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Kalte Hände – Ursachen: Niedriger Blutdruck, Gefäßverengungen, Durchblutungsstörungen

Blutniederdruck kann häufig kalte Hände verursachen. Schäden und Entzündungen an den Gefäßen sind Hauptgründe für krankhaft schlecht durchblutete, frierende Finger


Blutdruckmessen: Junge Frauen haben öfter mit einem zu niedrigen Blutdruck zu tun

Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Häufig müde, schwindlig, dazu oft kalte Hände und Füße

Junge, schmal gebaute Frauen leiden häufiger unter einem zu niedrigen Blutdruck. Aber auch Männer können vor allem in der Wachstumsphase damit zu tun haben. Eine familiäre Veranlagung spielt dabei manchmal eine Rolle. Für die primäre Hypotonie, auch essenzielle Hypotonie genannt, gibt es keine eindeutige Ursache. Diese Form des Blutniederdrucks ist meist nicht krankhaft.

Blutdruckwerte unter 100 zu 60 mm Hg können aber auch infolge von Nervenstörungen oder Herzerkrankungen auftreten. Zu weiteren Auslösern einer solchen sekundären Hypotonie gehören Stoffwechselprobleme, etwa Diabetes, Hormonstörungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion (siehe unten) oder eine eingeschränkte Lungentätigkeit. Verantwortlich für niedrigen Blutdruck sind nicht selten auch Medikamente. Hier kommen einige Bluthochdruckmittel und wasserausschwemmende Medikamente (Diuretika) infrage, aber auch Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und andere Herzprobleme sowie Psychopharmaka.


Symptome: Wer einen zu niedrigen Blutdruck hat, fühlt sich oft müde und nicht mehr so leistungsfähig, kann sich schlechter konzentrieren, braucht morgens länger, um richtig zu starten. Bei längerem Stehen wird den Betroffenen häufig schwindlig. Auch kalte Hände und kalte Füße gehören ebenso wie Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Schlafprobleme zu den oft recht unangenehmen Beschwerden.

– Orthostatische Hypotonie

Fällt der Blutdruck ab, wenn der Betroffene aufsteht, hauptsächlich aus dem Liegen, sprechen Mediziner von einer orthostatischen Hypotonie. Nach dem Aufstehen versackt das Blut in den Beinvenen. Die Kreislaufregulation, die es ermöglicht, dass das Blut normalerweise auch bei aufrechter Körperhaltung von unten wieder nach oben zum Herzen und zum Gehirn gelangt, ist hier gestört. Das Gehirn ist kurzfristig schlechter durchblutet. Außerdem haben die Blutdruckschwankungen Folgen für die Blutversorgung in den Händen.

Das Lebensalter spielt hier eine Rolle. Menschen, die älter als 65 Jahre sind, haben häufiger damit zu kämpfen. Eine sekundäre Hypotonie und deren Auslöser können ebenfalls mit einer orthostatischen Hypotonie verbunden sein. Weitere mögliche Ursachen sind Venenleiden, Medikamentennebenwirkungen oder Störungen bestimmter Reaktionsmuster der Nerven.

Symptome einer orthostatischen Hypotonie: Morgens beim Aufstehen, beim Wechsel vom Liegen zum Sitzen oder Stehen sinkt der Blutdruck plötzlich. Es kommt zu Schwindel, Schwarzwerden vor Augen, Augenflimmern, Blässe, Schweißausbrüchen, Herzklopfen oder gar kurzen Ohnmachten (Synkopen), Kopfschmerzen. Auch kalte Hände und Füße gehören zu den Beschwerden.

– Aortenbogen-Syndrom

Kalte Hände und Schwindelgefühle sind zudem typisch für ein sogenanntes Aortenbogen-Syndrom. Die Aorta, die Hauptschlagader, bildet oberhalb des Herzens einen Bogen, von dem aus mehrere große Arterien abzweigen: Arterien, die Arme und Gehirn versorgen. Kommt es in diesen zu Engstellen, führt das dazu, dass der Blutdruck in Armen und Gehirn absinkt, im übrigen Körper aber normal bleibt. Es können auch an beiden Armen unterschiedliche Werte auftreten.

Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie von Blutniederdruck und orthostatischer Hypotonie erfahren Sie im Ratgeber "Niedriger Blutdruck (Hypotonie)".

Gefäßverengungen, die zu kalten Händen führen

Um Hände und Finger ausreichend zu versorgen, muss das Blut zum einem mit einem angemessenen Druck, zum anderen ungehindert durch die Schlagadern, die Arterien, fließen können. Entzündungen oder Ablagerungen schädigen und verengen die Blutgefäße. Dazu führt häufig eine fortschreitende Arteriosklerose. Sie ist allerdings nur selten die Ursache, wenn es um Durchblutungsstörungen an den Händen geht. Entzündliche Vorgänge wirken sich hier wesentlich stärker aus (siehe nachfolgend).

– Thrombangiitis obliterans (entzündliche Gefäßerkrankung)

Verschlüsse vor allem in den kleinen und mittleren Arterien im Hand- und Fußbereich charakterisieren diese entzündliche Gefäßerkrankung. Typische Folge ist oft ein Raynaud-Syndrom mit anfallsartigen Gefäßkrämpfen (siehe Kapitel "Ursachen: Raynaud-Syndrom"). Auch Venen können betroffen sein. Die Entzündungen entstehen an der Gefäßinnenhaut und rufen Blutgerinnsel (Thrombosen) hervor.

In erster Linie erkranken daran sehr starke Raucher in jüngeren Jahren, vor dem 40sten Lebensjahr, Männer häufiger als Frauen. Die Betroffenen weisen oft keine anderen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen auf, wie etwa erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes. Nikotinabhängigkeit ist der Hauptauslöser. Darüber hinaus können eine familiäre Veranlagung sowie Autoimmunreaktionen an der Krankheitsentstehung beteiligt sein.

Symptome: Schubweise auftretende Beschwerden, vor allem kalte, blau verfärbte Finger, auch Zehen, Schmerzen an den Händen sowie an den Füßen – dadurch hinken die Erkrankten manchmal. Es kommt zu Venenentzündungen im Hand- und Fußbereich mit roten Flecken, die später auch andere Körperteile erfassen. An den Fingerkuppen bilden sich Geschwüre, Gewebe stirbt ab.

Diagnose: Wichtigster Hinweis für den Arzt ist die bestehende Nikotinsucht. Die typischen Symptome geben weiteren Aufschluss, ebenso Farbduplex-Ultraschalluntersuchungen und eine Magnetresonanzangiografie der Arterien von Händen und Füßen, die entsprechende Gefäßverschlüsse und Umgehungsgefäße aufweisen. Bluttests können angezeigt sein, um eine rheumatische Erkrankung nicht zu übersehen. Der Gefäßspezialist wird zudem andere Gefäßerkrankungen ausschließen.

Therapie: Die Behandlung besteht in erste Linie in einem vollständigen Rauchstopp. Unterstützend wirken dabei gezielte und überwachte Entwöhnungstherapien, da die starke Abhängigkeit der Erkrankten den notwendigen Nikotinverzicht oft erschwert. Zu viele werden wieder rückfällig, und die Krankheit schreitet damit erneut fort. Schon allein das Rauchen aufzugeben kann die Erkrankung sehr günstig beeinflussen.

Die Ärzte setzen begleitend Medikamente gegen die Ausbreitung der Entzündung und die Schmerzen ein. Sie verschreiben häufig Acetylsalicylsäure und Prostaglandin-Präparate. Das sind bestimmte Abkömmlinge von körpereigenen, hormonähnlichen Substanzen. Zudem geht es darum, die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern. Schon abgestorbene Endglieder wie Finger oder Zehen müssen meist amputiert werden.

– Thoracic-outlet-Syndrom

Bei diesem Krankheitsbild geraten Gefäße und Nerven im oberen Brustkorb (Thorax) in Bedrängnis. Sie verlaufen in der anatomisch vorgebenen, durch den individuellen Körperbau mitunter verstärkten Engstelle. Haltungsschäden oder ausgeprägte Muskeln, etwa durch Bodybuilding, können den schmalen Raum zusätzlich verknappen. Arterien und Venen werden dann oft regelrecht zusammengepresst, Nerven gereizt. Das kann ebenso durch Veränderungen am Skelett, an Bändern und Sehnen oder an der Halswirbelsäule, zum Beispiel eine Halsrippe, geschehen. Es entstehen dann nicht selten Thrombosen, die mitunter auch zu akuten Gefäßverschlüssen (Embolien) im Arm sowie in Hand und Fingern führen.

Betroffen sind vor allem schlanke Frauen in jüngeren und mittleren Jahren, aber auch Männer. Die Beschwerden gestalten sich unterschiedlich, je nachdem welche Nerven oder Gefäße am meisten eingeengt sind, und in welcher Form.

