Routine und meistens ambulant
Das operative Vorgehen lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Die trübe Linse wird durch eine Kunstlinse (Intraokularlinse = IOL, meist aus Acryl oder Silikon) ersetzt. Dafür genügt eine örtliche Betäubung. Die Behandlung wird heute vielfach ambulant durchgeführt, vorausgesetzt, der/die Betroffene ist gesundheitlich stabil, nicht auf sich alleine gestellt, und es ist eine engmaschige augenärztliche Betreuung nach dem Eingriff gewährleistet.
Wenn ausschließlich ein grauer Star zur Debatte steht, entscheidet in erster Linie der Patient in Absprache mit seinem Augenarzt über den passenden Zeitpunkt der Operation. Ausschlaggebend ist, wie stark die Trübungen den Alltag beeinflussen. Der Außendienstmitarbeiter, der beruflich auf das Auto angewiesen ist, die Großmutter, die täglich etliche Kilometer zu den Enkeln, die sie betreut, zurücklegen muss, jemand, der viel am Computer schreibt, täglich meterhohe Aktenberge abarbeitet oder Präzisionsarbeit leistet – sie alle werden sich sicherlich früher operieren lassen als Menschen, die ihren Alltag frei bestimmen und den Blick mehr aufs Ganze als aufs Detail richten können.
Ein "Hauch von Schleier" ist eigentlich noch kein Anlass, um sich operieren zu lassen. Ebenso ist aber auch hohes Alter kein Grund, sich nicht (mehr) operieren zu lassen. Ärzte haben mit diesem häufigsten Eingriff in Deutschland – jährlich rund 600 000-mal – enorme Erfahrung. Er ist ein Leben lang möglich. Bei 90 bis 95 Prozent der Betroffenen bessert sich das Sehvermögen nach dem Eingriff deutlich, insbesondere dann, wenn das Auge nicht anderweitig erkrankt ist.
Staroperation, 3. Schritt: Einlegen der künstlichen Linse in den Kapselsack. Die Linse ist bereits entfaltet und verankert
Operiert wird zunächst ein Auge, vorzugsweise das stärker betroffene; das zweite folgt nach Plan (siehe unten). Vor dem Eingriff wird das Auge mit Tropfen oder einer Spritze örtlich betäubt. Der operative Zugang zur Augenlinse ist meist nicht größer als zwei bis drei Millimeter. Der Schnitt – beispielsweise an der Grenze zwischen Leder- und Hornhaut – muss normalerweise nicht einmal vernäht werden. Der Arzt verflüssigt durch den Schlitz hindurch Kern und Rinde der Linse mit Ultraschall (Phakoemulsifikation) und saugt das Material ab. Die seitliche und hintere Linsenkapsel wird belassen und die Kunstlinse anschließend in den Kapselsack eingepflanzt. Die neue Linse – das ist in der Regel ein weiches, gefaltetes oder zusammengerolltes keines Teil, das erst im Auge aufgeklappt oder entrollt und dann mit feinen Haltbügeln im verbliebenen Kapseloval verankert wird. Seltener legt der Operateur den Schnitt etwas größer an, um eine nicht faltbare Linse unterzubringen. Im Ausnahmefall kann die Kunstlinse auch hinter der Pupille eingepflanzt und festgenäht oder vor der Pupille platziert werden, zum Beispiel nach früherer Staroperation, wenn kein Kapselbett mehr vorhanden ist (Hinter- oder Vorderkammerlinse).
Nachbehandlung
Das operierte Auge wird bis zum nächsten Morgen mit einem Salbenverband abgedeckt. Schon kurze Zeit nach dem Eingriff darf der Betroffene sich nach Hause begeben, selbstverständlich nicht selbst am Steuer! Falls der Patient stationär in einer Klinik behandelt wird, so kann er meist am zweiten oder dritten Tag wieder die Klinik verlassen. Drei bis vier Wochen lang sind antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen anzuwenden – streng nach Vorschrift. Der Augenarzt kontrolliert das Auge regelmäßig in kurzen Abständen; nach Gabe entzündungshemmender, kortisonhaltiger Augentropfen auch den Augeninnendruck. Die Heilung dauert ungefähr sechs bis acht Wochen. Schon am Tag nach der OP ist die Sicht klarer. Allerdings gilt: Je älter der Patient, desto länger die Stabilisierungsphase, und umso mehr Abstriche sind beim Endergebnis zu machen.
Wann wird das zweite Auge operiert?
Bei normaler Heilungstendenz – insgesamt dauert die Heilung sechs bis acht Wochen – kann das zweite Auge bereits einige Tage später in Angriff genommen werden. Oft wird aber ein Monat gewartet. Falls nach der Staroperation Brillengläser angepasst werden müssen, wird der Augenarzt das erst dann tun, wenn sich das Sehen stabilisiert hat und beide Augen gut zusammenarbeiten (nach dem zweiten Auge sind nochmals sechs bis acht Wochen zu veranschlagen).
Kleines Kunstlinsen-ABC
Die Entscheidung, welche Art von Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL) am besten geeignet ist, trifft der Augenarzt nach gründlichen Voruntersuchungen. Insbesondere wird dabei das Auge vermessen und der Brechwert für die neue Linse ermittelt. Die kann so ausgewählt werden, dass der Betroffene nach dem Eingriff in der Nähe, auf mittlere Distanz, in der Ferne oder fast überall scharf sieht – das bewerkstelligen dann Monofokal- oder Multifokallinsen (Ein- oder Mehrstärkenlinsen).
Bei Monofokallinsen muss die jeweils fehlende Akkomodationsleistung durch eine Brille ausgeglichen werden. Denn die Kunstlinse ist leider nicht in der Lage, das Auge auf die Nähe oder Ferne scharf einzustellen. Bei Multifokallinsen, die teurer sind, aber keineswegs immer infrage kommen, wird man weitgehend unabhängig von der Brille. Die Entwicklungen sind schier unbegrenzt, sodass es inzwischen eine Vielzahl von Modellen gibt, die jeweils ihre Vorteile haben, etwa den Ausgleich von Hornhautverkrümmungen (torische Linsen) oder spezielle Blaulichtfilter (Blaulicht wird neuerdings eine Mitschuld an der Entstehung der heimtückischen Makuladegeneration gegeben). Einen UV-Filter enthalten alle IOL heute standardmäßig. Allerdings gibt es auch Nachteile bei manchen Modellen von Multifokallinsen, etwa Wahrnehmen von Doppelkonturen oder Lichtringen. Es gibt auch die Möglichkeit, beide Augen mit unterschiedlichen Linsentypen zu versorgen: Je nach Ausgangslage rechts zum Beispiel für bessere Mittel- und Fernsicht, links für die Nahsicht (Monovision). Nachteil dieser Methode ist das dabei eingeschränkte beidäugige Sehen (Stereovision).
Unklare Kassenlage
Wegen meist nicht gesicherter Kostenübernahme durch die Krankenkasse von von Sonderlinsen, die über dem Standard liegen, können in solchen Fällen leicht die Kosten für den gesamten Eingriff auf den Patienten zurückfallen. Daher unbedingt vorher die finanziellen Voraussetzungen mit dem Arzt und der Kasse abklären!
Kann eine eingepflanzte Kunstlinse auch wieder ausgetauscht werden?
Kunstlinsen halten normalerweise ein Leben lang. In seltenen Fällen ist ein Austausch sinnvoll oder notwendig, wenn das Ergebnis nicht befriedigend ist und zum Beispiel auf eine nicht optimale Linsenstärke oder ein nicht verträgliches Linsenmodell zurückzuführen ist.
Was kann schiefgehen?
Die Staroperation ist einer der sichersten Eingriffe überhaupt. Dennoch sind Komplikationen nicht ausgeschlossen. Aber sie sind selten. Infektionen des Auges beispielsweise kommen heute nur noch vereinzelt vor und können mit Medikamenten aufgefangen werden. Es sind Blutungen möglich, die Linsenkapsel kann einreißen, der Glaskörper vorfallen und die Netzhaut quasi mitziehen, sodass sie sich ablöst. Das Risiko einer Netzhautschwellung und
-ablösung ist nach dem Eingriff heute erfreulicherweise eher gering. Auch die Hornhaut kann früher oder später einen Schaden davontragen, was bedeutet, dass sie sich eintrübt.
Wenn eine Begleiterkrankung am Auge vorliegt, zum Beispiel ein Glaukom (grüner Star), oder wenn ein solches schon einmal operiert wurde, ist das Komplikationsrisiko von vornherein größer. Ein Glaukom kann sich aber auch geringfügig für einige Zeit bessern, wenn ein erhöhter Augeninnendruck nach dem Eingriff etwas sinkt.
Nicht immer vermeidbar: Der Nachstar
Wenn sich die im Auge verbliebene hintere Kapsel eintrübt, kann es nach Monaten oder Jahren wieder zu einer allmählichen Sehverschlechterung kommen. Es hat sich dann ein Nachstar gebildet. In der Regel lässt sich dies mit einem kleinen Lasereingriff (Neodym : YAG-Laser) beseitigen. Dabei wird die Kapsel zentral zielgenau eröffnet, sodass das einfallende Licht wieder durchtreten kann.
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29.08.2005, aktualisiert am 02.12.2010
Bildnachweis: W&B/Szczesny, W&B/ Neisel, PhotoDisc/ RYF
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