Eingewachsener Nagel

Nagelpflege
Die Zehennägel sollten gerade gekürzt werden
Zusammenfassung:
Zu enge Schuhe und falsches Nägelschneiden sind meist die Ursachen für eingewachsene Nägel. Die Beschwerden sind ernst zu nehmen, eine baldige Behandlung ist angezeigt, da sonst eventuell der Nagel gezogen werden muss oder es zu Infektionen kommen kann.







Eingewachsene Nägel - in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist es der große Zehennagel - gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Sie sind sehr schmerzhaft und müssen behandelt werden, um nicht schlimmere Folgen nach sich zu ziehen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.  

Ursachen

 
Die Ursache dafür, dass ein Nagel in den seitlichen Nagelfalz einwächst, liegt meist darin, dass entweder die Schuhe zu eng sind oder dass der Nagel falsch geschnitten wird: Schneidet man den Nagel oval (wie einen Fingernagel) und zu kurz, schiebt sich der Nagelrand durch den Druck, den der Schuh auf ihn ausübt, ins Nagelbett. Das reizt die Haut und eine Entzündung entsteht. Da die Haut verletzt ist, bildet sich sogenanntes Granulationsgewebe (Hautzellen, welche die Wunde wieder verschließen sollen). Dieses im Volksmund "wildes Fleisch" ("Caro luxurians") genannte Gewebe wächst über den Nagel hinweg, der damit noch tiefer ins Nagelbett vordringt.
Bei manchen Menschen wachsen die Nägel immer wieder ein – meist dann, wenn der Nagel in seiner Längsachse zu stark gekrümmt ist.

Begünstigende Krankheiten
Diabetiker wie auch andere Menschen mit gestörtem Schmerzempfinden an den Füßen sind besonders gefährdet, da sie die Schmerzen, die das Einwachsen des Nagels verursacht, nicht spüren und den eingewachsenen Nagel deshalb nicht rechtzeitig behandeln lassen.
 

Mögliche Folgeerkrankungen
Durch die Hautverletzung, die das Einwachsen des Nagels verursacht, können Bakterien in die Haut eindringen und eine Infektion hervorrufen.
 

Vorbeugung
Die beste Vorbeugung sind bequeme Schuhe und die richtige Nagelpflege. Mindestens einmal im Monat sollten die Zehennägel geschnitten werden, und zwar gerade und nicht zu kurz - der Nagel sollte die Zehenkuppe gerade noch bedecken.
 

Früherkennung
Sobald Schmerzen auftreten und sich um den Nagel gerötete Haut oder gar Eiter zeigt, ist ein Arztbesuch angezeigt.
 

Beschwerden

 
Ist ein Nagel eingewachsen, zeigt sich das zuerst an einer deutlichen Hautrötung an der betroffenen Stelle, die noch dazu auf Druck sehr stark schmerzt. Eine Infektion wird durch eine Schwellung und eine gelblich durch die Haut schimmernde Eiterung sichtbar.  

Diagnose

 
Die Diagnose stellt der Hautarzt anhand der deutlichen Symptome.
Besteht der Verdacht auf eine zusätzliche bakterielle Infektion oder eine Pilzinfektion, wird durch eine labormedizinische Untersuchung abgeklärt, um welchen Erreger es sich handelt.
 

Behandlung

 

Ist der Nagel erst ein wenig eingewachsen und kommt es zur Bildung von wildem Fleisch, hilft in vielen Fällen ein "Höllenstein" (Österreich: Lapisstift). Das ist ein bakterizid (bakterienabtötend) und ätzend wirkendes Stäbchen, das Silbernitrat enthält. Wenn es regelmäßig auf das wilde Fleisch aufgetragen wird, stirbt das Zuviel an Gewebe ab.
Das überschießende Gewebe kann auch mit flüssigem Stickstoff (Kryotherapie behandelt werden. Bei -195 Grad Celsius wird das Gewebe ebenfalls zerstört und fällt dann ab.
Reichen diese Behandlungsmethoden nicht aus, ist es sinnvoll, das wilde Fleisch oder einen Teil des Nagels chirurgisch zu entfernen.


Chirurgische Maßnahmen
Das wuchernde Granulationsgewebe kann entweder mit Hilfe des Skalpells oder mit der sogenannten Elektrokaustik entfernt werden. Dazu wird ein Gerät verwendet, an dessen Ende eine Nadel, einer Kugel oder eine Schlinge sitzt. Das unter Schwachstrom stehende Gerät erzeugt Hitze, die das Gewebe zerstört. Dieser Eingriff wird in lokaler Betäubung durchgeführt.
Ist eine größere Entzündung entstanden oder besteht die Gefahr, dass der Nagel immer wieder einwächst, so ist es sinnvoll, einen Teil davon zu entfernen und eventuell eine chirurgische Nagelbettverkleinerung vorzunehmen. Das bedeutet, dass nicht nur der Nagel selbst, sondern auch der Teil des Nagelbetts, aus der der Nagel nachwächst ("Matrix") entfernt wird. Dadurch wird der neu nachwachsende Nagel schmäler und die Gefahr, dass er wieder einwächst, geringer. Nagelentfernungen werden unter lokaler Betäubung durchgeführt.
 

Nach der Operation
Nach der Nagelentfernung wird um die betroffene Zehe ein Verband angelegt. Bereits am Tag nach der Operation ist es möglich, vorsichtig zu gehen. Nach ungefähr einer Woche ist das Nagelbett so weit verheilt, dass es nicht mehr ganz so empfindlich ist. Mit Sport sollte man allerdings mindestens drei Wochen pausieren.
Bis der Nagel völlig nachgewachsen ist, dauert es einige Monate.
 

Heilungschancen
Die Heilungschancen sind hoch. Dass nach einer chirurgischen Entfernung des Nagels bzw. einer Verkleinerung des Nagelbetts der Nagel an der selben Stelle wieder einwächst, ist äußerst selten.
 

Medikamentöse Behandlung
Hat sich durch die labormedizinische Untersuchung der Verdacht auf eine bakterielle Infektion bestätigt, ist eventuell das Auftragen eines Antibiotikums notwendig.
 
 
Letzte Aktualisierung:
13.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Elisabeth Tschachler
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Werner Aberer (Hautkrankheiten)
Univ. Prof. Dr. med. Leopold Schmetterer (Pharmakologie)
Univ. Prof. Dr. med. Erwin Tschachler (Hautkrankheiten)
Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.