Coloration: Haare schonend färben

Lust auf einen anderen Look mit einer neuen Haarfarbe? So gelingt ein Farbwechsel, ohne den Haaren oder der Kopfhaut zu schaden
von Angelika Brodde, 10.05.2017

Neuer Look: Eine andere Haarfarbe ändert den ganzen Typ

plainpicture GmbH/--

Margit Schlenk bekennt Farbe. "Ich coloriere meine langen Haare gerne. Ich glaube, dass ich damit etwas für meine Lebensqualität tue." Die Apothekerin aus Nürnberg findet ihre gefärbten Haare einfach viel schöner und glänzender, fühlt sich mit ihnen wohler und selbstsicherer.

Sieben von zehn deutschen Frauen geht es ähnlich, und sie verändern den Farbton, den ihre Haare von Natur aus haben. Männer hinken da weit hinterher: Nur drei von 100 bekennen sich laut Industrieverband Körperpflege und Waschmittel zum Färben.

Färbemittel erfüllen meist hohe Standards

In ihrer Apotheke spricht Margit Schlenk vor ­allem dann über das Thema, wenn Kundinnen nach dem Färben um Rat fragen – weil sie allergische Reaktionen, Unverträglichkeiten oder eine Verschlechterung der Haarstruktur beobachten. So etwas kommt durchaus vor, jedoch deutlich seltener als noch vor etwa 15 Jahren. Schlenk: "Es gibt heute viele Haarfärbemittel mit pflanzlichen Stoffen und in hypoallergenen Zubereitungen. Dadurch sind die Risiken deutlich minimiert worden." Das gilt nicht nur für die Profi-Produkte vom Friseur. Auch handelsübliche Färbemittel halten hohe Standards ein.

Und dazu sind die Hersteller gesetzlich verpflichtet. Seit 2006 erlaubt die EU nur noch Zutaten, für die sogenannte Sicherheitsdossiers vorliegen. Ein unabhängiger Ausschuss für Verbrauchersicherheit prüft ständig, ob auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Auflagen verschärft werden müssen. Die letzte Neuregelung liegt vier Jahre zurück, damals wurde die zuläs­sige Konzentration dauerhafter Haarfarbstoffe ­reduziert.

Verträglich: Dunkle Töne kommen mit weniger Oxidationsmittel aus

Getty Images/Digital Vision

Augen auf bei den Inhaltsstoffen

Auch Professorin Ulrike Blume-Peytavi, leitende Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Berliner Charité, hält moderne Produkte für unbedenklich: "Was heute von großen Unternehmen an Haarfarben auf den Markt kommt, ist durch viele Verträglichkeitstests gegangen."

Komplett ohne Nebenwirkungen sind manche Färbemittel dennoch nicht. In einer Studie von 2015 reagierte etwa ein Prozent der Teilnehmer ­allergisch auf den häufig benutzten Farbstoff Paraphenylendiamin (PPD). Und Apothekerin Margit Schlenk kennt Kunden, die eine Farbe wegen enthaltener Konservierungsstoffe oder bestimmter Formaldehyd-Bestandteile nicht vertrugen.

Sieben Tipps für Einsteigerinnen

Sie greifen das erste Mal selbst zu Farbe und Pinsel? Wer diese Punkte beherzigt, kann sich auf ein glänzendes Ergebnis freuen:

1. Kleine Sprünge
Für einen Wechsel von Braun zu Platinblond einen Profi ranlassen. An sanfte Änderungen, etwa von Braun zu Hellbraun, kann man sich daheim wagen.

2. Färben oder tönen?
Farben und Intensivtönungen müssen heraus­wachsen, Tönungen waschen sich aus. Geht etwas daneben, ist die Farbe schneller wieder ab.

3. Keine Experimente
Halten Sie sich genau an die Gebrauchsanweisung – vor allem, was die Einwirkzeit betrifft. 

4. Die Haut schützen
Tragen Sie Handschuhe (sind in der Packung enthalten). Auf Ohren und Haaransatz eine fette Creme auftragen.

5. Optimale Konsistenz

Färbelotionen sind oft sehr flüssig und schwierig zu verteilen. ­­Anfängerinnen tun sich viel leichter mit einer Creme oder Mousse.

6. Auf Vorrat

Für sehr langes Haar lieber zwei Packungen kaufen.

7. Verwöhnen nicht vergessen

Benutzen Sie in jedem Fall das in der Packung enthaltene Kurprodukt – gegen Haarschäden durch das Färben.


