Herpes genitalis

Zusammenfassung:
Herpes genitalis ist eine unangenehme sexuell übertragbare Krankheit, die von extrem häufig vorkommenden Viren verursacht wird: In Europa sind ca. 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung infiziert - allerdings müssen nicht bei jedem Infizierten Beschwerden auftreten. Zwar gibt es eine vollständige Heilung noch nicht, da das Virus nicht aus dem Körper eliminiert werden kann, eine Linderung der Symptome ist aber durch frühzeitig einsetzende medikamentöse Behandlung möglich. Die einzig wirksame Vorbeugung gegen eine Ansteckung mit dem Virus ist die Verwendung von Kondomen.
Statistisch gesehen ist jeder fünfte erwachsene Mitteleuropäer immer wieder von Herpes-Beschwerden im Geschlechtsbereich betroffen, Männer und Frauen gleich oft, wobei die Häufigkeit allerdings von der sexuellen Aktivität und den Sexualpraktiken abhängt: So leiden an die 50 Prozent der Homosexuellen und 70 bis 80 Prozent der Prostituierten immer wieder an Herpes genitalis.  

Ursachen

 
Verursacher sind Viren der großen Gruppe der Herpes-Viren: in den meisten Fällen Herpes simplex Typ 2, in zunehmendem Maße allerdings auch Herpes simplex vom Typ 1 (das für gewöhnlich Fieberblasen verursacht). So werden derzeit in den USA bereits 30 Prozent der Fälle von Herpes genitalis von Herpes simplex Typ 1 hervorgerufen.
Da das Virus empfindlich auf Austrocknung reagiert, kann es nur direkt - durch (Schleim-)Hautkontakt während des Geschlechtsverkehrs oder während der Geburt - weitergegeben werden. Oft erfolgt die Übertragung zu einer Zeit, zu der der bereits Infizierte keine erkennbaren Beschwerden hat (die Ärzte sprechen dann von "asymptomatischem Virus-Shedding"). Von der Infektion bis zum Auftreten der Symptome ("Inkubationszeit") kann es zwei bis 20 Tage dauern. Ist man mit dem Virus einmal angesteckt, wird man es ein Leben lang nicht mehr los; allerdings verursacht es nicht unbedingt Beschwerden.
Bei ca. 30 bis 50 Prozent der Infizierten wird das Herpes-Virus von Zeit zu Zeit jedoch aktiv und damit krankmachend ("Rezidiv"): bei Hormonschwankungen (bei Frauen während oder knapp vor der Menstruation), bei Infektionserkrankungen (auch bei einer neuerlichen Infektion mit Herpes-simplex), aber auch wenn die körpereigene Immunabwehr gestört ist, kann das Virus wieder aktiv werden.
Begünstigende Krankheiten
Menschen mit chronischen Erkrankungen wie HIV-Infektion, Krebskranke oder Menschen, die eine Organtransplantation hinter sich haben, sind besonders gefährdet für ein Wiederaufflammen der Infektion und für mögliche - schwerwiegende - Folgeerkrankungen.
 
Mögliche Folgeerkrankungen
Ein bis zwei Wochen nach den Symptomen eines Herpes genitalis kann es zu roten Flecken und Blasen auf der Haut des gesamten Körpers kommen, was als "Erythema multiforme" bezeichnet wird.
Gefährlich wird die Infektion mit Herpes simplex Typ 2 bei Neugeborenen und in manchen Fällen bei Erwachsenen: Wenn sich das Virus langsam weiter im Körper ausbreitet, kann das neben den typischen Symptomen zu schweren Infektionen des Gehirns (Gehirnentzündung) oder innerer Organe wie der Leber (Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C) oder der Lunge (Lungenentzündung) führen, die oft mit Fieber und Schmerzen verbunden sind und bei Neugeborenen oder Menschen mit Immunschwäche sogar lebensbedrohlich werden können.
Vorbeugung

Eine Impfung gegen Herpes simplex vom Typ 2 gibt es noch nicht.
Der Infektion kann aber durch die Verwendung von Kondomen vorgebeugt werden.
 

Beschwerden

 
An den Geschlechtsorganen - bei Frauen an den Schamlippen, bei Männern am Penis und am Hodensack -, am Gesäß und an der Innenseite der Oberschenkel zeigen sich entzündliche, juckende Bläschen, die in Gruppen zusammenstehen. Schon ein paar Tage vorher brennt und juckt die Haut an diesen Stellen. Nach einigen Tagen reißen die Blasen auf, manchmal bilden sie Geschwüre und nässen, ehe sie schließlich verkrusten. Innerhalb von zwei bis vier Wochen heilen die Bläschen ab und hinterlassen meist keine Narben. Oft leiden die Betroffenen auch unter Problemen beim Harnlassen, und die Lymphknoten an der Leistenbeuge sind meist geschwollen.
Die Erstinfektion geht häufig mit Fieber, Kopfschmerzen, einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Schmerzen in der Beckengegend einher. Mitunter werden die Symptome so schlimm, dass eine Aufnahme ins Krankenhaus angezeigt ist.
Die Beschwerden der Rezidive, also eines Wiederaufflammens der Krankheit, sind weniger stark ausgeprägt und dauern auch weniger lang an.

