Anmelden | Registrieren
Drucken

"Fotoallergisch-fototoxisches" Ekzem: Hintergründe?

Wie entsteht ein "fotoallergisch-fototoxisches" Ekzem überhaupt? Was wären Beispiele für häufige Auslöser in der Berufs- und Freizeitwelt wie auch bei Arzneimitteln? Wie kann die Reaktion vermieden werden?

Fototoxizität ist eine „Eigenart“ verschiedener Stoffe aus Chemie und Pharmazie, die unter dem Einfluss von Sonnenlicht vergiftungsähnliche (toxische) Schäden auf der oberen Hautschicht verursachen können. Dabei kann sich auch die Molekülstruktur des Stoffes selbst verändern. Dies kann unter Umständen sogar mit einer erwünschten therapeutischen Wirkung verbunden sein. Ein Beispiel hierfür sind bestimmte Stoffe aus Pflanzen und ätherischen Ölen, sogenannte Psoralene. Synthetisch hergestellt werden sie gemeinsam mit ultraviolettem (UV-)Licht etwa zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Psoriasis (Schuppenflechte) eingesetzt.

Ein fotoallergisches Ekzem entwickelt sich in zwei Schritten. Beim Erstkontakt mit dem Auslöser reagiert zunächst nur das Immunsystem, indem es spezifische Zellantworten gegen die Substanz bildet. Zu Hautreaktionen kommt es dann nach dem zweiten Kontakt mit dem Auslöser.

Ein Beispiel aus der Freizeitwelt ist die sehr häufig vorkommende Wiesengräserdermatitis. Auch Pflanzen wie Bärenklau oder Johanniskraut enthalten Stoffe (Furocumarine), die gemeinsam mit UV-Licht fototoxische Ekzeme verursachen können. Ein bekannter Auslöser aus dem Arzneimittelbereich ist das Antibiotikum Doxycyclin.

Daneben können zahlreiche chemische Substanzen aus dem Alltag fotoallergische Kontaktekzeme auslösen, zum Beispiel auch UV-Filter, wie sie in Sonnencremes enthalten sind. Hier eine Übersicht:

  • Paraaminobenzoesäure (Pabanol); Lichtschutzsubstanz gegen UV-B-Strahlung.
  • 2-Hydroxy-4-methoxybenzophenon (Eusolex 4360, Uvinol M40); Lichtfiltersubstanz gegen UV-A-Strahlen. Verwendung auch in Haarsprays, Haarfärbungen, Lacken, Farben, Textilien, Plastik und Farbschutzsprays.
  • 3-(4-Methylbenzyliden)-campher (Eusolex 6300, Neo Heliopan MBC); Lichtfiltersubstanz mit Absorptionsmaximum im UV-B–Bereich.
  • 4-tert-Butly-4'-methoxydibenzoylmethan (Parsol 1789, Eusolex 9020); UV-A absorbierender Lichtfilter.
  • 2-Ethylhexyl-p-dimethylaminobenzoesäure (Escalol 507, Eusolex 6007); Lichtfiltersubstanz mit Absorption im UV-Bereich.
  • p-Methoydzimtsäure-2-ethylhexylester (Neoheliopan AV Parsol MCX Eusolex 2292); Lichtfiltersubstanz mit Absorptionsmaximum im UV-Bereich.
  • 2-Phenylbenzimidazol-5-Sulfonsäure (Eusolex 232, Neoheliopan Hydro); Lichtfiltersubstanz mit Absorptionsmaximum im UV-B–Bereich.
  • p-Methoxyzimtsäure-Isoamylester (Neoheliopan E 1000); Lichtfilter mit Absorptionsspektrum im UV-B-Bereich.

Vermeiden lassen sich fototoxische und fotoallergische Reaktionen der Haut am besten, indem man sich durch Kleidung und/oder auch Sonnenschutzcremes vor UV-Licht schützt. Sonnenschutzcremes sollten dabei auf jeden Fall auch einen UV-A-Filter enthalten, da in den meisten Fällen UV-A die auslösende Wellenlänge für solche Reaktionen ist. Dabei ist das zuvor genannte Risiko, dass auch UV-Filter eine fotoallergische Reaktion auslösen können, zu berücksichtigen. Man kann zusätzlich fotoallergischen Reaktionen vorbeugen, wenn parfüm- und konservierungsstofffreie Produkte verwendet werden.


Prof. Dr. med. Margitta Worm

Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann der Arzt nur im persönlichen Kontakt mit dem Patienten festlegen. Unsere Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Aber sie können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit ihm vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.
Die medizinische Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter und führt zu neuen Erkenntnissen in Diagnostik und Therapie. Die hier gemachten Angaben entsprechen dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Beantwortung individuell eingesandter Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Körperatlas:

Einblicke ins Innenleben

Reisen Sie durch den menschlichen Körper

Lernen Sie Organe, Haut, Muskeln, Skelett und Nervensystem kennen – interaktiv! »

surfmed/www.apotheken-umschau.de; 29.03.2007, aktualisiert am 10.08.2011

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG