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Der männliche Bart – jetzt wieder "in"

Akkurat gestutzt, Milchbart oder Wildwuchs – was will Mann uns damit sagen? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt


Ein schöner Bart kann die Männlichkeit unterstreichen

Fernsehstar Tom Selleck – vor allem bekannt als Privatermittler "Magnum" – rasierte sich in den 80er-Jahren durch seinen markanten Schurrbart für immer in die Herzen seiner weiblichen Fans. Auf diesen Testosterontrick scheinen sich im Jahr 2010 immer mehr Männer zu besinnen. Je nach Gusto beschert das uns Frauen strahlende Augen und rotgekratzte Wangen ... oder veranlasst die Antifraktion zu heimlichen Rasiermesserattacken.

Der männliche Bartwuchs setzt im Normalfall zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr ein. Auslöser ist – wie bei allen sekundären Geschlechtsmerkmalen des starken Geschlechts – das Hormon Testosteron. Paradoxerweise veranlasst dieses übrigens auch gleichzeitig die genetisch bedingte Glatzenbildung.


Jahrzehnte lang trug Mann die Wangen glatt. Das war die Phase nach den zippeligen Fisselbärten der 68er, die als Zeichen von Freiheit, Unangepasstheit und der Absetzung von bürgerlicher Spießigkeit herhalten mussten. Die Grundidee hinter diesen Seegrasmatrazen besteht übrigens nicht nur in der Nachahmung des Ur-Bartes Karl Marx. Auch das Verbot jeglicher Gesichtsbehaarung im Zentrum der staatlichen Gewalt, des Militärs, ließ die Linken die Rasiermesser vergessen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist das Tragen eines Bartes in westlichen Armeen untersagt. Die Haare stören das saubere Abschließen der Gasmaske mit dem Gesicht.

Aber warum wuchern unsere Männer plötzlich zu? Ist die stoppelige Bewegung ein Anzeichen zunehmender Verwahrlosung? Da der Trend aus Hollywood kommt, eher schwer zu glauben. Vielmehr sehen die Gesichtshaarträger in den unterschiedlichen Barttrachten eine Möglichkeit, ihrem Umfeld ein bestimmtes Lebensgefühl zu vermitteln. Den Dreitagebart beispielsweise verstehen viele Menschen als ein Zeichen von Männlichkeit und Verwegenheit. Und eine Studie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigte, dass ein Vollbart Männer sympathischer, gebildeter und attraktiver wirken lässt.

Tutanchamun und seine ägyptischen Königs-Kollegen trugen blau eingefärbte Kinnbärte als Zeichen ihrer Macht. Dieses Privileg war ausschließlich Männern ihres Standes vorbehalten. Und auch in Deutschland war der Bart einst politisch. Kaisertreue trugen in wilhelminischer Manier den Bart mit nach oben gezwirbelten Enden. Um dieses Kunststück in Form zu halten, fixierte Mann ihn des Nachts mit einer Bartbinde. Dabei wurde er mit der vom kaiserlichen Hof-Friseur François Haby vertriebenen Barttinktur "Es ist erreicht" befeuchtet. Diese gab der Bartform dann auch ihren Namen.

Allerdings gibt es auch Männer, die weder einen Piratenfilz tragen können, noch einen Peace-Bart, wie ihn Fußballstar Kevin Kuranyi im Jahr 2003 vorführte. Denn ihnen fehlt es schlichtweg an Rohmaterial. Die ungewollt pieksfreie Zone kann Hormonmangel-Gründe haben oder auch genetisch bedingt sein. Ein Gespräch mit einem Arzt bringt Besorgten Klarheit.

Ob der stoppelige Schatten schon nachmittags wieder Kinn und Wangen überzieht, oder nur alle paar Tage ein Fläumchen sprießt, bleibt übrigens von der Häufigkeit des Einsatzes eines Schermessers völlig unbeeinflusst. Die Mähr, dass häufiges Rasieren den Bartwuchs fördere, ist ausschließlich auf den Umstand zurückzuführen, dass die Barthaare durch das Stutzen dicker wirken.

Ob nun haarig oder nicht, eine metrosexuelle Glattwange findet ganz sicher genausoviele Bewunderinnen wie ein weihnachtlicher Rauschebart. Nur die deutsche Popband "Die Ärzte" sind da etwas strenger. Sie sangen schon 1996: "Die glatte Haut dort im Gesicht – nein, darauf stehn die Frauen nicht! Keine Fraaage, dir fehlt der Drei-Taaage-Bart!"



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 11.03.2010, aktualisiert am 17.01.2011
Bildnachweis: Fotolia/beboy/2011

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