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Glaukom (grüner Star)

Beim grünen Star oder Glaukom ist der Sehnerv geschädigt. Unbehandelt kann das Auge erblinden. Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie


Glaukom-Früherkennung: Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) und Kontrolle des Sehnervs

Was ist ein Glaukom?

Glaukom oder grüner Star bezeichnet eine Gruppe verschiedener Augenerkrankungen, die meist lange Zeit unbemerkt bleiben, jedoch den Sehnerv schädigen und auf Dauer das Sehvermögen einschränken. Schlimmstenfalls erblindet das Auge. Rechtzeitige Behandlung kann die Sehkraft erhalten.

Ursachen und Arten von Glaukomen

Die mit Abstand häufigste Ursache eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Meistens handelt es sich um ein Glaukom bei offenem Kammerwinkel im Auge, daher auch als Offenwinkelglaukom bezeichnet. 


Prof. Dr. med. Klaus G. Riedel

UNSERE EXPERTEN: Professor Dr. Klaus G. Riedel, Facharzt für Augenheilkunde

Hauptrisikofaktoren des Offenwinkelglaukoms sind Glaukome bei Verwandten ersten Grades, ein Alter über sechzig Jahre und Fehlsichtigkeit wie höhergradige Kurzsichtigkeit.

Eine besondere Form ist das sogenannte Normal- oder Niederdruckglaukom. Hier sind Schäden am Sehnerv eingetreten, obwohl der Augeninnendruck im Normalbereich von 10 bis 20 mmHg liegt. Die betroffenen Augen reagieren empfindlicher auf den „Normaldruck“.

Glaukome, die spontan, ohne weitere bekannte Ursache auftreten, werden primäre Glaukome genannt.



Professor Dr. med. Wolfgang Heider, Facharzt für Augenheilkunde

Dazu gehören neben den häufigen Offenwinkel- auch die selteneren Engwinkelglaukome. Der Name verweist ebenfalls auf die Struktur im Auge, die maßgeblich die Zirkulation des sogenannten Kammerwassers beeinflusst: den eingangs schon genannten Kammerwinkel.

Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf. Ist der Abfluss des Kammerwassers durch Veränderungen im Kammerwinkel behindert, steigt der Augeninnendruck – langfristig kann sich ein Glaukom entwickeln. Allerdings ist der erhöhte Druck, wie bereits angedeutet, nicht die einzige Ursache. Auch eine verminderte Durchblutung des Sehnervs spielt eine Rolle.

Wird ein zu eng angelegter Kammerwinkel plötzlich blockiert, kommt es zum akuten Winkelblock („Glaukomanfall“) – eine Sonderform des Engwinkelglaukoms. Selten liegt ein chronisches Engwinkelglaukom mit Abflussstörung des Kammerwassers vor, ähnlich wie bei einem Offenwinkelglaukom.

Schließlich gibt es angeborene Glaukome. Hier behindert Gewebe, das noch aus der frühen Kindesentwicklung im Mutterleib stammt, den Abfluss im Kammerwinkel.


Tritt ein Glaukom infolge einer anderen Erkrankung oder Verletzung des Auges oder im Rahmen einer Allgemeinerkrankung auf, liegt ein sekundäres Glaukom vor.

Die häufigste Form aller sekundären Glaukome stellt das Kapselhäutchen- oder Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom) dar. Dabei lagern sich feinste Eiweißpartikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ab, so auch der Linse und dem Pupillenrand. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der faserigen Elemente des Bindegewebes. Da ein PEX-Glaukom rasch fortschreiten kann, kommt es ganz entscheidend auf die frühzeitige Diagnose und Behandlung an. Dann lässt sich das Krankheitsbild auch häufig zufriedenstellend in den Griff bekommen.

Bestimmte Arzneimittel können mitunter ebenfalls ein sekundäres Glaukom auslösen.

Mehr zu den verschiedenen Glaukomformen im Kapitel „Ursachen, Risikofaktoren“ in diesem Beitrag.


Welche Symptome treten bei einem Glaukom auf?

Ein Glaukom entsteht meist schleichend und bleibt lange Zeit symptomlos. Wenn sich die Schädigung des Sehnervs bemerkbar macht, ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten. Häufig kommt es zu einer Sehminderung, bei der das Gesichtsfeld bogenförmig von außen eingeengt ist. Anders gesagt: Innerhalb eines oder mehrerer Bereiche mit nomaler Lichtempfindlichkeit nimmt diese deutlich ab, Gegebenheiten werden nicht mehr wahrgenommen. Das kann zum Beispiel zu Orientierungsproblemen in der Umgebung oder im Straßenverkehr führen.

Schließlich sind aber auch Ausfälle zum zentralen Gesichtsfeld, zur Blickmitte hin, möglich. Von den etwa 10.000 pro Jahr in Deutschland erblindenden Menschen haben etwa 2000 ein Glaukom. Oft erkranken – zeitversetzt – beide Augen.

Engwinkelglaukome können akute Krankheitsbilder mit starken Schmerzen, Rötung und Sehstörungen des betroffenen Auges auslösen. Häufig kommt es auch zu ausgeprägten Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Wegen Erblindungsgefahr ist das immer eine Notlage, die umgehend in die Hand des Augenarztes gehört.

Früherkennung, Diagnose

Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen umfassen

  • Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie)
  • Die Beurteilung des Sehnervs (Funduskopie): Mittels Spiegelung des Augenhintergrunds durch die Pupille hindurch kann der Augenarzt den Sehnervenkopf beurteilen
  • Überprüfung des Gesichtsfeldes (nur bei mutmaßlichem Glaukom; dann schließen sich meist noch weitere Untersuchungen an; mehr dazu im Kapitel „Diagnose“)

Alle diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen nur bei Verdacht auf ein Glaukom bezahlt. Denn das Glaukom-Screening ist derzeit eine sogenannte IgeL-Leistung: eine individuelle Gesundheitsleistung, für die der Patient selbst aufkommen muss.

Therapie des Glaukoms

Es gibt gut wirksame Medikamente in Form von Augentropfen: Wenn sie regelmäßig und nach Verordnung angewendet werden, können sie den Augeninnendruck senken und die Glaukomentwicklung aufhalten.

Ein Eingriff mit dem Laser oder eine Augenoperation ist meist nur bei sehr ausgeprägten Krankheitsbildern erforderlich.

Ein Baby mit angeborenem Glaukom muss operiert werden (siehe ebenfalls Kapitel „Ursachen, Risikofaktoren“).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Heller, W&B/Privat, W&B/Achim Graf
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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 17.03.2014
Bildnachweis: W&B/Heller, W&B/Privat, W&B/Achim Graf

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