Hautreaktionen durch Nickel und Mangan

Vorsicht ist vor allem geboten, wenn man sich im Urlaub die Haare färben lässt oder Mittel zum selbst färben kauft. In den Produkten kann ­etwa Nickel stecken – ein Stoff, der oft Kontaktallergien auslöst. Und Nickel ist nicht das einzige Schwermetall, das im Verdacht steht, Proble­me zu verur­­sachen. Schlenk: "Auch Mangan-Bestandteile in Billigprodukten können Reaktionen provozieren."

Kommt es nach dem Friseurbesuch oder dem Do-it-yourself-Färben zu Juckreiz oder Rötungen, denken die meisten Menschen sofort an eine ­­Allergie. Dabei könnte es sich auch lediglich um eine Unverträglichkeitsreaktion handeln. "Die Kunden erkennen verständlicherweise den Unterschied nicht selbst", sagt Margit Schlenk. Typische Anzeichen für eine Unverträglichkeit seien durchgehende Rötungen in dem Bereich, der mit der Farbe in Berührung gekommen ist. Bei Allergien juckt es an einzelnen Körperpartien – und das vielleicht auch an Hautstellen, auf die das Produkt gar nicht aufgetragen wurde, zum Beispiel am Unterarm.

Ein Fall für den Hautarzt

Berichten Kunden von solchen Phänomenen, empfiehlt ihnen Apothekerin Schlenk ausnahmslos, einen Dermatologen aufzusuchen: "Bei einer Allergie muss man den Kontakt mit ähnlichen Stoffen unbedingt ­vermeiden, weil die Reaktion beim nächsten Mal stärker ausfallen kann."

Die häufigsten Nebenwirkungen eines neuen "Anstrichs" sind aber trockene Haare – eine Frisur wie Stroh – oder gespaltene Spitzen. Das passiert etwa, wenn man die angemischte Substanz zu lange einwirken lässt. "Dann kommt es zu Schäden bis hin zu Haarbruch sowie Irritationen, die sich meist in einer sehr trockenen und schuppenden Kopfhaut äußern", erläutert Schlenk. Betroffenen empfiehlt sie milde, rückfettende, möglichst konservierungsmittelfreie und den Juckreiz mildernde Shampoos. Die Haare selbst lassen sich mit Spülungen oder Kuren gut behandeln. Schlenk: "Moderne Produkte schaffen es, eine aufgeraute Oberfläche wieder zu glätten und das Haar glänzen zu lassen."

Übrigens: Da künst­liche Pigmente durch Licht schneller zerstört werden als natürliche, sind Pflegeprodukte mit UV-Filter ratsam. Sie bewahren die neue Farbe vor dem Verblassen. Da kann die Sonne demnächst also ruhig wieder länger scheinen.

Farbechte Frisur
Ihre gefärbten Haare haben einen ganz anderen Ton, als die Produkt­packung zeigt? Mit diesen Tipps bleibt die Enttäuschung aus:

Warum fällt das Ergebnis des Färbens bei jedem anders aus?
"Weil zum Beispiel bereits gefärbte, blondierte oder dauergewellte Haare auf Farbe anders reagieren als Naturhaar", erklärt Dr. Astrid Kleen. Die Chemikerin, die Färbe­mittel entwickelt, rät: Lesen Sie genau, was auf der Rückseite der Verpackung und in der Gebrauchs­anweisung steht.

Woher weiß ich dann, wie meine Haare nach der Anwendung ­aussehen werden?

Das Foto vorne auf der Verpackung gibt lediglich ­einen Anhaltspunkt. Entscheidend ist die Tabelle auf der Rückseite. Sie zeigt, bei welcher Naturfarbe welcher Ton erzielt wird. "Am besten vergleicht man die Angaben in dieser ­Tabelle bei Tageslicht mit dem ­eigenen Haar", so Expertin Kleen.

Wieso ist es schwieriger, Haare aufzuhellen, als sie dunkler zu färben?

Freiwillig gibt das Haar ­einen dunklen Naturton nicht her. Es ist Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid nötig, um die natürlichen Pigmente für eine Blondierung zu ­zerstören und die neuen für die Wunschfarbe zu aktivieren.

Wie schädlich ist dieser Vorgang?

"Die Oxidationsmittel machen leider keinen Unterschied zwischen Pigmenten und den Keratinfasern, die dem Haar seine Form geben", sagt Kleen. Sie greifen also beides an.

Gibt es sanftere Alternativen?

Je weniger Oxidationsmittel ein Produkt enthält, desto weniger Gefahr fürs Haar. Zwischen den Farbtönen sind die Unterschiede diesbezüglich groß. Kleen: "Platinblond lässt sich ohne eine relativ hohe Dosis einfach nicht erreichen, während Dunkelbraun mit einem Bruchteil davon auskommt."

Was ist mit Naturfarben?

Sie stellen nicht immer eine geeignete Alternative dar. Denn sie können das Haar zwar dunkler machen – aber nicht aufhellen.



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