Anmelden | Registrieren
Drucken

Schwellungen und Knoten an den Händen:
Kollagenosen: Systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie

Kollagenosen sind entzündliche Erkrankungen des Bindegewebes, die viele Bereiche des Körpers, wie die inneren Organe, die Gefäße, die Haut und auch die Gelenke betreffen können. Schwellungen oder Veränderungen an den Händen treten unter anderem auch bei dem systemischen Lupus erythematodes und der Sklerodermie auf


Stress abbauen und regelmäßig entspannen kann sehr wichtig sein bei Bindegewebserkrankungen

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Symptome: Schmerzende Schwellungen an mehreren Finger- bzw. Handgelenken oder anderen Gelenken. Morgens sind die Hände steif und schwer beweglich. Typisch sind schmetterlingsförmige, rote Hautausschläge im Gesicht („Wolfsgesicht“, daher der Name der Erkrankung, lateinisch lupus heißt „Wolf“) sowie schuppende Ausschläge an anderen Körperteilen wie den Händen. Fieber, Schwächegefühl, Atembeschwerden können ebenfalls Anfangszeichen der Erkrankung sein. Auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut fällt auf. Die Beschwerden verstärken sich häufig nach einem Aufenthalt in der Sonne oder bei stärkeren körperlichen und seelischen Belastungen. Weitere Symptome richten sich danach, welche Organe miterkrankt sind.


Ursache: Diese Autoimmunerkrankung erfasst vor allem die Haut und viele Organe bzw. deren Gefäße. Das Abwehrsystem richtet sich auch hier aggressiv gegen körpereigene Stoffe in den Zellen. In der Mehrzahl erkranken Frauen vor den Wechseljahren daran. Es besteht wohl eine erbliche Anlage dafür, möglicherweise spielen auch weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene, sowie intensive Sonneneinstrahlung oder bestimmte Virusinfektionen für den Ausbruch der Krankheit eine Rolle. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht bekannt. Die Krankheit verläuft in Schüben. Neben inneren Organen wie Herz, Lunge und den Nieren kann auch das Gehirn betroffen sein. Psychische Veränderungen, Depressionen oder epileptische Anfälle können daraus entstehen. Einige Medikamente wie bestimmte Blutdrucksenker, Tuberkulosemittel oder Psychopharmaka lösen sehr selten auch SLE-Symptome aus, die jedoch nach Absetzen der Mittel wieder vergehen.

Diagnose: Die Hautrötungen und weitere Symptome wie Gelenkentzündungen in zwei oder mehr Gelenken sind oft kennzeichnend für den Arzt. Blutuntersuchungen decken spezielle Antikörper und weitere Krankheitszeichen auf. Untersuchungen der Nieren (über Urintests, eventuell auch anhand kleiner Gewebeproben aus der Niere) sowie von Herz und Lungen geben Aufschluss, in welcher Form innere Organe beteiligt sind.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet und wie ausgeprägt sie ist. Es sind auch lebensbedrohliche Verläufe möglich. Für die Haut sind Cremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor (60) und Lichtschutz durch die Kleidung wichtig. Gegen die akuten Entzündungsschübe kommen ein nicht-steroidales Antirheumatikum und vor allem Kortison sowie die Antimalariamedikamente Hydroxychloroquin oder Chloroquin zum Einsatz, sofern noch keine inneren Organe wie die Nieren mit erkrankt sind. Unter dieser Behandlung bessern sich auch die Hauterscheinungen. Der Arzt wird einmal jährlich eine Kontrolle der Augennetzhaut veranlassen. Bei schwererem Verlauf ist eine Behandlung in einer Klinik unumgänglich. Unter anderem werden Kortison, Immunsuppressiva und andere Medikamente eingesetzt und, je nach Erkrankungsmuster, auch weitere spezielle Therapiemaßnahmen nötig sein. Eine möglichst stressverringerte, gesunde Lebensweise und Schutz vor intensiver Sonne helfen SLE-Kranken darüber hinaus, Schüben vorzubeugen.


Sklerodermie (progressive systemische Sklerose)

Symptome: Pralle Schwellungen über die ganzen Finger und Hände (Wurstfinger) und Morgensteifigkeit sind häufig ein akutes Erstsymptom, manchmal auch nur geschwollene Fingergelenke oder überhaupt nur untypische Allgemeinsymptome wie Muskelschwäche und Gewichtsabnahme. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen oft Durchblutungsstörungen in den Fingern (Raynaud-Syndrom) dazu. Die Finger werden an den Spitzen erst blass, dann rot und schmerzen. Die Haut kann sich zusammenziehen, Gewebe stirbt ab, es entstehen Narben an den Fingerspitzen. Auch ein Karpaltunnelsyndrom kann auftreten.

Die Hautveränderung dehnt sich im weiteren Verlauf aus: Die Gesichtshaut wird straff und starr wie bei einer Maske, der Mund verkleinert sich, Bewegungen im Gesicht sowie an den Gelenken fallen schwer. Die Starre kann sich auch auf innere Organe erstrecken. Die Speiseröhrenwand wird starr, das Zungenbändchen kann erhärten, Schluckenbeschwerden, Rückfluss des Mageninhalts und andere Störungen im Magen-Darm-Trakt sind die Folge. Die Verhärtungen bewirken, dass die Gefäße sich verengen. Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck weisen darauf hin, dass auch innere Organe wie Lunge, Herz und Nieren in Mitleidenschaft gezogen sind.

Ursache: Sklerose bedeutet Verhärtung. Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren erkranken häufiger an dieser eher seltenen entzündlichen Bindegewebserkrankung als Männer. Durch entzündliche Vorgänge wird das Bindegewebe dicker, es sammeln sich vermehrt Eiweißkörper (Kollagen) in der Haut und in inneren Organen an. Es kommt zu Gefäßverengungen, Flüssigkeitsansammlungen und Durchblutungsstörungen. Stoffwechsel und Organe werden mehr und mehr in ihrer Funktion gestört. Die Ursachen für diesen fortschreitenden Krankheitsprozess sind noch weitgehend unbekannt. Auch hier handelt es sich möglicherweise um eine Autoimmunerkrankung.

Diagnose: Der Arzt wird Hände und Finger genau untersuchen. Vor allem die Schäden an den Fingerspitzen sind wichtige Anhaltspunkte. Blutuntersuchungen weisen spezielle Antikörper auf. Röntgenaufnahmen der Hände zeigen eventuell Auflösungszeichen am Knochen und Aufnahmen der Speiseröhre eine eingetretene Wandstarre. Tastet der Arzt über verdickte und verhärtete Sehnen, kann er manchmal ein Reiben spüren oder hören. Im Zweifelsfall kann er auch eine Hautprobe (Biopsie) für die genaue Diagnose untersuchen. Eine Prüfung der inneren Organe mit Hilfe von Urinproben, einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) sowie Lungenfunktionstests und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsschritten gibt dem Arzt Aufschluss über die Ausprägung und das Stadium der Krankheit.

Therapie: Die Behandlung einer Sklerodermie richtet sich nach dem Verlauf der Erkrankung. Es kommen unterschiedliche Antirheumamedikamente zum Einsatz, wie nicht-steroidale Antirheumatika gegen die Gelenkbeschwerden. Kortison wird äußerst zurückhaltend eingesetzt, eventuell kurzfristig, wenn das Herz akut mit betroffen ist. D-Penicillamin sowie einige Immunsuppressiva, Mittel die das Immunsystem hemmen, können bei schweren Krankheitsentwicklungen zur längerfristigen Therapie eingesetzt werden. Gegen die Durchblutungsstörungen der Finger können verschiedene Medikamente wirksam sein. Die Betroffenen sollten die Hände warm halten (mit Fausthandschuhen, auch beheizbaren, zum Beispiel), Kälte und Stress möglichst vermeiden.

Physikalische Maßnahmen wie Bäder- und Lichttherapie, zum Beispiel eine Balneo-Fototherapie, lindern die Beschwerden und wirken der fortschreitenden Hautzerstörung, etwa an den Fingern entgegen. Eine spezielle Krankengymnastik, Bindegewebsmassage und Lymphdrainage helfen den Erkrankten, ihre Muskeln möglichst beweglich zu halten. Wichtig ist auch eine Ergotherapie, bei der die Patienten lernen, mit ihrer Krankheit im Alltag umzugehen.

 



  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9

Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 06.07.2009, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: Image Source/RYF

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Die Hände im Blick

Hände: Wunder der Anatomie

Erfahren Sie alles über Pflege und Krankheiten der Hände  »

Symptome-Check

Kalte Hände

Die Ursachen für häufig frierende Finger und Hände liegen meist in Durchblutungsstörungen »

Kribbeln / Taubheitsgefühle

Was los ist, wenn Gliedmaße, Gesicht und andere Körperteile kribbeln oder sich taub anfühlen »

Ausführliche Informationen zu Krankheiten, die Schwellungen und Knoten an den Händen verursachen können

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung