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Plötzlicher Herztod: was steckt dahinter?

In Deutschland fordert der plözliche Herztod bis zu 150.000 Opfer pro Jahr. Professor Thomas Meinertz erläutert, wer besonders gefährdet ist


Professor Thomas Meinertz leitet die Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum Hamburg

Herr Professor Meinertz, was sind die häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods?

Bei Menschen unter 35 ist der plötzliche Herztod sehr selten. Häufigste Ursachen bei ihnen sind eine krankhafte Vermehrung der Herzmuskelmasse sowie bestimmte Rhythmusstörungen, die familiär gehäuft auftreten und mit typischen Veränderungen im EKG einhergehen. Weitere Ursachen sind etwa angeborene Fehlbildungen der Herzkranzgefäße und unentdeckte, durch Viren ausgelöste Herzmuskelentzündungen.

Diese sind oft nur schwer zu erkennen. Deshalb sollten Leistungssportler nach einem grippalen Infekt unbedingt pausieren, weil der plötzliche Herztod durch extreme körperliche Belastung begünstigt wird. Ansonsten stabilisiert regelmäßiges moderates Ausdauertraining aber den Herzrhythmus und verringert das Risiko.


Und bei älteren Menschen?

Bei Älteren ist der plötzliche Herztod viel häufiger und meist bedingt durch eine koronare Herzkrankheit, also eine Verengung der Herzkranzgefäße, die letztlich zum Infarkt führen kann. Wenn sich ein Kranzgefäß durch ein Blutgerinnsel verschließt, kommt es zu Durchblutungsstörungen, elektrischer Instabilität und Kammerflimmern. Bei dieser lebensbedrohlichen Rhythmusstörung kann sich der Herzmuskel nicht mehr richtig zusammenziehen und pumpt kein Blut mehr durch den Körper. Am meisten gefährdet sind Patienten, die schon einmal Kammerflimmern oder einen Herzstillstand hatten. Aber auch Herzschwäche und Herzklappenerkrankungen erhöhen das Risiko des plötzlichen Herztods.

Wie groß ist die Chance, den Patienten wiederzubeleben?

Das hängt ganz entscheidend davon ab, wie schnell er gefunden wird – jede Sekunde zählt! Wenn man den Betroffenen innerhalb einer Minute mit einem „Elektroschock“ behandeln kann, stehen die Chancen recht gut. Allerdings ist nur selten ein Defibrillator in der Nähe. Wird der Kreislauf dann nicht durch Herzdruckmassage aufrechterhalten, drohen nach fünf Minuten Gehirnschäden, nach zehn Minuten ist das Gehirn verloren. Bis ein Defibrillator verfügbar ist, sollten Ersthelfer auf jeden Fall eine Herzdruckmassage durchführen.

Sollten sich Risikopatienten einen Heimdefibrillator zulegen?

Das ist nur bedingt sinnvoll. Kaum ein Angehöriger kann das Gerät in der Aufregung richtig bedienen, und der Patient kann sich nicht immer nur zu Hause aufhalten. Bei Hochrisikopatienten ist ein implantierbarer Defibrillator deshalb sinnvoller. Er erkennt Rhythmusstörungen und beendet sie automatisch durch einen Stromstoß. Das Gerät eignet sich für Patienten, die bereits Kammerflimmern oder einen Herzstillstand hatten oder bei denen die Pumpleistung des Herzens stark herabgesetzt ist. Als Überbrückungsmaßnahme gibt es neuerdings auch tragbare Defibrillator-Westen.


Wie können Patienten vorbeugen?

An erster Stelle steht eine vernünftige Diagnostik, um Risikopatienten zu erkennen und durch Implantation eines Defibrillators oder durch vorbeugende Medikamente gegenzusteuern. Wichtig ist zudem die Behandlung der Grunderkrankung. Ist ein Infarkt die Ursache, müssen wir das verschlossene Herzkranzgefäß wieder öffnen und so die elektrische Instabilität beseitigen. Auch Bluthochdruck und Diabetes sind als Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit entsprechend zu behandeln. Je stärker die Gefäße bereits geschädigt sind, umso größer ist die Gefahr eines Infarkts oder von Kammerflimmern.   



Barbara Kandler-Schmit / Apotheken Umschau; 04.08.2010
Bildnachweis: W&B/Ronald Frommann

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