Hepatitis A

Hepatitis A ist eine durch ein RNA-Virus verursachte, ansteckende Leberentzündung. Eine Impfung kann vor der Krankheit schützen

aktualisiert am 10.11.2014

Der Erreger: Das Hepatitis A-Virus

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Was ist Hepatitis A?

Hepatitis A wird durch das gleichnamige Hepatitis A-Virus verursacht. Es handelt sich dabei um ein so genanntes RNA-Virus – das heißt, sein Erbgut besteht aus einsträngiger Ribonukleinsäure, kurz RNA.

Das Virus wird im Stuhlgang ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt üblicherweise durch eine fäkal-orale Infektion, also über die Aufnahme von Stuhl oder Stuhlresten beziehungsweise von damit verunreinigten Lebensmittel oder Trinkwasser über den Mund.


Das Hepatitis A-Virus ist relativ unempfindlich gegenüber Kälte und Desinfektions- sowie Reinigungsmitteln. Das trägt entscheidend zu seiner Verbreitung bei: Hepatitis A kommt weltweit vor, am häufigsten aber in warmen, tropischen Regionen und in Ländern mit mangelhaften hygienischen und sanitären Verhältnissen. Nicht von ungefähr werden über die Hälfte aller in Deutschland auftretenden Hepatitis A-Infektionen auf Reisen erworben – der Grund, weshalb Hepatitis A auch als "Reisehepatitis" bezeichnet wird.

Hepatitis A heilt im Gegensatz zu Hepatitis B und C meist rasch ab und wird nie chronisch. Wer einmal an Hepatitis A erkrankt war, behält lebenslang eine Immunität gegen das Virus.

Meldepflicht

Jede akute Virushepatitis vom Typ A ist laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Die Meldung muss bei Verdacht auf eine Hepatitis A, bei Vorliegen einer durch den Antikörpernachweis bestätigten Erkrankung und im Todesfall erfolgen. Auch wenn der Erreger von Hepatitis A nachgewiesen wurde, ohne dass der Betroffene Krankheitszeichen zeigt, besteht Meldepflicht. Dabei werden die regionalen Gesundheitsämter vom behandelnden Arzt oder dem diagnostizierendem Labor informiert. Die Gesundheitsämter leiten die Daten an das Robert Koch-Institut in Berlin zur Erfassung weiter


Nicht durch? Dann können Meeresfrüchte die Gefahr einer Ansteckung mit Hepatitis A bergen

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Ursachen

Ursache der Hepatitis A ist eine Infektion mit dem Hepatitis A-Virus, kurz HAV. Es gehört zur Familie der so genannten Picornaviren. Das HAV vermehrt sich ausschließlich in Leberzellen. Infizierte Personen scheiden die Hepatitis A-Viren mit Urin, Stuhl und Speichel bereits ein bis zwei Wochen vor dem Einsetzen der ersten Krankheitszeichen aus. Eine Ansteckung mit Hepatitis A erfolgt fast ausschließlich fäkal-oral, also durch Aufnahme von Kot oder Kotresten über den Mund. Dies geschieht entweder über direkten Kontakt oder, was meist der Fall ist, indirekt über verunreinigte Nahrungsmittel und Trinkwasser.

Häufige Infektionsquellen sind virenhaltiges Trinkwasser und Früchte oder Salate, die mit solchem Wasser gewaschen oder gedüngt wurden. Gefährlich ist auch der Verzehr roher oder ungenügend gekochter Meeresfrüchte (zum Beispiel von Muscheln), die aus mit Fäkalien kontaminierten Gewässern stammen. Wenn viele Viren im Blut vorliegen, ist auch eine Übertragung der Krankheit durch Blut und Blutprodukte sowie Spritzentausch bei Drogenabhängigen möglich, was jedoch eine absolute Rarität ist. Eine akute Hepatitis A während der Schwangerschaft kann auf das ungeborene Kind übertragen werden.


Gelbe Augen? Das kann ein Hinweis auf eine Leberentzündung sein

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Symptome

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion mit dem Hepatitis A-Virus bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt ungefähr zwei bis sieben Wochen. Die Patienten sind schon ein bis zwei Wochen vor und bis zu zwei Wochen nach Auftreten der Krankheitssymptome ansteckend. In dieser Zeit fühlen sie sich üblicherweise auch nicht wohl.

Oft verläuft die Erkrankung gänzlich unbemerkt und heilt von selbst aus. Stellen sich Krankheitsymptome ein, sind diese zunächst meist wenig bezeichnend: eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur und Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Dazu können eine allgemeine Erschöpfung und mitunter Schmerzen im Bereich der Leber, also im rechten Oberbauch, kommen.

Im Anschluss können die typischen Symptome einer Gelbsucht entstehen. Haut und das Weiße des Auges färben sich gelb, der Stuhl bekommt eine hellere Farbe, während der Urin sich dunkel verfärbt. Einige Patienten haben starken Juckreiz, und bei etwa einem Viertel vergrößert sich die Milz.

Nach etwa zwei Wochen bis einem Monat verschwinden die Beschwerden. Chronische Verläufe sind bei der Hepatitis A nicht bekannt. Bei Patienten mit vorgeschädigter Leber oder mit einer chronischen Hepatitis B- oder Hepatitis C-Infektion kann eine Hepatitis A jedoch zu einer kritischen Einschränkung der Leberfunktion führen. Dies kann sogar einen akuten Leberausfall zur Folge haben, der dann vor allem bei über 60-Jährigen und immunsupprimierten Patienten eine Lebertransplantation notwendig machen kann.


Blutentnahme: Der Nachweis bestimmter Antikörper ermöglicht die Diagnose

Panthermedia/Josef Müller

Diagnose

Um die Diagnose Hepatitis A zu stellen, ist  eine Blutuntersuchung erforderlich. Bei Verdacht auf eine Leberentzündung wird der Arzt Leberwerte wie Bilirubin, Gamma-GT, GOT und GPT bestimmen. Vor allem ein erhöhter GPT-Wert weist auf eine Entzündung des Lebergewebes hin.

Doch erst der Nachweis spezifischen Antikörper gegen das Hepatitis A-Virus im Blut des Patienten, der sogenannten anti-HAV-IgM-Antikörper, ermöglicht die Diagnose einer akuten Hepatitis A. Der direkte Erregernachweis über Teile des Virus (HAV-Antigen) oder Viruserbgut (RNA) im Stuhl ist ebenfalls möglich, aber eher unüblich.


Händewaschen: Wichtig, um die Infektion nicht weiter zu übertragen

Pixland/RYF

Therapie

Eine spezielle Behandlung, die gegen das Hepatitis A-Virus wirkt, gibt es nicht. Erkrankte sollten ihre Leber schonen, indem sie auf  leberschädigende Nahrungs- und Genussmittel verzichten. Vor allem Alkohol sollte gemieden werden. Auch Arzneimittel können die Leber belasten. Daher sollten bei einer Hepatitis möglichst wenige Medikamente eingenommen werden. Falls Sie bestimmte Tabletten benötigen, sprechen Sie darüber mit Ihrem behandelnden Arzt! Setzen Sie keinenfalls Arzneimittel selbständig ab!

Um eine Übertragung auf andere Personen zu vermeiden, muss besonders auf Hygiene geachtet werden. Also: Nach dem Gang zur Toilette und vor der Zubereitung von Lebensmitteln unbedingt Hände waschen! Falls möglich sollten Erkrankte eine eigene Toilette benutzen. Gemeinschaftseinrichtungen dürfen an Hepatitis A Erkrankte erst wieder aufsuchen, wenn eine Übertragung der Infektion nicht mehr zu befürchten ist.


