"Das ist ein extremer Verstoß gegen die Gebührenverordnung für Ärzte", so Kerstin van Ark, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen in Berlin. "Der Fall muss geprüft werden." Das Flatrate-Angebot selber findet van Ark "äußerst bedenklich". Sie ist sich sicher, dass viele Menschen durch diese Art der Bezahlung wesentlich sorgloser in eine Botulinumtoxin-Behandlung gehen. "Es entsteht der Druck, das bereits Bezahlte auch einzufordern", so van Ark. Auch Professor Hans-Günther Machens, der Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am Klinikum Rechts der Isar in München sagt: "Das ist wirklich ein problematisches Angebot".
Bei der verwendeten Substanz zum Glätten der Haut handelt es sich um das Nervengift Botulinumtoxin – eines der stärksten bekannten biologischen Gifte. Es lähmt Muskeln und kann so auch Krähenfüße oder Zornesfalten verschwinden lassen. Aber auf die Dosis kommt es an: Zwei Kilo Botulinumtoxin sollen angeblich ausreichen, um die gesamte Weltbevölkerung auszulöschen. "Die monatlich laufenden Kosten verleiten Menschen eventuell dazu, zum Nachspritzen zu gehen, auch wenn die Substanz der letzten Behandlung womöglich noch gar nicht weit genug abgebaut ist", warnt van Ark.
Außerdem lockt der scheinbar niedrige Preis vielleicht auch Menschen an, die die hohen Kosten sonst scheuen würden. Eine einmalige Spritze kostet laut Aussage der Düsseldorfer Dependance der Residenzklinik rund 300 Euro. Damit sich das Angebot lohnt, müsste man sich also mindestens zwei Spritzen pro Jahr abholen. Ist das nicht gefährlich? Und darf man um eine medizinische Behandlung überhaupt einen Preiswettkampf veranstalten? "Ärzte-Werbung muss immer mit dem Heilmittelwerbegesetz konform gehen", so van Ark. "In diesem Fall ist die Aufmachung schon sehr anpreisend." Auch das müsse geprüft werden.
"Botulinumtoxin ist ein Medikament, welches mit größter Vorsicht einzusetzen ist", warnt zudem Machens. "Patienten, die damit behandelt werden, gehören unter medizinische Aufsicht!" Abgesehen von optischen und gesundheitlichen Risiken hat das Nervengift auch ein psychisches Abhängigkeitspotential. "Es gibt Menschen, die nach der Substanz süchtig werden. Sie meinen dann, ohne die Spritzen nicht mehr leben zu können", so der Mediziner.
Außerdem gibt Machens zu bedenken, dass eine Botulinumtoxin-Behandlung oft die Hemmschwelle für andere ästhetische Eingriffe sinken lässt. Hinzu kommt: "Die Entscheidung, wann und wo gespritzt wird, darf nur ein Arzt fällen. Mit der Flatrate gibt man diese Termin-Auswahl immer weiter in die Hände des Patienten." Van Ark ergänzt: "Eine derartigen Behandlung sollte ausschließlich auf Wunsch des Patienten geschehen. Derart aggressive Methoden gefährden die Reflexion einer Sinnhaftigkeit!"