Hautkrebs mit 25

Susanne Schulz wusste, dass sie gefährdet ist. Die Diagnose war für sie trotzdem ein Schock

Für Hautkrebspatienten notwendig: Regelmäßige Kontrolle der Haut mit Hilfe der Computer-Dermatoskopie

Hat sich die junge Frau in der Tür geirrt? Susanne Schulz, die eben aus dem Büro von Professor Claus Garbe an der Universität Tübingen tritt, sieht nicht wie eine Patientin aus. Ihre Haut scheint makellos. Doch der Schein trügt. Die 28-Jährige hat schwarzen Hautkrebs. Der bösartige Pigmenttumor auf ihrem linken Schulterblatt wurde im Oktober 2006 entdeckt und entfernt. Da war Susanne Schulz 25 Jahre alt und gerade im Glückstaumel – ihr Freund hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht. „Die Diagnose war erst einmal ein Schock“, sagt die Zahnarzthelferin aus Ochsenhausen (Baden-Württemberg), die seit vielen Jahren regelmäßig zur Hautuntersuchung ging. Denn dass sie mit ihrer hellen Haut und den vielen Muttermalen besonders gefährdet ist, war ihr bewusst. „Trotzdem habe ich mich nie wirklich damit auseinandergesetzt, dass mir das passieren könnte.“

 

Als sich ein Muttermal am Rücken farblich verändert, geht Susanne Schulz sofort zum Hautarzt. Drei Leberflecken schneidet er heraus – darunter den verdächtigen Fleck an der Schulter. „Der sah schon immer ein bisschen anders aus als die anderen. Größer und dunkler, und er stand ein bisschen hervor“, erzählt sie. „Viele Melanome fallen als ‚hässliches Entlein‘ unter den anderen Leberflecken auf“, sagt der Experte für Dermatologische Onkologie Garbe. Dieser Zusammenhang bestätigt sich auch bei Schulz. Nach dem Laborbefund steht fest: Das auffällige Muttermal ist ein malignes Melanom und bereits 1,5 Millimeter dick.

Tumorzellen in den Lymphknoten


Jetzt geht alles ganz schnell: Überweisung an die Hautklinik Tübingen, Nachschneiden des Tumors mit Sicherheitsabstand zur gesunden Haut und Biopsie des Wächterlymphknotens, um zu erkennen, ob dieser bereits von Tumorzellen befallen ist. Bei Susanne Schulz ist das der Fall. Die Patientin will nicht, dass alle möglicherweise von Mikrometastasen befallenen Lymphknoten in der Region entnommen werden. Die Ärzte entfernen ihr deshalb nur je zwei mit Krebszellen besiedelte Lymphknoten in den Achselhöhlen.

 

„Bei einer Komplettausräumung besteht das Risiko eines dauerhaften Lymphödems im Arm“, erklärt Schulz‘ behandelnde Ärztin Dr. Annette Pflugfelder. „Außerdem ist nicht geklärt, ob dadurch tatsächlich ein Überlebensvorteil zustande kommt.“ Um einen Rückfall zu verhindern, erhält Susanne Schulz in einem weiteren Behandlungsschritt Interferon, ein körpereigenes Gewebshormon, das die Neubildung von Krebszellen hemmt und gleichzeitig das Immunsystem anregt. Eine Chemotherapie kommt hingegen nur bei Patienten infrage, bei denen sich bereits Metastasen in entfernten Körperbereichen gebildet haben. „Leider ist die Wirkung nicht sehr groß. Nur 10 bis 20 Prozent der Patienten sprechen auf die Chemotherapie an“, sagt Claus Garbe. „Je früher ein Melanom erkannt wird, desto höher ist die Heilungsrate. Bei Fernmetastasen beträgt sie fünf bis zehn Prozent.“

 

Während der zwei Jahre dauernden Therapie litt Susanne Schulz an einer Lungenentzündung, Gereiztheit und leichten Depressionen. Heute ist sie optimistisch, bisher hatte sie keinen Rückfall. „Mir geht es im Moment richtig gut.“ So gut, dass sie an eine Schwangerschaft denkt. Sie hat inzwischen geheiratet, umgezogen ist sie auch. Sie steckt in einer bewegten Lebensphase, mitten im Aufbruch. „Ich genieße noch mehr als früher jeden Augenblick.“

 

Geheilt ist Susanne Schulz noch nicht. Regelmäßig kontrolliert sie ihre Leberflecken auf Veränderungen, weiterhin muss sie zur Nachsorge. Denn das Risiko eines Rückfalls oder das Wuchern weiterer Melanome ist immer noch nicht aus der Welt. Deshalb untersuchen Garbes Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen alle ihre Leberflecken auf verdächtige Veränderungen. „Mit dem Auflichtmikroskop, einer Kombination aus Mikroskop und Kamera, schauen wir praktisch in die Struktur der Haut hinein“, erklärt der Professor das Verfahren der Computer-Dermatoskopie. Er erkennt so die genaue Anordnung der Pigmentzellen und charakteristische Gefäßmuster. Aufnahmen auffälliger Muttermale werden archiviert, um deren Entwicklung zu verfolgen.


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