Einen Impfschutz gegen Hepatitis C gibt es nicht. Doch die Viren lassen sich mit Medikamenten bekämpfen. Allerdings ist die Therapie längst noch nicht optimal: Sie dauert mindestens 24 Wochen, hat Nebenwirkungen und befreit nicht jeden Patienten von den Viren. Beim häufigsten Typ liegt die Erfolgsquote nur bei 40 bis 50 Prozent. Diese Virus-Variante tritt bei zwei Dritteln der etwa 450 000 Infizierten in Deutschland auf. Oft bereiten Hepatitis-C-Viren anfangs keine oder nur grippeähnliche Symptome, die wieder verschwinden. Doch bei rund einem Viertel der Virusträger kommt es Jahrzehnte später zu einer lebensbedrohlichen Leberzirrhose.
Die Erreger blockieren
Für viele Infizierte gibt es jetzt neue Heilungschancen. Die Europäische Union hat in den vergangenen Monaten zwei Medikamente gegen den am häufigsten auftretenden Typ zugelassen. Diese sogenannten Proteasehemmer blockieren ein Virus-Eiweiß, mit dessen Hilfe sich die Erreger in Leberzellen vermehren. „Damit haben wir erstmals Wirkstoffe, die Hepatitis-C-Viren gezielt angreifen“, berichtet Professor Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Die bewährten Wirkstoffe – Ribavirin und Peginterferon – stacheln vor allem die Immunabwehr an, Viren zu bekämpfen. Ribavirin wirkt zudem direkt gegen viele virale Erreger. Bis zu 100.000 Menschen in Deutschland kommen für die Behandlung mit Proteasehemmern infrage, schätzt Manns. Allerdings erhalten Patienten diese zurzeit nur zusammen mit Ribavirin und Peginterferon. Mit der Dreierkombination lassen sich Heilungsraten von bis zu 75 Prozent erzielen. „Zudem halbiert sich bei jedem zweiten Patienten die Dauer der Therapie“, ergänzt Manns. Das größte Manko der Proteasehemmer: Sie verstärken die Blutarmut, die Peginterferon und Ribavirin bei einigen Patienten verursachen.
Neue Substanzen im Test
Weitere Waffen sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. Weltweit werden derzeit 94 Substanzen erprobt, die Hepatitis-C-Viren direkt bekämpfen. Mehr als die Hälfte davon wird bereits klinisch an Freiwilligen getestet, zum Beispiel Proteasehemmer mit weniger Nebenwirkungen als die jetzigen. Mehrere andere Hemmstoffe blockieren den Eiweißkomplex, der das Virus-Erbgut vervielfältigt. „Dieser Komplex, auch RNA-Polymerase genannt, bietet neben seinem aktiven Zentrum fünf weitere Angriffsziele“, erklärt Manns.
Forscher haben auch körpereigene Substanzen im Visier wie Cyclophilin A. Hemmstoffe dagegen legen indirekt die virale RNA-Polymerase lahm, denn sie benötigt das menschliche Eiweiß, um zu arbeiten. „Therapieresistenzen sollten damit seltener auftreten als durch die Blockade viraler Substanzen“, beschreibt Professor Ralf Bartenschlager, Virologe an der Universität Heidelberg, den Vorteil dieses Ansatzes. Denn Viren passen sich an Medikamente an, indem sie ihre Eiweiße ständig verändern. Um Resistenzen zu verhindern, enthalten antivirale Medikamente oft mehrere Wirkstoffe. „Ich bin optimistisch, dass es in fünf Jahren eine gezielte Kombinationstherapie allein mit Tabletten ohne Interferone geben wird“, sagt Manns.
Dr. Achim G. Schneider / Apotheken Umschau;
29.11.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto
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