Ein plötzlich heftig schmerzendes, geschwollenes Fingergelenk kann auch auf einen Gichtanfall hinweisen
Symptome: Die ersten Beschwerden äußern sich vielfach erst spät, wenn teilweise schon über mehrere Jahre die Harnsäurewerte im Blut erhöht waren und sich schon Harnsäurekristalle im Körper abgelagert haben. Die Folge sind Entzündungen in betroffenen Bereichen, zum Beispiel in einem Gelenk. Die heftige Reaktion darauf ist ein sogenannter Gichtanfall. Ein Gelenk, zum Beispiel das Großzehengrundgelenk oder ein Fingergelenk, schwillt an, wird rot und heiß, schmerzt heftig und ist äußerst berührungsempfindlich. Der Anfall tritt häufig nachts ein, nach einem üppigen Essen, Alkoholgenuss, aber auch nach Fasten oder ungewohnten körperlichen und seelischen Belastungen. Es kann Fieber dazukommen. Nach dem Anfall ist das Gelenk wieder schmerzfrei und lässt sich problemlos bewegen.
Zwischen den Attacken können Monate oder Jahre liegen. Mit der Zeit werden die Abstände jedoch kürzer. Nach wiederholten Anfällen kann die Gicht sich, wenn sie nicht behandelt wird, zu einem chronischen Gelenkleiden entwickeln mit Gichtknoten an der Hand, Gelenkverformungen, sogenannten Gichtperlen oder Tophi (in Knochen, Sehnenscheiden, unter der Haut oder in Organen sowie typischerweise am Ohr) und andauernden Schmerzen.
Ursache: Gicht, Mediziner sprechen von Hyperurikämie, ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung und war schon in früheren Zeiten die Krankheit des Wohlstands (Zipperlein). Sie betrifft vor allem Männer zwischen 30 und 60 Jahren, Frauen seltener und dann meist erst nach den Wechseljahren. Kennzeichen ist eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut und anderen Körperflüssigkeiten, zumeist weil nicht genügend Harnsäure über die Niere ausgeschieden werden kann.
Ein anderer, seltenerer Grund ist eine vermehrte Harnsäurebildung im Körper. Durch den Überschuss an Harnsäure lagern sich Harnsäurekristalle, Urate, in unterschiedlichen Körperbereichen ab, auch in Knochen und Gelenken. Die betroffenen Gelenke wehren die Eindringlinge ab, die Folge sind Entzündungen und Gichtanfälle. Diese müssen nicht sein, wenn eine Hyperurikämie rechtzeitig erkannt und entsprechend gegengesteuert wird. Die Schlüsselrolle spielen dabei die Purine. Diese natürlichen Substanzen sind Bestandteil der menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zellen. Der Mensch bildet sie also nicht nur selbst, sondern nimmt sie zusätzlich auch mit der Nahrung auf. Im Stoffwechsel werden Purine zu Harnsäure umgewandelt, die wiederum über die Niere ausgeschieden wird. Wenn ein Mensch einmal zu viel Nahrungsmittel mit hohem Puringehalt zu sich genommen hat, steigt die Harnsäurekonzentration vorübergehend an, der Überschuss wird aber normalerweise wieder mit dem Urin ausgeschieden. Nicht so wenn die Ausscheidung anlagebedingt gestört ist oder ständig zu viel Purin zugeführt wird, zum Beispiel durch besonders fleischlastiges Essen. Deshalb spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für die Behandlung der Gicht.
Unbehandelt schädigt die Gicht nicht nur die Gelenke, sondern auch die Nieren, fördert Bluthochdruck und damit Arteriosklerose. Gicht ist zwar erblich bedingt, aber bestimmte Faktoren begünstigen ihre Entwicklung. Dazu gehört auch Übergewicht. Üppige Mahlzeiten, viel Alkohol, aber auch das Gegenteil, strenges Fasten bringen den Purinstoffwechsel durcheinander. Ebenso können Infektionen, Stress und übermäßige körperliche Anstrengung Auslöser für einen Gichtanfall sein. Manchmal tritt eine Gicht auch als Folge anderer Erkrankungen wie Leukämie oder Nierenkrankheiten auf (sekundäre Gicht). Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann den Harnsäurespiegel erhöhen.
Diagnose: Die Schilderung eines Gichtanfalls und die Krankengeschichte mit Blick auf Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen in der Familie geben dem Arzt schon die ersten wesentlichen Anhaltspunkte. Eine Blutuntersuchung weist dann eine erhöhte Harnsäurekonzentration auf. Allerdings kann sie im Anfall auch normal sein, insbesondere unter der Behandlung mit einem harnsäuresenkenden Medikament. Um eine sekundäre Gicht und begleitende Stoffwechselerkrankungen auszuschließen, wird der Arzt weitere Blutuntersuchungen veranlassen. Urintests geben Aufschluss über die Harnsäureausscheidung.
Besteht der Verdacht, dass die Gicht schon weiter fortgeschritten ist, zeigen Ultraschallaufnahmen, ob sich Nierensteine gebildet haben, und gegebenenfalls Veränderungen in den Gelenken. Röntgenuntersuchungen decken verborgene Harnsäureablagerungen (Tophi) als runde Schadstellen etwa am Knochen oder andere Knochenschäden auf. Um jeden Zweifel auszuschließen, kann der Arzt auch eine Gelenkpunktion durchführen, um Gelenkflüssigkeit untersuchen zu lassen.
Therapie: Eine wesentliche Therapiesäule stellen eine ausgewogene, purinarme Ernährung und eine gesunde Lebensführung dar. Es gilt, Übergewicht abzubauen, ausreichend zu trinken und möglichst auf Alkohol zu verzichten. Die medikamentöse Behandlung im Anfangsstadium richtet sich einmal gegen die entzündlichen Prozesse im Gelenk.
Zudem soll die Harnsäurekonzentration dauerhaft normalisiert werden. Das geschieht mit ausgewählten Medikamenten. Bei einem Gichtanfall sind das nicht-steroidale Antirheumatika, kortisonhaltige Präparate oder der Wirkstoff Colchicin. Bei Betroffenen, die eine Nierenschädigung haben oder älter sind, ist sowohl bei der Behandlung mit Colchicin, als auch mit nicht-steroidalen Antirheumatika häufiger mit Nebenwirkungen zu rechnen. Colchicin wird in Deutschland mittlerweile eher zurückhaltend eingesetzt. Das von einem akuten Gichtanfall betroffene Gelenk kann eine Wattepackung vor schmerzhafter Berührung schützen.
Um den Harnsäurespiegel dauerhaft auszugleichen, genügen manchmal schon Ernährungsmaßnahmen. Als Medikamente kommen sogenannte Urikostatika wie Allopurinol, die die Harnsäurebildung hemmen, oder Urikosurika wie Benzbromaron und Probenecid, die die Harnsäureausscheidung fördern, zum Einsatz. Wirkstoffkombinationen können eventuelle Nebenwirkungen verringern. Der Arzt wird die Harnsäure und Werte im Blut, die Rückschlüsse auf die Nierenfunktion erlauben, in bestimmten Abständen kontrollieren.
Hier erfahren Sie Weiteres über Gicht.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
06.07.2009, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF
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