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Genähte Wunden: Wie sie damit richtig umgehen

Pflaster oder nicht? Was ist beim Duschen zu beachten? Tipps, wie Sie die Naht richtig behandeln


Kleine Wunden heilen von selbst, bei größeren ist etwas mehr Aufwand notwendig

Die meisten kleinen Wunden verarztet man ja zu Hause. Pflaster drauf, fertig. Wer aber mit einer genähten Wunde aus dem Krankenhaus kommt, der sollte einige Dinge beachten, damit sich die Verletzung komplikationslos und rasch regenerieren kann.

Dass man keinen Schmutz in die Wunden lassen darf, ist bekannt. Mit einer frischen Naht über dem Knie zu Joggen ist auch nicht gut. Aber wie ist das mit Wasser? Und hieß es als Kind nicht immer, dass man Wunden an der frischen Luft heilen lassen soll?

Schutz durch Pflaster oder Verband

Bei kleinen Nähten im Gesicht genügt meist ein Pflaster. Wenn die Wunde allerdings größer ist, empfiehlt Dr. Amin Aschour, Allgemeinmediziner und Schularzt in Wien, immer Wundauflage und Verband. "Natürlich kommt es darauf an, wo sich die Wunde befindet. Aber grundsätzlich sollte die Naht in der ersten Zeit komplett abgedeckt sein, damit die Stelle trocken und sauber bleibt." Sonst besteht die Gefahr, dass durch die Reibung von der Kleidung die Nähte aufgerissen werden.


Für eine optimale Wundheilung ist vor allem Trockenheit wichtig. „Nasse Haut wird spannungsfreier und die Nähte können dadurch aufgehen,“ so Aschour. „Außerdem kann sich die Wunde durch Feuchtigkeit leichter infizieren.“ Bedeutet das also, dass man sich mit frisch genähten Wunden nicht waschen darf? „Beim Duschen oder Baden sollte man auf jeden Fall die Naht so abdecken, dass kein Wasser an die frische Verletzung kommt,“ empfiehlt Aschour. Das funktioniert entweder mit einem speziellen Duschpflaster oder auch mit einer Plastiktüte, die man über die entsprechende Stelle wickelt und fixiert. Ansonsten müssen Sie das verwundete Körperteil – die Hand, den Fuß, den Kopf – einfach aus dem Wasserstrahl raushalten.

Wer einen Verband unter der schützenden Plastikabdeckung trägt, sollte diesen nach dem Duschen oder Waschen trotzdem genau kontrollieren. Ist er feucht geworden, dann unbedingt wechseln. Und für den Fall, dass die Wunde selbst nass geworden ist, empfiehlt Aschour diese mit dem Föhn zu trocknen. „Wenn man nämlich mit dem Handtuch herum reibt, besteht wieder die Gefahr, dass man die Nähte aufreißt.“ Neben dem Schutz vor Schmutz und Nässe ist es auch wichtig darauf zu achten, die frisch genähte Wunde nicht extremer Kälte oder UV-Strahlung auszusetzen.

Für eine individuelle Wundpflege sollten Sie auch immer den Bedürfnissen der jeweiligen Körperstelle nachgehen, an der sich die Verletzung befindet. Sprich: Genähte Blessuren, die Gelenke überspannen, sind natürlich viel beanspruchter und im Endeffekt gefährdeter als beispielsweise eine Naht am Hinterkopf. Dementsprechend soll und muss die Wundpflege bei Gelenk überbrückenden Nähten umsichtiger sein. Auf Sport oder anstrengende Aktivitäten sollten Verletzte in dem Fall für eine Zeit verzichten, um ein Aufreißen der Nähte zu verhindern.

Narbenpflege

Nach dem Ziehen der Fäden und dem Abfallen der schützenden Hautkruste kommt dann oftmals zum Vorschein, was einen mitunter sein restliches Leben begleiten wird: eine Narbe. Meist erst noch rot, später weißlich besteht diese aus Ersatzgewebe.

Dass eine konsequente Narbenpflege von Beginn an einen nachhaltigen Effekt auf das künftige Erscheinungsbild haben kann, ist eine weit verbreitete Meinung. „Nach dem Fäden ziehen sollte man sofort mit einer Narbensalbe oder einem Gel beginnen“, rät Dr. Hubert Stützle, Facharzt für Chirurgie und Plastische Chirurgie in Gräfelfing. „Das bedeutet aktive Arbeit, denn mit einmal morgens und einmal abends auftragen ist es nicht getan. Ich empfehle meinen Patientinnen und Patienten, sich die Salbe neben den Spiegel zu legen und immer wenn sie vorbeigehen, zu benutzen.“ Wirkstoffe in solchen Salben oder Gels sind zum Beispiel Extractum cepae (Zwiebelextrakt), Allantoin, Heparin oder Dexpanthenol.

Ganz unumstritten ist die Anwendung von Narbensalben allerdings nicht. Viele Ärzte zweifeln an einer signifikanten Besserung der Narbenstruktur. „Wissenschaftlich gesehen bringen diese Salben nicht viel“, meint beispielsweise Aschour, „aber ich verstehe jeden, der sie trotzdem benutzt, weil das subjektive Gefühl entsteht, dass man etwas für die Narbe tut. Mit Sicherheit sind diese Salben und Gels recht gute Hauptpflegeprodukte, aber zur Wundheilung an sich tragen sie nur sehr wenig bei.“

Beliebt sind auch Narbenpflaster. Diese bestehen aus einem hautverträglichen und atmungsaktiven Polyurethan-Material. Eine erhöhte Regeneration des Gewebes und eine Anregung des Stoffwechsels sollen die Resultate sein.

Hubert Stützle empfiehlt darüber hinaus auf jeden Fall eine Narbenmobilisierung. „Vorsichtige, aber regelmäßige Massagen der Narbe sind wesentlich im Heilungsprozess, da das Narbengewebe und auch die darunter liegenden Gewebeschichten gelockert werden." Das kann man bei kleineren Narben zu Hause machen. Bei größeren oder schwer erreichbaren Arealen kann eventuell auch ein Physiotherapeut helfen.

Grundsätzlich ist Narbenbehandlung eine sehr individuelle Angelegenheit, weiß Stützle: „Gerade bei der Narbenpflege gilt oft das Motto: Frau Meier ist begeistert und Frau Müller hat es gar nichts gebracht. Nicht alle Salben und Gels wirken bei allen Patienten gleich.“



Sandra Schmid / www.apotheken-umschau.de; 22.02.2011
Bildnachweis: W&B/Michael Schwerberger

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