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Naturheilkunde: Die heilende Kraft der Bäume

Bäume liefern den Menschen nicht nur Brennstoff und Baumaterial, sie wirken sich auch positiv auf die Gesundheit von Körper und Seele aus


Bätter, Rinden und Wurzeln bestimmter Bäume werden zu Heilzwecken verwendet

Was wäre Deutschland ohne seine Wälder? Ohne die zahllosen Bäume, die mit üppigem Grün oder filigranem Geäst unser Land prägen? Auch für das deutsche Gemüt ist der Wald sinnstiftend. Vor allem die Dichter und Denker ließen sich von der Waldromantik inspirieren. Joseph von Eichendorff schwärmte ehrfürchtig von der „Waldeseinsamkeit“, Johann Wolfgang von Goethe von der Ruhe, die „über allen Wipfeln“ liegt. Die meisten Menschen haben heute zwar ein pragmatischeres Verhältnis zum Wald und seinen Bäumen. Doch hat er für uns alle noch immer wichtige Funktionen: Er schützt vor Umwelteinflüssen, wird wirtschaftlich genutzt und dient der Erholung.

Nach Angaben des Bundes­ministeriums für Landwirtschaft sind elf Millionen Hektar von Wald bestanden. Das entspricht ungefähr ei­nem Drittel des Gebietes der Bundesrepublik. Laut Naturschutzbund NABU wachsen 90 verschiedene Baum- und Straucharten im deutschen Forst. Am weitesten verbreitet ist die immergrüne Fichte. Die schlanken Nadelbäume machen 28 Prozent des Gesamt­bestandes aus. Es folgen Kiefer (23 Prozent), Buche (15 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Die Dominanz der Nadelbäume hat wirtschaftliche Gründe: Fichten und Kiefern wachsen schneller als Laubbäume. Das Holz ihrer Stämme liefert Baumaterial und Energie – zum Beispiel als Brennholz oder Pellets.

Der Wald: mehr als ein Rohstofflager



Rosskastanien: Sie fallen im Herbst aus ihren stacheligen Kapseln

Doch ist der Wald mehr als ein Rohstofflager. „Seine großen Baum­flächen wirken im Flachland als Wall gegen Stürme, Hochwasser und Lärm. In den Hochlagen halten sie Lawinen und Steinschlag auf“, sagt Professor Karl-Reinhard Volz vom Institut für Forst- und Umweltpolitik der Univer­sität Freiburg. Außerdem säubert der Forst die Luft. „Die Bäume filtern durch ihre Blätter und Nadeln Staub­partikel sowie Gase aus der Luft heraus.“

Bäume symbolisieren Standhaftigkeit, Stärke und Lebenskraft. Fest verwurzelt stehen sie da. Fast nichts kann sie umwerfen. Sie werden oft Hunderte, ja Tausende von Jahren alt. Heftige Dürreperioden überstehen sie genauso wie eisigen Frost. Nicht zuletzt wegen dieser unerschütterlichen Beständigkeit faszinieren mächtige und magi­sche Baumgestalten auch die mythi­sche Vorstellungswelt der Menschen. Die Germanen weihten bestimmte Baumarten wie die Esche oder Eiche ihren Göttern. Auch für die Kelten waren Wälder Kraftorte, in denen Geister und Naturwesen leben.

Acetylsalicylsäure: Ein Extrakt aus der Weidenrinde

Diese kultische Bedeutung beruht zum Teil auf der pharmazeutischen Wirkung bestimmter Baum-Bestandteile. Schon im frühen Altertum wurden Blätter, Rinde und Wurzeln verschiedener Baumarten zu Heilzwecken eingesetzt. Die Salicylate aus der Rinde der Weiden, die an Waldrändern und Bach­läufen wachsen, dürften dabei die größte Karriere als Arzneistoff gemacht haben. Acetylsalicylsäure wird auch heute noch als Wirkstoff in vielen  Schmerzmitteln verwendet – auch wenn sie mittlerweile synthetisch hergestellt wird. Die borkige Rinde von Eichen enthält dagegen Inhaltsstoffe, die Hautreizungen lindern. In der modernen Naturheilkunde werden sie zum Beispiel für Sitzbäder gegen Ekzeme genutzt.

Die typische weiß gefärbte Rinde, mit der sich Birken gegen Umwelteinflüsse und Schädlinge wappnen, enthält ebenfalls Stoffe, die gereizte, schuppige und trockene Haut beruhigen. Ein Aufguss oder Tee mit Birkenblättern wirkt wiederum leicht antibakteriell und unterstützt die Behandlung von Harnwegsinfekten. Ätherische Öle aus den Nadeln von Fichte und (Latschen-)Kiefer werden bei Erkrankungen der Atem­wege eingesetzt. Sie regen die Durchblutung an, lösen Schleim und kommen zum Beispiel in Erkältungssalben oder -bädern zum Einsatz. Ein Sud aus Lindenblüten  wirkt schweißtreibend und fiebersenkend. Die Samen der Rosskastanie kräftigen das Gewebe in den Bein­gefäßen und können dadurch Venenproblemen und schweren Beinen vorbeugen. Die Volksmedizin nutzt Wacholder-Aus­züge, um rheumatische Beschwerden und Verdau­ungs­proble­me zu lindern.

Waldluft für die Seele

Bäume unterstützen jedoch nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische Gesundheit des Menschen. Bereits ein kurzer Waldspaziergang belebt und beruhigt die Sinne. Eine Studie der japanischen Wissenschaftlerin Yuko Tsunetsugu mit 228 Probanden zeigte, dass bereits eine Viertelstunde im Wald den Blutdruck der Teilnehmer senkte und ihren Puls verlangsamte. Auch die Konzentration des Stresshormons Kortisol in ihrem Blut nahm ab. Eine Frequenzanalyse am Institut von Professor Volz bestätigt, dass der Wald ein belieb­ter und häufig genutzter Erholungs- und Freiraum ist: Allein im Stadtwald von Freiburg registrierten die automati­­schen Messgeräte der Wissenschaftler im Durchschnitt 30.000 Waldbesuche pro Tag. Für die gesamte Waldfläche des Landes Baden-Württemberg mit seinen fast elf Millionen Einwohnern wurden zwei Millionen Besuche pro Tag verzeichnet.

Das Rauschen des Windes in den Baumkronen, das Grün und die würzige Luft machen die Heimat der Bäume zu einem wahrhaft magischen Ort der Entspannung und Erholung. Eine Unter­suchung von Roger Ulrich von der Texas A&M University bestätigt dies eindrucksvoll: Patienten, die von ihrem Krankenhauszimmer aus einen Blick auf Bäume hatten, benötigten weniger Schmerzmittel als Kranke ohne die gesundheitsfördernde Aussicht.




Bildnachweis: Getty Images/Photographer's Choice, W&B/Fotolia/RYF

Ute Essig / Apotheken Umschau; 04.05.2012
Bildnachweis: Getty Images/Photographer's Choice, W&B/Fotolia/RYF

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