Für die meisten Deutschen gehört die tägliche Dusche fest zum Tagesablauf. Das Wasser befreit nicht nur von Schmutz und unerwünschten Gerüchen, sondern neutralisiert zusätzlich den Säurefilm aus Schweiß und Talg auf der Haut. Dieser wehrt Keime ab und hält unsere Außenhülle geschmeidig. In der Regel erholt sich die Schutzschicht jedoch innerhalb kurzer Zeit und stellt das leicht saure Milieu mit einem pH-Wert von fünf bis sechs vollständig wieder her.
Auf den Hauttyp kommt es an
„Die meisten Menschen können bedenkenlos einmal täglich duschen“, erklärt der Hautarzt Dr. Markus Braun-Falco vom Universitätsklinikum München. Wer eine leicht fettige Haut oder eine mit ausgeglichenem Milieu verfügt, bei dem erholt sich der Säurefilm auch bei mehrmaligem Abduschen am Tag ohne Probleme.
Anders sieht das bei Menschen mit einem eher trockenen Hauttyp aus. Steigen sie zu häufig unter die Dusche, kann die Haut dauerhaft Schaden nehmen. Sie trocknet aus, Hautkrankheiten wie Ekzeme haben jetzt leichtes Spiel. Wer eine ganz empfindliche Haut hat, kann bereits derartige Probleme bekommen, wenn er einmal täglich duscht. Leichte Rötungen und Schuppenbildung sind dabei meist erste Warnhinweise. Da die Produktion der Talgdrüsen im Lauf des Lebens nachlässt, sind häufig ältere Menschen davon betroffen – auch, wenn sie ursprünglich zum fettigen Hauttyp gehörten. Wer Neurodermitis hat, muss ebenfalls vorsichtig sein und sich zur individuell passenden Hautpflege beraten lassen.
Wassertemperatur und Dauer
Dennoch geht einmal am Tag duschen aber auch bei trockener Haut in der Regel in Ordnung. „Seltener passt auch nicht zum Hygieneempfinden der meisten Menschen in der heutigen Zeit“, sagt Professorin Martina Kerscher. Die Hautärztin lehrt Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg. Beim Duschen sollten gerade Menschen mit trockener Haut aber einige Regeln hinsichtlich Wassertemperatur, Duschdauer und Auswahl der Pflegemittel beachten. Doch auch bei ausgeglichenem Milieu sind sie empfehlenswert.
„Die ideale Wassertemperatur beim Duschen liegt zwischen 32 und 38 Grad Celsius“, erklärt Kerscher. Heißes Wasser löst mehr Fette aus der Haut als kaltes. Lauwarm abduschen reicht also völlig aus – und das so kurz wie möglich. Denn auch bei der Dauer ist weniger mehr. Längerer Kontakt mit Wasser entfernt mehr Fette. Menschen, die sich am liebsten eine Viertelstunde unter die Dusche stellen, denken also besser um. „Je trockener die Haut, desto kürzer und kühler sollten Sie duschen“, rät Kerscher.
Passende Seife wählen
Nie ohne Seife waschen – diese Regel ist beim Händewaschen sinnvoll. Beim Duschen gilt sie dagegen nur mit Einschränkung. Denn die meist stark basischen Seifen und Duschgels bedeuten eine zusätzliche Belastung für den Säureschutz. „Ich rate deshalb von herkömmlichen Seifen ab“, sagt Kerscher. Besser ist die Verwendung von Syndets. Das ist die Kurzform für synthetische Detergentien, übersetzt „künstliche Waschmittel“. Sie sind besser auf das saure Milieu der Haut abgestimmt. Ideal sind Syndets mit einem pH-Wert von 5,5 – diesen verträgt die Haut am besten.
Ohnehin sind die meisten Körperpartien durch Kleidung relativ effektiv vor Schmutz geschützt. Daher ist an diesen Stellen die Reinigung mit Wasser meist ausreichend. Zusätzlich Seife benötigt man eigentlich nur an tatsächlich verschmutzten oder verschwitzten Bereichen. Meist ist das unter den Achseln der Fall sowie an den Händen und an den Fußsohlen.
Haare waschen
Und Haarewaschen? Zwei- bis dreimal die Woche reicht bei den meisten Menschen in der Regel völlig aus. Doch wie häufig man sich die Haare wäscht, ist letztlich auch eine Frage der eigenen Bedürfnisse. „Das Gefühl gepflegter Haare ist wichtig für das individuelle Wohlbefinden“, weiß Kerscher. Bei Verwendung schonender Shampoo-Produkte spricht prinzipiell auch nichts gegen eine tägliche Haarwäsche.
Shampoos auch zur Reinigung der anderen Körperstellen herzunehmen, ist dagegen keine gute Idee. Sie enthalten zur Reinigung und Entfettung der Haare Tenside, die intensiver wirken als die Substanzen in Ganzkörperseifen. Deshalb beeinträchtigen sie die Schutzschicht der Haut stärker.
Eincremen gegen Austrocknung
Nach dem Duschen ist es bei trockener Haut ratsam, den Körper nicht kräftig mit dem Handtuch abzurubbeln, sondern vorsichtig abzutupfen. Und im Anschluss mit Cremes den Erholungsprozess der Haut unterstützen. „Am besten mit rückfettenden Lotionen“, sagt Dermatologe Braun-Falco. Apotheker und Hautarzt können bei der Auswahl geeigneter Präparate und Kosmetikartikel helfen.
Doch was, wenn bei hochsommerlicher Hitze die Haut an der Kleidung klebt? Der Hautarzt hat gute Nachrichten: „Unter solchen Umständen dürfen selbstverständlich auch Personen mit trockener Haut ein zweites Mal zu duschen“, sagt Braun-Falco. Am besten nur mit lauwarmem Wasser und danach schön eincremen.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
29.08.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung