9 Sonnencreme-Mythen aufgeklärt

Sonnencreme zu verwenden gilt als wichtige Maßnahme, um Hautkrebs vorzubeugen. Doch stimmt das überhaupt? Neun überraschende Fakten über Sonnencreme
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 18.10.2016

Ein Klecks Sonnencreme auf die Nase: Reicht nicht fürs ganze Gesicht

Jupiter Images GmbH/Goodshot

Ist der Teint leicht getönt, erntet man schnell Koplimente: Wie erholt man doch aussehe oder ob man gerade aus der Karibik zurückgekommen sei... Ein bisschen Sonnenbaden kann ja auch kein Problem sein, oder? Warum auch die Verwendung von Sonnencreme keinen Freischein fürs Sonnenbaden bedeutet, erklärt Hautarzt Professor Eggert Stockfleth, Direktor der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum.

Irrtum 1: Sonnencreme schützt zuverlässig vor Hautkrebs

Sonnencreme kann zwar einen Teil der UV-Strahlen abblocken und die Zeit verlängern, bis ein Sonnenbrand entsteht. Wer deshalb aber umso länger in der Sonne bleibt, bekommt dennoch eine beträchtliche Dosis schädlicher UV-Strahlen ab. Das zeigte sich in einer Studie an Stockfleths Institut: Dabei wurden Medizinstudenten aufgefordert, sich gründlich und in aller Ruhe einzucremen. Mithilfe einer speziellen Lampe prüften die Forscher anschließend, wo die Creme am Körper tatsächlich angekommen war. Das ernüchternde Ergebnis: Trotz der Appelle, die Sonnencreme sorgfältig aufzutragen, bedeckte sie im Durchschnitt nur ein Drittel der Körperoberfläche. Stockfleth spricht daher von einer "Pseudosicherheit", die die Sonnencreme vermittelt. In Wahrheit schaffen es die meisten Benutzer nicht, sich ausreichend einzucremen.


Professor Eggert Stockfleth, Direktor der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum

W&B/Privat

Irrtum 2: Ich muss mich erst eincremen, wenn ich in der Sonne bin

Das Eincremen sollte mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnen stattfinden, damit die Sonnenschutz-Filter aus der Creme in der Oberhaut wirksam werden können. "Auch bei Cremes mit dem Label 'sofort wirksam' würde ich auf Nummer sicher gehen und mich früher eincremen", ergänzt Stockfleth.

Irrtum 3: Es reicht, Körper und Gesicht einzucremen

Gerade Männer haben auf dem Kopf weniger Haare – die Sonnenstrahlen dringen bis zur Kopfhaut durch. Am besten schützen sie sich mit einer Kopfbedeckung oder durch sorgfältiges Eincremen am Kopf. Den Scheitel sollte jeder gut schützen, und ebenso die Ohren. Daher gilt Mütze, Hut, Kopftuch oder sorgfältiges Eincremen im Grunde für alle.

Irrtum 4: Mit jedem Monat sinkt der Lichtschutzfaktor der Sonnencreme

Was den Lichtschutzfaktor angeht, sei dieser bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum weitgehend verlässlich, sagt Stockfleth. Allerdings sollte man seine Sonnencreme sorgfältig lagern. Extreme Temperaturschwankungen können die Inhaltsstoffe beeinträchtigen. "Lassen Sie die Creme im Sommer nicht im Auto, wenn die Sonne den Wagen in einen Glutofen verwandelt," rät der Experte. Besser: Stets im Schatten und kühl aufbewahren, dann ist sie bis zum Ablauf des Haltbarkeitsdatums gut verwendbar.

Irrtum 5: Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viele Minuten man in der Sonne bleiben kann

Nein, ein Lichtschutzfaktor von 30 bedeutet nicht, dass man 30 Minuten schadlos sonnenbaden kann. Die maximale Wirkzeit einer Sonnencreme errechnet sich aus der sogenannten Eigenschutzzeit multipliziert mit dem Lichtschutzfaktor. Wer also ohne Sonnencreme nach zehn Minuten rot würde, hat mit Lichtschutzfaktor 30 – theoretisch – erst nach 300 Minuten mit Sonnenbrand zu rechnen. Doch Vorsicht: Die Eigenschutzzeit ist keine konstante Größe. Sie hängt vom Hauttyp ab und von der Stärke der Sonneneinstrahlung – und die ist höchst variabel. Hinzu kommt: Durch Schwitzen oder Abrieb der Creme aufs Badetuch geht Schutz verloren. Die wahre sonnenbrandfreie Zeit ist also selbst nach sorgfältigstem Eincremen geringer als die maximale Wirkzeit, die man berechnet.

