Ist die Haut gebräunt, wirkt der Mensch schön und fit. Das finden zumindest rund 44 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren. Sie nahmen an einer repräsentativen Umfrage teil, die die GfK Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau 2008 vornahm. Etwa 32 Prozent der Befragten behaupten zudem, sie wollten unbedingt braun gebrannt aus dem Urlaub heimkommen.
Gebräunte Haut mag als schick gelten – ein Zeichen für Gesundheit ist sie jedoch keineswegs. Unser Körper versucht sich durch den dunkleren Teint zu schützen. Der Organismus lagert mehr Pigment in die Haut ein, das die schädliche Wirkung der Sonnenstrahlen abschwächt. Experten unterscheiden dabei UV-A- und UV-B-Strahlen. Erstere lassen die Haut frühzeitig altern. Beide Strahlenarten – insbesondere die UV-B-Strahlen – bergen eine echte Gefahr: „Sie stellen einen bedeutenden Risikofaktor für Hautkrebs dar“, sagt Professor Percy Lehmann, Direktor des Kompetenzzentrums Hautkrebs am Helios-Klinikum Wuppertal.
Zudem stellen UV-B-Strahlen die Übeltäter dar, wenn wir uns einen Sonnenbrand holen. Die Sonne hat in diesem Fall zu intensiv auf die Haut eingewirkt, ihr Eigenschutz hat nicht ausgereicht. „Die Strahlung wird umso intensiver, je näher wir uns der Sonne befinden und desto stärker die Strahlen reflektiert werden“, erklärt der Wuppertaler Dermatologe. Kraxeln wir über einen Gletscher, brennt der „Feuerball“ am stärksten vom Himmel. Denn erstens befinden wir uns dort meist in luftiger Höhe, zweitens prallen die Strahlen am Schnee sozusagen ab. Zwei weitere Reflexionskünstler: Wasser und Sand. Auch auf einem Segeltörn, am Schwimmbadrand oder auf der Strandliege setzen wir uns also intensiver UV-Strahlung aus. Darüber hinaus wirkt die Sonne umso stärker, je näher wir uns am Äquator befinden.
Vor jeglicher Freizeit- oder Urlaubsaktivität an der Sonne gilt daher – neben weiteren Maßnahmen: Sonnenschutzmittel auftragen! In den Präparaten befinden sich sogenannte UV-Filter, die weniger UV-Strahlen in die Haut eindringen lassen. Der Lichtschutzfaktor einer Milch oder Lotion, der beispielsweise als „LSF 30“ oder einfach „30“ gekennzeichnet wird, gibt die Schutzdauer der Sonnenmilch an. Liegt die Eigenschutzzeit der Haut – je nach Hauttyp – zum Beispiel bei etwa 10 Minuten, dann verlängert sich diese um den Faktor 30 auf theoretisch 300 Minuten. „Allerdings bieten die Mittel keinen hundertprozentigen Schutz“, warnt Lehmann. Ein Teil der UV-Strahlen gelangt trotzdem in die Haut, das Hautkrebsrisiko ist nicht vollständig gebannt. Sie sollten es mit dem Sonnenbad daher nie übertreiben, auch wenn Sie sich gut eingecremt haben.
Tragen Sie Lotion, Gel oder Spray rechtzeitig auf – mindestens 30 Minuten, bevor Sie in die Sonne gehen. Benutzen Sie reichlich Sonnenschutz. „Meistens wird viel zu wenig Creme verwendet“, merkt der Hautspezialist an. Schmieren Sie nur halb so viel Sonnenmilch auf die Haut, wie Sie eigentlich müssten, verringert sich der Schutz nicht nur um die Hälfte, sondern deutlich mehr. „Denn die Wirkung nimmt exponentiell ab“, erklärt Lehmann. Experten empfehlen, zwei Milliliter Sonnenschutz pro Quadratzentimeter Haut aufzutragen, also für den ganzen Körper eines Erwachsenen rund 40 Milliliter.
Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, ob für Sie Spray, Milch oder Gel das Mittel der Wahl ist. „Gels enthalten keine Emulgatoren und eignen sich daher für Menschen, die zu Kontaktallergien neigen“, rät zum Beispiel Dr. Marit-Saskia Wahrendorf, Leiterin der Möwen Apotheke in München. Sprays haben laut der Apothekerin unter anderem den Vorteil, dass sie auch auf die Kopfhaut gesprüht werden können und nicht fetten. Vergessen Sie nicht, auch Ohren, Lippen und die Haut unter der Armbanduhr einzucremen. „Auf die Lippen tragen Sie am besten einen Sunblocker-Stift auf, der haftet wesentlich länger als die flüssige Sonnenmilch“, empfiehlt Wahrendorf.
Wichtig: Schwimmen Sie eine Runde oder spielen Beach-Volleyball, dann lässt die Wirkung des Sonnenschutzmittels nach. Denn Wasser und Schweiß tragen die Lotions von der Haut ab. Cremen Sie sich deshalb nach dem Baden oder Sport erneut ein – allerdings erst nach dem Abtrocknen.
Ist der Sonnenschutz vom letzten Jahr noch nicht aufgebraucht, sollten Sie ihn trotzdem sicherheitshalber entsorgen. Erstens werden die Mittel häufig großer Hitze ausgesetzt, was der Stabilität schadet. „Zweitens können sich die UV-Filter zersetzen, die Wirkung lässt nach“, weiß die Münchner Apothekerin.
Tipp: Meiden Sie die Mittagssonne, egal wo Sie sich befinden. „Die Zeit zwischen 11 und 14 Uhr ist die, in der etwa 70 Prozent der täglichen UV-Einstrahlung auf die Erde gelangen“, sagt Dermatologe Lehmann.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
26.07.2010, aktualisiert am 20.07.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Polka Dot Images
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