zuneigt oder bei Verdacht auf Fehlfunktionen. Bei der Herzschrittmacherkontrolle werden die Funktionsfähigkeit des Herzschrittmachers und der Zustand der Batterie überprüft. Dafür wird ein Programmierkopf auf die Haut über dem Herzschrittmacher gelegt, der die Daten schmerzlos an das Programmiergerät übermittelt.

Was sind Risiken und Nebenwirkungen eines Herzschrittmachers?

Die wichtigsten Komplikationen, die bei der Herzschrittmacher-Operation auftreten können, sind zum einen solche, die bei jeder Operation auftreten können: Blutungen, Thrombosen (Blutgerinnsel) oder die Verletzung eines Nerven. Selten kommt es nach der Operation zu einer Infektion des Herzschrittmachers, die dann durch eine Rötung und Überwärmung der Haut über dem Schrittmacher auffällt.

Wenn die Elektroden verrutschen oder brechen, kann die Funktion des Herzschrittmachers gestört sein. Das fällt in der Schrittmacherkontrolle auf. Insgesamt treten derartige Komplikationen relativ selten auf.

Lebensdauer fünf bis zehn Jahre

Die modernen Herzschrittmacher haben eine Lebensdauer von durchschnittlich fünf bis zehn Jahren, abhängig davon, wie oft sie gebraucht werden. Dann ist die Batterie erschöpft, und der Herzschrittmacher muss ausgewechselt werden. Die Elektroden werden in aller Regel belassen, sofern sie intakt sind.

Ein plötzlicher Ausfall der Batterie ist nicht zu befürchten, da die Lebensdauer der Batterie bei modernen Geräten in den Schrittmacherkontrollen angezeigt wird. Der Arzt verkürzt in diesem Fall eventuell die Abstände zwischen den Schrittmacherkontrollen.

Autorin und Expertin: Dr. Dagmar Bischoff, Fachärztin für Innere Medizin, Hardtwaldklinik I, Bad Zwesten

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Technische Fehler sind sehr selten

Auch technische Fehler treten bei den modernen Herzschrittmachern nur noch sehr selten auf. Mögliche Störquellen sind Apparate, die Signale aussenden, die denen des Herzens ähnlich sind, so dass der Schrittmacher sie verwechseln kann, beispielsweise MRT-Geräte (Magnetresonanztomografie-Geräte). MRT-Geräte können außerdem durch das Magnetfeld in den Elektroden des Herzschrittmachers Spannung erzeugen, so dass es zu ungeplanten Stimulationen des Herzens kommt.

Von den meisten Elektrogeräten geht für den Herzschrittmacher keinerlei Gefahr aus, vorausgesetzt, sie funktionieren einwandfrei. Im Zweifel am besten im Schrittmacherzentrum oder beim behandelnden Arzt nachfragen. Allgemeine Informationen lesen Sie im Beitrag: Welche Elektrogeräte Herzschrittmacher stören.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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