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Sind blaue Flecken immer harmlos?

Meist verschwindet ein Bluterguss schnell wieder, manchmal ist er aber auch Zeichen einer Erkrankung


Blaues Auge: Meis sieht es schlimmer aus als es tatsächlich ist

Bei Kindern gehört er zum normalen Erscheinungsbild: kaum ein Spielplatzbesuch, von dem sie nicht mit einem neuen „blauen Fleck“ nach Hause kommen. Ein Bluterguss  – fachsprachlich: Hämatom – entsteht zum Beispiel, wenn nach einem Schlag oder Stoß Blut in das Unterhaut­gewebe sickert. Dazu kann es leicht kommen, wenn es wild zugeht bei Spiel und Sport. Bei älteren Menschen treten blaue Flecke ebenfalls öfter auf. Der Grund: Die Haut ist weniger gut gepolstert, und Gefäße platzen leichter.

Häufige oder großflächige Blut­ergüsse können jedoch auch auf eine Erkrankung hinweisen, betont Dr. Georg Goldmann, Oberarzt am Hämophilie-Zentrum des Universitätsklinikums Bonn: „Das gilt natürlich besonders, wenn sich die Neigung zu Hämatomen plötzlich verstärkt.“ Erkrankungen der Leber oder des blutbildenden Systems wirken sich oft auf die Blutgerinnung aus. Schon kleine Verletzungen führen dann zu großen blauen Flecken. Auch Medikamente kommen als Ursache infrage, denn verschiedene Mittel beeinflussen die Blutstillung. Besonders oft steckt Acetylsalicylsäure (ASS) dahinter, die auch als „Blutverdünner“ zum Einsatz kommt, sehr viel häufiger aber als Schmerztablette. „Vielen ist gar nicht klar, dass ASS die Blutplättchen mehrere Tage lang in ihrer Funktion beeinträchtigt“, berichtet Goldmann. Blutplättchen verschließen verletzte Gefäße, indem sie miteinander verklumpen.


Sehr selten können blaue Flecke gefährlich sein

„Sehr selten dagegen, allerdings auch sehr gefährlich sind sogenannte erworbene Hämophilien“, ergänzt der Gerinnungs- und Transfusionsspezialist. Sie entstehen, wenn sich im Lauf einer Autoimmun- oder Krebserkrankung oder auch während einer Schwangerschaft Antikörper gegen die eigenen Gerinnungsfaktoren bilden. Bleibt die Störung unentdeckt, kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. „Fallen plötzlich große blaue Flecke auf, sollte man das abklären lassen“, rät Goldmann. Einige Menschen neigen aber zeitlebens dazu, dass sich nach jedem kleinen Stoß oder Piks großflächige Hämatome bilden. Dahinter stecken meist angeborene Störungen der Blutgerinnung wie das Willebrand-Jürgens-Syndrom.

Dabei handelt es sich um den erblichen Mangel an einem bestimmten Protein. Die Störung kann in unterschiedlicher Ausprägung vorliegen. In der leichten – und häufigsten – Form wird sie oft gar nicht bemerkt. Auch schwere Gerinnungsstörungen wie die Hämophilie („Bluterkrankheit“) treten mitunter in einer abgeschwächten Form auf, sodass Blutergüsse, häufiges Nasenbluten oder eine langsamere Wundheilung die einzigen Symptome sein können. „Wird eine Gerinnungsstörung festgestellt, sollten die Betroffenen einen Spezialisten aufsuchen“, empfiehlt Georg Goldmann.

Die meisten Menschen müssen aber einfach nur abwarten, bis der blaue Fleck verheilt ist. Das Unangenehmste sind wohl die vielen Bemerkungen, mit denen andere die auffällige Verfärbung kommentieren. Doch spätes­tens nach drei Wochen sind alle Spuren verschwunden.


Warum der Bluterguss die Farbe wechselt

  • Entstehung eines Hämatoms in 5 Schritten

    Rot: Ein Bluterguss entsteht, wenn Gefäße in der Haut platzen. Das Eiweiß Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gibt dem Blut seine rote Farbe.

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  • Entstehung eines Hämatoms in 5 Schritten

    Bläulich dunkelrot: Binnen einiger Stunden gerinnt das Blut. Dabei verfärbt sich bereits die
    verletzte Stelle.

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  • Entstehung eines Hämatoms in 5 Schritten

    Braunschwarz: Enzym 1 wandelt einen Teil des Hämoglobins in den Farbstoff Verdoglobin um.

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  • Entstehung eines Hämatoms in 5 Schritten

    Dunkelgrün: Nach einer Woche hat Enzym 2 das Hämoglobin zu grünlichem Biliverdin oxidiert.

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  • Entstehung eines Hämatoms in 5 Schritten

    Gelbbraun: Ein drittes Enzym baut das Biliverdin zu gelbem Bilirubin um.

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Bildnachweis: Getty Images/Taxi, W&B/Martina Ibelherr

Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; erstellt am 08.10.2012
Bildnachweis: Getty Images/Taxi, W&B/Martina Ibelherr

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