Muscheln: Sind sie nicht durchgekocht, können beim Verzehr Infektionen drohen

Panthermedia/Sigrid Cichocki

Vorbeugen

Die Durchseuchung mit dem Hepatitis A-Virus ist aufgrund der guten hygienischen Bedingungen in Industrienationen deutlich zurückgegangen. Viele Menschen reisen jedoch in ferne Länder mit weniger günstigen Voraussetzungen. Die sicherste Vorsorge gegen die Infektion mit Hepatitis A ist eine Impfung. Der Impfstoff enthält abgetötete Hepatitis A-Viren. Die Impfung verleiht üblicherweise mehr als zehn Jahre Immunität gegen die Erreger. Nur selten ist eine Auffrischungsimpfung nötig. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls bei Ihrem Arzt.

Der Impfstoff wird in den Muskel verabreicht und ist gut verträglich. Seit einigen Jahren ist auch eine Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B möglich. Impfen lassen sollten sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, unter anderem Personen, die in Länder mit einem erhöhten Vorkommen von Hepatitis A reisen (dazu zählen zum Beispiel der Mittelmeerraum oder Osteuropa), Personen, die an einer chronischen Lebererkrankung leiden und nicht gegen Hepatitis A immun sind, Personal in Kindertagesstätten und –heimen, in Krankenhäusern (Ärzte, Pflegepersonal) und anderen sozialen Einrichtungen, Rettungssanitäter, Polizisten, Klärwerksarbeiter und homosexuelle Männer.


Vorsicht: Hepatitis A ist auch im Mittelmeerraum verbreitet

Mauritius/Prisma

Auch wer gegen HAV geimpft ist, sollte sorgfältig auf eine ausreichende Hände- und Nahrungsmittelhygiene achten. In Ländern mit unzureichender Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene sollten Nahrungsmittel möglichst nur geschält oder gekocht gegessen werden. In solchen Regionen sollte zudem ausschließlich abgepacktes Mineralwasser oder abgekochtes Wasser getrunken und zum Zähneputzen etc. verwendet werden. Vorsicht auch vor Eiswürfeln in Getränken! Rohe Schalentiere wie Austern sollten unbedingt gemieden werden. Auch bei gekochten Meeresfrüchten, besonders Muscheln, ist Vorsicht geboten. Speiseeis, das offen verkauft wird, sowie rohe Gerichte wie Salate, sollten besser gemieden werden.


Unsere Expertin: Professor Dr. Birgit Kallinowski

© Nicolai Haubner

Beratende Expertin

Professor Dr. med. Birgit Kallinowski ist Fachärztin für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Gastroenterologie sowie Hämatologie und Internistische Onkologie. Nach Ihrer Approbation und Promotion im Jahr 1988 war sie zunächst als Assistenzärztin an der Medizinischen Universitätsklinik Münster und ab 1990 an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. Von 1998 bis 2004 leitete sie als Oberärztin in der Gastroenterologie die Hepatologische und Onkologische Ambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. 1998 habilitierte sich Birgit Kallinowski mit dem Thema "Epidemiologische und molekularbiologische Untersuchungen zur Hepatitis C und G". Seit 2005 hat sie eine außerplanmäßige Professur an der Medizinischen Fakultät der Ruprecht Karls Universität Heidelberg inne. Seit 2004 betreibt Frau Professor Dr. Kallinowski eine gastroenterologische Schwerpunktpraxis mit angeschlossener onkologischer Tagesklinik. Neben ihrer klinisch wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie Beiratsmitglied im bng (Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen) und in weiteren Gremien der wissenschaftlichen Dachgesellschaft der Gastroenterologie (DGVS) aktiv.

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: © Nicolai Haubner, Panthermedia/Sigrid Cichocki, PhotoDisc/ RYF, Pixland/RYF, Panthermedia/Josef Müller, Mauritius/Prisma, Mauritius Images GmbH/Phototake, Image Source/ RYF

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