Diagnose

 
Die Hauterscheinungen sind meistens so typisch, dass es keine weiteren Untersuchungsmethoden braucht, um Herpes genitalis zu diagnostizieren. Ist die Diagnose jedoch zweifelhaft - wenn sich das Virus weiter im Körper ausbreitet und die Symptome an anderen als den typischen Stellen auftreten - kann eine labormedizinische Untersuchung zur Feststellung des Erregers notwendig werden. Klarheit kann sowohl die mikroskopische Untersuchung des Bläscheninhalts oder einer Gewebeprobe der Haut oder Schleimhaut ("Abstrich") geben wie auch der Nachweis der gegen das Virus gebildeten Antikörper im Blut ("serologische Untersuchung"). In manchen Fällen sind auch mehrere Untersuchungen nötig, um die Diagnose abzusichern.  

Behandlung

 
In milden Fällen haben Cremes mit Zinksulfat eine lindernde Wirkung: Sie trocknen die Bläschen aus und fördern damit die Abheilung. Wirkung auf die Viren haben sie allerdings nicht.
Das Virus bekämpfen können nur antivirale Mittel. Zeigt sich die Erstinfektion mit Symptomen, gilt die innerliche Behandlung mit solchen so genannten "Virustatika" mit den Wirkstoffen Aciclovir und Penciclovir als Mittel der Wahl. Wichtig ist dabei, dass die Therapie so früh wie möglich einsetzt. Kommt es oft zu Rezidiven oder verlaufen sie besonders schlimm, kann eine innerliche Behandlung, die schon bei den allerersten Anzeichen (Jucken, Brennen) einsetzt, eine raschere Abheilung bewirken. Bei 75 Prozent der Betroffenen kommt es zu einer Verkürzung der Rezidive, wenn das antivirale Mittel über einen längeren Zeitraum zur Unterdrückung ("Suppression") gegeben wird. Allerdings kann nach Absetzen der Medikamente das Virus wieder aktiv werden: Die Wirkstoffe verhindern nur die Vermehrung der Viren, kann sie aber nicht abtöten.
Eine automatische Mitbehandlung des Partners hat sich als nicht sinnvoll erwiesen.
Das "Erythema multiforme" spricht auf die Behandlung mit Glukokortikoiden gut an.
 
Herpes genitalis in der Schwangerschaft
Hat die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt Herpes genitalis, ist zur Vermeidung der Übertragung auf das Kind eine Geburt durch Kaiserschnitt angebracht. In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass das Risiko einer Ansteckung des Neugeborenen dann am höchsten ist, wenn die Mutter unmittelbar vor dem Geburtstermin erstmals mit dem Virus infiziert wurde.
Ist ein Neugeborenes nachweislich mit Herpes simplex infiziert, sollte sofort eine zweiwöchige innerliche Therapie mit antiviralen Mitteln eingeleitet werden.
Heilungschancen
Eine Heilung ist bei Herpes genitalis nicht möglich - das Virus ist im Organismus bisher nicht auszurotten. Laut Statistik treten - unbehandelt - bei 50 bis 80 Prozent der Infizierten die Krankheitserscheinungen jedes Jahr auf: bei zwei Prozent monatlich, bei 13 Prozent alle zwei bis elf Monate, bei 24 Prozent einmal jährlich. Die Häufigkeit von Rezidiven ist bei jenen Menschen am höchsten, bei denen sich schon die Erstinfektion mit Symptomen gezeigt hat.
 

Leben mit der Krankheit

 
Trotz der wirksamen Virustatika bleibt die Behandlung immer wiederkehrender (rezidivierender), starker Herpes-genitalis-Symptome ein Problem: Insbesondere der rezidivierende Herpes kann ernstzunehmende emotionale, sexuelle und psychosoziale Konflikte in einer bestehenden Partnerschaft auslösen.
Das Liebesleben ist einer großen Belastung ausgesetzt. Wichtig ist die richtige Vorbeugung, aber auch ein offenes Gespräch über die Krankheit. Eine Paarberatung kann hilfreich sein.
Geschlechtsverkehr selbst löst im Übrigen in aller Regel keine Rezidive aus. Dennoch vermeiden Betroffene oft aus Angst von einem Wiederauftreten der Krankheit den Geschlechtsverkehr. In Einzelfällen konnte gezeigt werden, dass hinter den Symptomen ein bewusstes oder unbewusstes Streben nach Flucht vor einem bevorstehenden Sexualkontakt, der innerlich unerwünscht oder unerlaubt ist, stehen kann. Meist können derartige Zusammenhänge jedoch nur in längerfristigen Psychotherapien aufgezeigt werden und treffen sicherlich nicht für alle Betroffenen zu. Eine unterstützende Verhaltenstherapie mit Stressmanagement in Gruppen wird in der wissenschaftlichen Literatur als hilfreich beschrieben.
 
Letzte Aktualisierung:
29.12.2005
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Werner Aberer (Hautkrankheiten, Allergien)
Dr. med. Christian Euler (Allgemeinmedizin)
Dr. med. Oskar Janata (Innere Medizin, Infektiologie)
Priv.-Doz. Dr. med. Volker Niemeier (Hautkrankheiten, Psychosomatik)
Univ. Prof. Dr. med. Leopold Schmetterer (Pharmakologie)
Univ. Prof. Dr. med. Erwin Tschachler (Hautkrankheiten)
Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.


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