Experten sprechen von einem Herzinfarkt, wenn ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß verstopft. In Folge können Teile des Herzmuskelgewebes zugrunde gehen. Dr. Thomas Voigtländer, Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, sagt, wie Menschen eine Herzattacke erkennen können.
Herr Voigtländer, nicht jedem sind die Anzeichen eines Herzinfarkts bekannt. Könnten Sie bitte die typischsten Symptome aufzählen?
Das mit Abstand am häufigsten auftretende Symptom ist der intensive Brustschmerz. Er hält länger als fünf Minuten an. Viele Patienten, die hier in die Klinik kommen, sagen, es fühle sich an als säße ein Elefant auf ihrem Brustkorb. Oder ein Ring schnüre sich um die Brust. Die Schmerzen strahlen häufig in den linken oder rechten Arm, den Oberbauch oder den Unterkiefer aus.
PD Dr. Thomas Voigtländer, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Cardioangiologischen Centrum Bethanien, Frankfurt am Main
Auch ein starkes Brennen hinter dem Brustbein oder eine plötzlich auftauchende Atemnot sprechen für einen Infarkt. Zusätzlich kann es zu Übelkeit, Schweißausbrüchen oder einem Schwächegefühl kommen.
Sind die Anzeichen immer so eindeutig?
Leider nein. Bei bis zu 20 bis 30 Prozent der Patienten bleibt der Brustschmerz aus. Manchmal strahlen die Schmerzen lediglich aus, treten also beispielsweise nur im Unterkiefer auf. Andere Betroffene berichten, sie hätten bei minimaler Anstrengung ein Engegefühl in der Brust verspürt. Oder sie seien nachts von einem Stechen oder Brennen im Brustkorb aufgewacht. Solche Beschwerden halten Viele für Sodbrennen oder Ähnliches. Doch sie können Vorboten eines Herzinfarkts sein.
Reagieren Frauen tatsächlich anders auf eine Herzattacke?
Nun, auch bei Frauen tritt der Schmerz im Brustkorb am häufigsten auf. Aber es stimmt schon, dass Patientinnen eher mal über Übelkeit oder plötzliche Luftnot klagen. Auch das Ausstrahlen in Oberbauch, Rücken oder Arm steht öfter im Vordergrund.
Können Grundkrankheiten die Beschwerden verändern?
Ja. Diabetiker erleiden oft einen Herzinfarkt, ohne nennenswerte Symptome zu verspüren. Ihr Schmerzempfinden ist manchmal, bedingt durch die Zuckerkrankheit, verändert. Sie nehmen zum Beispiel nur ein schwaches Ziehen in der Brust wahr.
Woran bemerkt ein Angehöriger oder ein Fremder, dass es sich vielleicht um einen Infarkt handelt?
Normalerweise beschreibt der Betroffene von selbst, welche Beschwerden ihm zu schaffen machen. Er versucht zudem, sich nicht zu bewegen, sieht recht blass aus und bekommt oft Schweißausbrüche.
Wie sollten Angehörige oder Betroffene reagieren, wenn die Symptome auftauchen?
Sofort die 112 wählen. Handelt es sich um einen Infarkt, zählt jede Minute. Bedauerlicherweise versterben immer noch etwa 40 Prozent der Deutschen an einem akuten Herzinfarkt, bevor sie einen Arzt sehen. Kommen sie rechtzeitig in ein Krankenhaus, überleben mehr als 90 Prozent.
Bis der Notarzt eintrifft, sollten Angehörige möglichst beruhigend auf den Betroffenen einwirken.
Warum ist ein Herzinfarkt lebensgefährlich?
Besonders zu Beginn kann es zu schweren Herzrhythmusstörungen kommen, dem sogenannten Kammerflimmern. Das Herz rast dabei, die Pumpleistung sinkt rapide. Ohne Behandlung endet ein Kammerflimmern nach wenigen Minuten tödlich.
Trotzdem trauen sich viele Menschen nicht, die 112 anzurufen…
…ja, besonders, wenn die Symptome nicht so ausgeprägt sind. Eigentlich hat sich die Überlebensrate von Herzinfarktpatienten in den letzten 20 Jahren drastisch verbessert. Aber eben nur, wenn wir Betroffene schnell behandeln können. Ich möchte es daher noch mal jedem Einzelnen `ans Herz legen´, dass Er oder Sie gleich bei den ersten Anzeichen den Notruf tätigt.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
16.08.2010
Bildnachweis: W&B/privat, iStock/fstop123
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