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Herzinfarkt
Behandlung

Keine Zeit verlieren: Beim leistesten Verdacht auf einen Herzinfarkt unverzüglich den Notarzt rufen!


Bei Herzstillstand mit der Wiederbelebung beginnen


Sofortmaßnahmen: Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt muss sofort der Notarzt alarmiert werden!

Je kürzer die Zeit, die bis zum Beginn der Behandlung vergeht, desto günstiger die Aussichten des Patienten.

Tritt ein Kreislaufstillstand ein, muss unverzüglich die Wiederbelebung begonnen werden. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem die Herzmassage wichtig ist. Patienten die bei Bewusstsein sind, sollten bis zum Eintreffen des Arztes mit leicht angehobenem Oberkörper gelagert werden.


Der Notarzt versorgt den Patienten mit Sauerstoff und verschiedenen Medikamenten, welche die Schmerzen lindern, der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen und Komplikationen verhindern sollen. Bei einem Herzstillstand durch Kammerflimmern wird er sofort eine Elektroschockbehandlung (Defibrillation) durchführen.

Behandlung im Krankenhaus

Das Ziel der Therapie ist es, das verschlossene Herzkranzgefäß möglichst schnell wieder durchgängig zu machen, um den Schaden am Herzmuskel so klein wie möglich zu halten. Dazu gibt es zwei Ansätze: Eine Behandlung mit Herzkatheter, bei der das betroffene Herzkranzgefäß mit einem Ballon erweitert und gegebenenfalls eine gefäßstützende Prothese in Form eines Metallröhrchens (Stent) eingesetzt wird, welches das Gefäß offen halten soll. Die Alternative ist eine Thrombolyse. Dabei werden Wirkstoffe in die Armvene verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen, welches das Gefäß verstopft. Um die beste Wirksamkeit zu erzielen, sollte die Erweiterung mit dem Ballon möglichst innerhalb von 90 Minuten erfolgen. Die Thrombolyse sollte möglichst sofort beginnen, falls ein Krankenhaus mit Herzkathetermöglichkeit nicht innerhalb von 90 Minuten zu erreichen ist.


Fast immer liegen Patienten mit einem Herzinfarkt anschließend zunächst auf der Intensivstation, weil dort eine ständige Kontrolle von Herz und Kreislauf gewährleistet ist. Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen können so früh erkannt und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Unter Umständen – zum Beispiel wenn eine Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes nicht gelingt oder mehrere Gefäßteile verengt sind – kommt auch eine Bypass-Operation in Frage. Dabei werden die Engstellen im Gefäß mit einer Umleitung des Blutstroms umgangen. Diese Operation findet meist erst nach Abheilung des Infarktes statt.


Weitere Therapie

An den Krankenhausaufenthalt schließt sich gewöhnlich eine Rehabilitationsbehandlung an, mit deren Hilfe die Patienten leichter in den Alltag zurückfinden. Zudem lernen sie dort ihre Lebensweise so umzustellen, dass das Risiko für einen erneuten Infarkt minimiert wird. Raucher sollten unbedingt von den Zigaretten lassen. Wer Übergewicht hat, tut gut daran abzunehmen. Eine Ernährung mit wenig tierischen Fetten, dafür viel Obst und Gemüse sowie zweimal die Woche Seefisch ist für Herzinfarktpatienten ebenso empfehlenswert wie regelmäßige Bewegung. Das Ausmaß der körperlichen Belastung sollten die Betroffenen allerdings unbedingt mit ihrem Arzt abklären. Ärztlich überwachte Herzsportgruppen bieten auch denjenigen Anreiz und Möglichkeit zur Bewegung, die durch ihr Leiden in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind. Für sehr stark durch Stress belastete Personen kann es hilfreich sein, Entspannungstechniken zu lernen.


Außer diesen allgemeinen Maßnahmen spielen Medikamente in der Nachbehandlung von Herzinfarktpatienten eine große Rolle. Entsprechend der vorliegenden Beschwerden und Vorerkrankungen passen die Ärzte die Therapie individuell an. Für einige Arzneigruppen ist belegt, dass sie die Überlebenschancen von Herzinfarktpatienten verbessern, sofern keine Gegenanzeigen für ihre Anwendung bestehen.


Dabei handelt es sich um

  • Acetylsalicylsäure und/oder Clopidogrel: Hemmt die Anhaftung der Blutplättchen aneinander und beugt so der erneuten Bildung von Blutgerinnseln und damit einem Herzinfarkt vor
  • Statine: Senken den Cholesterinspiegel und insbesondere das LDL-Cholesterin. Außerdem tragen sie zur Stabilisierung der entzündlichen arteriosklerotischen Plaques bei. Auch bei Patienten ohne erhöhte Blutfettwerte haben sie einen positiven Einfluss
  • Betablocker: Beugen Herzrhythmusstörungen vor, die eine der gefährlichsten Komplikationen nach einem Herzinfarkt sind. Zudem schonen sie das Herz und reduzieren seinen Sauerstoffverbrauch, indem sie die Herzfrequenz und den Blutdruck senken
  • und – bei einer verringerten Pumpleistung des Herzens – ACE-Hemmer: Sie bremsen die unerwünschten Umbauprozesse des Herzmuskels und verringern so vor allem bei Patienten mit einer Herzschwäche die Sterblichkeit nach einem Infarkt


Werden einzelne Mittel nicht vertragen, können Sie durch andere mit ähnlicher Wirkung ersetzt werden. Eine Alternative zu ACE-Hemmern können zum Beispiel AT1-Blocker sein. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure kann stattdessen Clopidogrel eingesetzt werden. Ist nach einem Herzinfarkt ein Stent in die Herzkranzgefäße eingebracht worden, verschreibt der Arzt zusätzlich zu der Behandlung mit Acetylsalicylsäure in der Regel sowieso für ein Jahr Clopidogrel.

Daneben können Medikamente auch nötig sein, um Risikofaktoren zu minimieren, die sich allein mit einer Umstellung der Lebensweise nicht in den Griff bekommen lassen. So ist beispielsweise bei einem Diabetes mellitus Typ 2 neben einer Ernährungsumstellung oft eine Therapie mit Antidiabetika notwendig. Bluthochdruckpatienten sollten nach einem Herzinfarkt optimalerweise Blutdruckwerte von unter 140/90 mmHg erreichen. Auch für das „schlechte“ LDL-Cholesterin gibt es einen Zielbereich: Werte unter 100 mg/dl (bei sehr hohem Risiko wie zum Beispiel bei Zustand nach Herzinfarkt und bei Diabetes auch unter 70 mg/dl) wären für Patienten nach einem Herzinfarkt ideal.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 11.10.2011
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF, W&B/Martina Ibelherr

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