Symptome: Schmerzen, die sich vom hinteren Schulterbereich innen am Arm entlang bis zur Hand und dort in Ringfinger und kleinen Finger ausbreiten. Kalte, blasse Hände sind typisch, wenn Arterien unter Druck stehen. Beschwerden bereitet es oft, den betroffenen Arm zu heben, vor allem über den Kopf, nach rückwärts zu bewegen und den Kopf zu drehen. Dazu kommen Kribbeln und Taubheitsgefühle im Arm, häufig abends im Bett, nächtliches Schwitzen, später Schwächegefühl im Arm, eingeschränkt bewegliche Finger. Mitunter treten auch Hautschäden an den Fingern auf.

Diagnose und Therapie: Die Beschwerden, eine eingehende Beurteilung der Gefäße des betroffenen Körperbereichs und Bewegungstests geben dem Arzt erste Hinweise. Aufschlussreich sind Farbduplex-Ultraschalluntersuchungen, Messungen bestimmter Nervenaktivitäten, Computer- oder Magnetresonanzangiografien sowie gegebenenfalls Untersuchungen der Fingerarterien.

Die Therapie richtet sich wiederum nach der jeweiligen Ursache und dem individuellen Krankheitsbild. Krankengymnastik sowie durchblutungsfördernde und schmerzstillende, bei Thrombosegefahr auch blutverdünnende Medikamente können hilfreich sein. Mitunter sind operative Eingriffe angezeigt.

– Tumore, Verletzungen

Gut- wie bösartige Geschwulste können von außen auf Gefäße drücken und den Blutstrom in die äußeren Gliedmaße behindern. Auch Fehlbildungen an den zuständigen Gefäßen oder Verletzungen sind mitunter für Engstellen und damit für Kältegefühl in den Händen verantwortlich.

Herzschwäche und andere innere Erkrankungen als Ursachen für kalte Hände

Verengte Gefäße und Durchblutungsstörungen an den Händen können zudem die Folge innerer Erkrankungen wie einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), einer Blutarmut oder Schilddrüsenunterfunktion sein. Bei diesen Erkrankungen stehen aber die jeweils charakteristischen Symptome im Vordergrund.

– Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Ist der Herzmuskel geschwächt, kann er nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf pumpen. Dadurch treten, je nachdem auf welcher Herzseite die Insuffizienz besteht, vielfältige Beschwerden auf.

Symptome sind zum Beispiel Atemnot bei körperlicher Anstrengung und später auch in Ruhe, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Husten, häufiges nächtliches Wasserlassen, Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen, Herzrasen. Die Finger können sich blau verfärben (Zyanose), ebenso die Lippen. Die Hände sind mitunter kalt und feucht.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz)".

– Blutarmut

Im Blut sind die roten Blutkörperchen mit ihrem Farbstoff Hämoglobin für den Sauerstofftransport zuständig. Gibt es im Blut zu wenig davon, gelangt weniger Sauerstoff von den Lungen in alle Körperteile, so auch in die Hände. Ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann für eine solche Blutarmut verantwortlich sein. Auch starke Blutungen, Blutverlust aus unterschiedlichen Gründen, Blutkrebs oder bestimmte Medikamente können dazu führen.

Symptome: Die Betroffenen fühlen sich vor allem müde und oft schwindelig. Sie sind blass, leiden unter Atemnot und Kopfschmerzen. Kältegefühl in Händen und Füßen kann dazukommen.

Ausführliche Informationen zu Formen, Ursachen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Blutarmut".

Andere Bluterkrankungen, bei denen zum Beispiel die Blutzellen zunehmen oder die Blutgerinnung gestört ist, beeinflussen ebenfalls die Zusammensetzung des Blutes sowie seine Fließeigenschaften. Kalte Hände gehören dann zu möglichen Symptomen.

– Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenhormone haben einen bedeutenden Einfluss auf zahlreiche Abläufe im Körper, so auch auf das Herz-Kreislauf-System, auf Nerven- und Muskelfunktionen, auf den Energieumsatz. Davon betroffen sind dann auch die Durchblutung von Händen und Füßen und das Kälte- oder Wärmeempfinden. Bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone, steigt das Risiko für Arteriosklerose und Gefäßschäden.

Symptome: Die Betroffenen haben oft einen zu niedrigen Blutdruck und frieren zudem leichter. All das kann neben vielen anderen Symptomen auch zu kalten Händen führen.

Ausführlich informiert der Ratgeber "Schilddrüsenunterfunktionen (Hypothyreose)".




Bildnachweis: Banana Stock/ RYF
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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 23.09.2014, erstellt am 30.03.2011
Bildnachweis: Banana Stock/ RYF

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