Irrtum 6: Mehrfaches Eincremen erhöht den Lichtschutzfaktor

"Nein, der Sonnenschutz addiert sich nicht. Zweimal mit Lichtschutzfaktor (LSF) 20 eingecremt, ergibt nicht LSF 40, sondern bleibt bei 20", berichtet Stockfleth. "Wobei sich die Menschen sowieso zu dünn eincremen." Wer den angegebenen Lichtschutzfaktor erreichen will, müsste zwei Milligramm Sonnencreme pro Quadratzentimeter Körperoberfläche verwenden. Stockfleth: "Je nach Körpergröße ist das fast eine halbe Sonnencremetube."

Irrtum 7: Wasserfeste Sonnencreme erspart das Nachcremen nach dem Baden

Als wasserfest bezeichnen Hersteller Sonnencremes, die nach zweimal 20 Minuten Aufenthalt im Wasser noch mindestens 50 Prozent ihres Lichtschutzfaktors behalten haben. Bis zur Hälfte des Sonnenschutzes kann also verloren gehen. "Und durch das Abrubbeln mit dem Handtuch nach dem Baden verlieren Sie nochmals fünfzig Prozent Ihres Sonnenschutzes", sagt Stockfleth. Nachcremen ist daher sehr ratsam.

Irrtum 8: Sonnencreme braucht man nur am Badesee und im Urlaub

Sonnencreme ist für alle Alltagsaktivitäten draußen ein Muss – von Fahrradfahren bis Golfspielen. Faustregel: In unseren Breitengraden sollte man Sonnencreme im selben Zeitraum regelmäßig benutzen, in dem man sein Auto mit Sommerreifen fährt – also von Ostern bis Oktober. Hinzu kommt bei uns im Winter das Skifahren im Hochgebirge! Außerdem wichtig zu wissen: Im Frühjahr ist von Natur aus der Ozonschild über Deutschland dünner. "Deshalb ist der UV-Index im April fast so hoch wie im August", warnt Stockfleth.

Irrtum 9: Kinder können dieselbe Sonnencreme benutzen wie ihre Eltern

Sonnencreme enthält zwei verschiedene Komponenten, die zum Schutz vor der UV-Strahlung beitragen: Der physikalische Sonnenschutz macht den weißen Film auf der Haut aus, der die UV-Strahlen verstärkt reflektiert. Der chemische Sonnenschutz hingegen zieht in die oberen Schichten der Haut ein und wandelt dort eintreffende UV-Strahlen in Energie um. Diese chemischen Verbindungen muss die Leber später abbauen. Weil die kindliche Leber noch nicht so leistungsfähig ist, enthalten Kindersonnencremes mehr physikalischen Sonnenschutz, der "Weißeleffekt" ist also größer – wodurch auch besser zu sehen ist, welche Stellen noch nicht eingecremt sind. Ab dem zweiten Lebensjahr können Kinder auch spezielle Kinder-Sonnenschutzcremes mit chemischen Lichtschutzfiltern verwenden. "Erwachsene können aber gerne Kindersonnencremes benutzen, wenn sie es nicht aus kosmetischen Gründen ablehnen", sagt Stockfleth.

Fazit: Sonnencreme ist ein zuverlässiger Schutz – aber kein Freifahrtschein

Auch wer sich eincremt, bevor er in die Sonne geht, ist nicht den ganzen Tag über vor UV-Strahlen geschützt. Dass bei der Kaufentscheidung viele Menschen eher auf Aspekte wie den Duft oder darauf achten, ob sich die Sonnencreme gut verteilen lässt, haben Wissenschaftler der Universität Chicago (USA) herausgefunden. Wichtiger sind Faktoren wie Lichtschutzfaktor und ob die Sonnencreme wasserfest ist. Dann steht einem schönen Sommertag nichts im Wege.



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