Artischocken-Präparate unterstützen die Verdauung und machen auf diese Weise fettes Essen verträglicher. Neue Studien zeigen, dass die Pflanze sogar den Cholesterinspiegel senken kann.
Zehn Prozent weniger Gesamt-Cholesterin durch ein hoch dosiertes Artischocken-Präparat. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 143 Patienten, die einen erhöhten Cholesterinspiegel hatten. In sechs Wochen sanken die Cholesterinwerte um etwa ein Fünftel. Damit könnte die Heilpflanze nicht nur gegen Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden, sondern auch gegen einen hohen Cholesterinspiegel.
Cholesterinsenkung beim Menschen bestätigt
Dass Artischocken-Extrakt den Cholesterinspiegel auf vielfältige Weise beeinflusst, ist schon länger bekannt. Die bisherigen Studien waren aber in erster Linie Zellkultur-Experimente. Biochemiker der Universität Leipzig zum Beispiel hatten schon 1996 herausgefunden, dass Artischocken-Extrakt ein Enzym hemmt, das Leberzellen zur Bildung von Cholesterin brauchen. Doch erst die oben erwähnte Studie zeigte, dass Artischocken auch in der Lage sind, einen erhöhten Cholesterinspiegel bei Menschen mit Fettstoffwechselstörungen zu senken.
Der cholesterinsenkende Effekt beruht nicht allein auf der verringerten Cholesterinbildung. Mindestens genauso wichtig ist es, dass Artischocken-Extrakt die Bildung von Gallensäuren anregt und ihre Ausscheidung über den Darm erhöht. Weil der Körper die verloren gegangenen Gallensäuren aus Cholesterin neu bilden muss, verringert eine erhöhte Gallensäure-Ausscheidung auch die Cholesterinmenge im Körper.
Bisher nur bei Gallenbeschwerden zugelassen
Bis Artischocken-Präparate als Cholesterinsenker zugelassen sind, wird es allerdings einige Zeit dauern. Denn es fehlen noch Studien, die zeigen, dass die Pflanze synthetischen Cholesterinsenkern ebenbürtig ist. Und es fehlen Untersuchungen, die zeigen, dass die Cholesterinsenkung durch Artischocken-Extrakt zu einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führt. Solche Studien gibt es bisher nur für synthetische Cholesterinsenker, die so genannten Statine.
Gut erforscht ist die Wirkung von Artischocken-Extrakt bei Verdauungsstörungen, vor allem gegen Beschwerden nach dem Verzehr fetter Mahlzeiten. Gegen Probleme dieser Art enthält die Heilpflanze einen ganzen Cocktail von Wirkstoffen, die sich gegenseitig ergänzen:
Bitterstoffe: Sie reizen den Vagusnerv, dessen Enden unter anderem auf der Magenschleimhaut sitzen. Der Vagusnerv steuert die Drüsentätigkeit im gesamten Organismus. Wird er gereizt, bildet der Magen mehr Säure. Das fördert die Eiweiß-Verdauung im Magen.
Caffeoylchinasäuren: Diese Substanzen verbessern die Fettverdauung gleich mehrfach: Sie steigern die Bildung von Gallenflüssigkeit in der Leber, und sie regen die Gallenblase an, mehr Gallenflüssigkeit in den Darm abzugeben. Das erleichtert die Verdauung von fettem Essen. Denn die Gallenflüssigkeit enthält Stoffe, die ähnlich wie ein Spülmittel das Fett im Nahrungsbrei fein verteilen. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche, und die Fett spaltenden Enzyme der Bauchspeicheldrüse können das Fett in der Nahrung besser verdauen. Das verringert Blähungen und Völlegefühl, die als Folge einer gestörten Fettverdauung nach fetten Mahlzeiten häufig auftreten.
Flavonoide: Diese Substanzen schützen die Leberzellen vor Schadstoffen. Weil die Leber Gallenflüssigkeit bildet, funktioniert auch die Fettverdauung besser, wenn die Leber geschützt ist.
Inhaltsstoffe ergänzen sich in ihrer Wirkung
Für die gute Wirkung bei Verdauungsbeschwerden ist das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe wichtig. Deshalb überprüfen die Hersteller mit viel Aufwand, ob das Muster der verschiedenen Pflanzenstoffe von einer Ernte zur nächsten konstant ist. Eine dauerhafte Qualität lässt sich nur erreichen, wenn auch die Anbaubedingungen möglichst gleich bleibend sind. Aus diesem Grund stammen die Artischockenblätter für die Arzneiherstellung aus speziellen Kulturen. Denn die Blätter, die beim Ernten der als Gemüse geschätzten Blütenstände übrig bleiben, haben für Arzneizwecke einen zu geringen Wirkstoffgehalt.
(Quelle: Apotheken Umschau)
Apotheken Umschau;
12.09.2005, aktualisiert am 01.02.2010
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