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Wenn Viren dem Herz schaden

Grippeviren und andere Krankheitserreger können unter Umständen eine lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung hervorrufen


Vorsicht: Wer erkältet ist, sollte keinen Sport treiben

Drei Tage noch, dann steht das entscheidende Fußballmatch gegen den Verein aus dem Nachbarort an. Wegen einer einfachen Erkältung wird man da ja wohl nicht passen. Lieber doch, raten Mediziner. Denn wenn sich Grippe-, Schnupfen- oder Durchfallviren im Körper verbreiten, besteht die Gefahr, dass sie bis zum Herzen vordringen und der Herzmuskel sich entzündet. Körperliche Belastung erhöht dieses Risiko. Sie schwächt das Immunsystem weiter, und die Krankheitserreger können sich leichter ausbreiten.

„Sportliches Training oder große körperliche Anstrengung sollten also bei einem grippalen Infekt oder einer Durchfallerkrankung vermieden werden“, warnt Dr. Norbert Smetak, der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK).„Ausreichend zu schlafen ist bei einer Erkältung das beste Mittel, um wieder zu Kräften zu kommen.“



Viren und Bakterien können eine gefährliche Herzmuskelentzündung auslösen. Klicken Sie auf die Lupe, um die Grafik zu vergrößern

In angeschlagenem Zustand ist ein Trainingserfolg ohnehin zweifelhaft. Der Körper konzentriert sich darauf, die Erreger zu bekämpfen. Nach einer überstandenen Virusinfektion sollten Sportler deshalb drei bis vier völlig beschwerdefreie Tage abwarten, bevor sie wieder mit dem Training beginnen.

In den meisten Fällen lösen Viren die Herzmuskelentzündung (Myokarditis) aus. Häufig handelt es sich um Adeno- und Enteroviren, die auch grippeähnliche Beschwerden und Durchfallerkrankungen hervorrufen. In den vergangenen Jahren wurden in Herzmuskel-Gewebeproben von Patienten zudem oft Erreger des Drei-Tage-Fiebers und der Ringel-röteln nachgewiesen. Deutlich seltener sind Bakterien, zum Beispiel die Auslöser von Diphtherie oder einer Borreliose, im Spiel. Zu den nichtinfektiösen Ursachen zählen unter anderem bestimmte Medikamente, Alkohol und Drogen.


„Wenn ein junger Mann über Luftnot und Druckschmerzen hinter dem Brustbein klagt und vor Kurzem einen fieberhaften Infekt oder eine Magen-Darm-Grippe überstanden hat, ist das verdächtig“, sagt Privatdozent Dr. Philipp Stawowy vom Deutschen Herzzentrum Berlin. Denn die Herzmuskelentzündung tritt typischerweise einige Wochen nach einer Infektion auf, und Männer trifft es häufiger als Frauen. Es scheint auch eine genetische Veranlagung zu geben.

Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Oft sind die Beschwerden so unspezifisch, dass die Entzündung gar nicht entdeckt wird. Geht es aber nach einem Infekt nur langsam aufwärts und fühlt der Patient sich müde und abgeschlagen, kann dies darauf hinweisen, dass das Herz beteiligt ist. Auch wer schon bei geringer Anstrengung in Atemnot gerät und sogar Herzstolpern, Herzrasen oder Brustschmerzen spürt, muss zum Arzt. Vorsicht ist ebenso geboten, wenn Beschwerden erstmals beim Sport auftreten oder sich verstärken.


„Um lebensgefährliche Komplikationen zu vermeiden, sollte die Erkrankung so früh wie möglich ärztlich behandelt werden“, sagt Smetak. In den meisten Fällen heilt eine Herzmuskelentzündung folgenlos aus. Manchmal bleiben jedoch Narben im Gewebe zurück. In seltenen Fällen führt die Entzündung in wenigen Tagen oder Wochen zu tödlichem Herzversagen.


Gelegentlich nimmt die Erkrankung einen chronischen, sehr schweren Verlauf. Dann löst die Entzündung eine überschießende Reaktion des Immunsystems aus: Dieses richtet sich gegen die Herzmuskelzellen. Die Schädigung kann so schwer sein, dass es zu einem chronischen Herzversagen kommt. „Manchmal sehen wir die Patienten erst in diesem Krankheitszustand“, sagt Stawowy. „Dann liegt die Myokarditis möglicherweise schon Jahre zurück.“   


Für Ärzte ist die Diagnose der Herzmuskelentzündung nicht einfach. Veränderungen des Herzmuskels können sich beim Ultraschall zeigen, deutlicher noch in der Magnetresonanztomografie. Zwischen Herzbeutel und Herzmuskel kann eine Flüssigkeitsansammlung sichtbar werden. Im EKG sind eine erhöhte Herzfrequenz und Rhythmusstörungen zu erkennen. Auch eine Blutuntersuchung gibt wichtige Hinweise. „Wenn Herzmuskelzellen untergehen, lässt sich das im Blut messen“, sagt Stawowy. Wird die Herzmuskelentzündung durch Bakterien ausgelöst, setzen Ärzte Antibiotika ein. Viren lassen sich nicht direkt bekämpfen. Betablocker oder ACE-Hemmer verbessern die Pumpfunktion des Herzens.


Medikamente allein helfen jedoch nicht, in jedem Fall ist körperliche Schonung das oberste Gebot. Die Schonzeit dauert lange: „Nach einer Myokarditis dürfen Patienten sechs Monate keinen Sport treiben und müssen körperliche Anstrengung vermeiden“, erläutert Stawowy. „Dann können sie – abhängig vom Ergebnis ärztlicher Kontrollen – die Belastung allmählich steigern.“


Die Herzmuskelentzündung ist eine seltene Folge einer Infektion. Letztlich beugt man ihr daher vor, indem man sich vor einer Ansteckung schützt. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten gilt: auf Hygiene achten, öfter und sorgfältig die Hände waschen, aus Rücksicht auf andere in die Ellbogenbeuge niesen und sich gegebenenfalls gegen Grippe impfen lassen.



Maria Haas / Apotheken Umschau; 29.11.2010, aktualisiert am 29.11.2010
Bildnachweis: W&B/Szczesny, eisele photos/Reinhard Eisele

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