Im Wesentlichen lassen sich im Hinblick auf das Ursachenspektrum drei Gruppen von Linsentrübungen unterscheiden:
Zu den genannten Faktoren:
Erbliche Veranlagung bringt die häufigste Form des grauen Stars mit sich, also den Altersstar. In den Genen ist aber auch die Grundlage für den grauen Star bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen verankert. Zum Glück kommt diese Form des "jugendlichen" Stars nur selten vor. Zum angeborenen grauen Star siehe unten.
Medikamente wie Kortison, und zwar sowohl örtlich am Auge (Tropfenbehandlung) als auch innerlich über einen längeren Zeitraum angewandt, zum Beispiel bei einer rheumatischen Gelenkerkrankung, können einen grauen Star auslösen. Da das Medikament nicht ohne Grund vom Arzt eingesetzt wird, sind augenärztliche Kontrollen unter der Therapie selbstverständlich (vgl. Kapitel "Diagnose"). Wird die Behandlung beendet, kann sich die Trübung teilweise wieder zurückbilden.
Auch auf Strahlen, ob intensives UV-Licht (Risikogruppen sind zum Beispiel Segler und Bergsteiger), Infrarotlicht, radioaktive und Röntgen-Strahlen wie auch Hitzeeinwirkung reagieren die Augenlinsen sehr empfindlich und müssen jeweils durch geeignete Brillen geschützt werden. In tropischen Ländern kann die starke Sonneneinstrahlung dazu beitragen, dass viele Menschen schon relativ früh am grauen Star erkranken, etwa mit vierzig bis fünfzig Jahren.
Augenverletzungen wie Prellungen des Augapfels, offene Verletzungen mit oder ohne eingedrungene Fremdkörper oder auch Strom- und Blitzschläge können dem Auge über die eigentliche Verletzung hinaus auch durch die Entwicklung eines grauen Stars zusetzen.
Im Hinblick auf Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, sind zwei Aspekte erwähnenswert: Der sprichwörtliche Zuckerstar ist eher selten. Er betrifft hauptsächlich jüngere, an Diabetes Typ 1 erkrankte Menschen, denen es am zuckerregulierenden Hormon Insulin mangelt. Die bei den Betroffenen oft stark schwankenden Blutzuckerwerte können frühzeitig ihre Spuren an der Augenlinse hinterlassen. Bei den tendenziell übergewichtigen Typ-2-Diabetikern, die zunächst meist "nur" eine Unempfindlichkeit der zuckerverarbeitenden Gewebe für Insulin haben und erst später einen Insulinmangel, tritt der graue Star oft als "vorgezogener Altersstar" auf. Zum einen beschleunigt der Diabetes die Linsentrübungen, zum anderen ist es das Älterwerden selbst. Hinzu kommt, dass durch die zunehmende Tendenz zu Übergewicht auch immer mehr junge Menschen insulinunempfindlich werden und damit einen Diabetes Typ 2 entwickeln. Auch dieser Umstand dürfte sich über kurz oder lang an den Augen bemerkbar machen.
Dass manche Hauterkrankungen, so die Neurodermitis, auch mit Linsentrübungen einhergehen können, steht mit der Entwicklung des Menschen im Mutterleib (Embryonalentwicklung) in Zusammenhang. Das Linsengewebe stammt nämlich aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm), aus dem sich auch die Haut und Haare, das Nervensystem und die Sinneszellen entwickeln.
Beim angeborenen grauen Star, der zum Glück weniger als ein Prozent der Neugeborenen betrifft, muss man unterscheiden zwischen erblichen Faktoren und Schädigungen in der Schwangerschaft, etwa durch eine Masern- oder Rötelninfektion. Das Ausmaß der Linsentrübung und der Korrekturbedarf durch einen frühzeitigen Eingriff können jeweils ganz unterschiedlich sein. Einerseits sind oft noch weitere Fehlbildungen vorhanden, die auf jeden Fall operiert werden müssen. Andererseits können die Trübungen so geringfügig sein, dass sich das Baby meistens normal entwickelt.
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29.08.2005, aktualisiert am 02.12.2010
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