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Schwellungen und Knoten an den Händen:
Entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis) und andere Arthritisformen

Bei der rheumatoiden Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, entzündet sich die Gelenkinnenhaut in der Gelenkkapsel. Charakteristisch sind neben den Schwellungen an den Fingergrundgelenken oder dem Handgelenk vor allem ziehende Schmerzen und steife Hände am Morgen. In Zusammenhang mit anderen Erkrankungen stehen die Psoriasis- und die reaktive Arthritis


Entzündete Fingergelenke bei Polyarthritis: Im späten Stadium können sich die Finger verformen, wie hier die Schwanenhals-Deformität

Entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis)

Symptome: Pralle, weiche Schwellungen an beiden Händen, bevorzugt an den Fingergrund- und Fingermittelgelenken und an den Handgelenken, die sich oft heiß anfüllen. Sie bestehen länger als sechs Monate und betreffen mehr als drei Gelenke. Richtungweisend ist der symmetrische Befall. Die Entzündung zeigt sich auch an anderen Gelenken. So können die Beschwerden zum Beispiel an den Zehengelenken einsetzen. Schmerzen treten vor allem nachts und in Ruhehaltung auf, aber auch bei bestimmten Bewegungen und wenn Druck auf die Hand ausgeübt wird (schmerzender Händedruck). Typisch sind auch ein Gefühl der Kraftlosigkeit in den Händen und morgens steife Finger, die erst nach einer Stunde wieder beweglicher werden (Morgensteifigkeit). Die Beschwerden können sich schubweise einstellen, mit Phasen heftiger Entzündungszeichen, gefolgt von oft wochenlangen beschwerdefreien Pausen. Weitere mögliche begleitende Symptome sind Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Fieber, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Diese Allgemeinsymptome können den Gelenkveränderungen Wochen bis Monate vorausgehen. Manche Betroffene bemerken auch kleine, nicht schmerzhafte Knoten (Rheumaknoten) unter der Haut, vor allem in der Nähe des Ellbogens oder der Ferse.


Ursache: Die rheumatoide Arthritis ist die entzündliche Gelenkerkrankung, die am häufigsten vorkommt. Frauen sind stärker betroffen als Männer, und zwar überwiegend im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Männer erkranken wenn, dann meist etwas später (65 bis 75 Jahre). Wie genau es zu den Entzündungsvorgängen in der Gelenkkapsel kommt, ist letztlich noch nicht geklärt. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der sich die Abwehrkräfte gegen körpereigene Stoffe richten. Die fehlerhafte Abwehrreaktion, in diesem Fall in der Gelenkinnenhaut, führt zu einer Entzündung, entzündlichen Schwellungen und Ergüssen. Die Gelenkinnenhaut wird dicker, überwuchert allmählich den Gelenkknorpel und greift die Knorpelschicht an. Knochen und Gelenke werden so mit der Zeit dauerhaft geschädigt. Schließlich kann das Gelenk bis zur Bewegungsunfähigkeit versteifen. Bisweilen greift die Entzündung auch auf benachbarte Nerven und Sehnen über. So kommt es zu Nervenentzündungen wie beim Karpaltunnelsyndrom oder zu Sehnenscheidenentzündungen.

Je nachdem, welche Strukturen besonders angegriffen sind, verformen sich die Hände und nehmen charakteristische Fehlstellungen an. Die Betroffenen können alltägliche Handgriffe dann nur noch unter Mühen oder gar nicht mehr ausführen. Die Erkrankung schreitet chronisch fort und erfasst neben den Händen und Füßen mitunter auch große Gelenke, wie die Knie und die Schultern, manchmal auch die Halswirbelsäule. Ebenso kann sie innere Organe in Mitleidenschaft ziehen, etwa Lungen, Lungenfell und Leber oder sogar das Herz. Eine rechtzeitige Behandlung kann den Zerstörungsprozess jedoch aufhalten bzw. verzögern.

Es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung von entzündlichem Rheuma begünstigen können. Dazu gehören vor allem eine familiäre Veranlagung, das Alter, Rauchen sowie Infektionskrankheiten. Wichtig ist es in jedem Fall, frühe Krankheitszeichen ernst zu nehmen, gerade auch die genannten, leider wenig typischen Allgemeinsymptome, und rechtzeitig einen Hausarzt oder Internisten bzw. Rheumatologen aufzusuchen.

Diagnose: Richtungweisend für den Arzt sind zunächst einmal die Symptome. Er wird sich vor allem nach den Schmerzen erkundigen und prüfen, welche und wie viele Gelenke von den Schwellungen betroffen sind. Aufschlussreich ist auch, wie lange eine eventuelle Morgensteife anhält, ob weitere Beschwerden bestehen, ob die Beweglichkeit beeinträchtigt ist und ob Rheumaknoten an anderen Stellen als vom Betroffenen angegeben zu sehen sind. Blutuntersuchungen im Labor zeigen deutliche Entzündungszeichen und geben Hinweise auf vorhandene Rheumafaktoren sowie weitere spezielle Antikörper. Eine Urinuntersuchung hilft, eine Nierenschädigung aufzudecken, zu der es im Rahmen verschiedener rheumatischer Erkrankungen kommen kann. Röntgenaufnahmen von beiden Händen und Füßen wiederum lassen teilweise frühzeitig Gelenkveränderungen erkennen, zum Beispiel in Nähe des Gelenks eine gewisse „Knochenarmut“ (Osteopenie). Zusätzliche Ultraschallbilder können Gelenkergüsse und Wucherungen im Gelenk aufzeigen. Die Untersuchung der Gelenkflüssigkeit ergibt entzündliche Veränderungen, die aber wie alle anderen Untersuchungen keine eindeutigen Beweise liefern. Erst aus dem Gesamtbild wird der Rheumatologe die Diagnose ableiten. Weitere bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie setzt er nur in besonderen Fällen ein.

Therapie: In ihrer Anfangsphase lässt sich diese chronische Erkrankung am erfolgreichsten behandeln. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, aber die fortschreitende Gelenkzerstörung kann aufgehalten oder verzögert werden. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die rheumatoide Arthritis vergleichsweise mild, andere sind schon früh deutlich beeinträchtigt und benötigen eine intensive Therapie. Den Behandlungsweg wird der Arzt sehr individuell nach der Ausprägung der Krankheit und der Lebenssituation des Patienten ausrichten. Wichtig ist dabei, dass mehrere Therapieebenen von Anfang an ineinandergreifen. Neben den Rheumamedikamenten gehören dazu Krankengymnastik und praktische Bewegungsanleitungen für den Alltag (Ergotherapie) sowie psychologische Unterstützung, nicht selten auch operative Maßnahmen, zum Beispiel eine Entfernung der Gelenkinnenhaut (Synovektomie). Sie wird auch im frühen Krankheitsstadium durchgeführt. Kälteauflagen oder eine spezielle Kältetherapie in Kältekammern lindern die Schmerzen für eine gewisse Zeit.

Die tragende Säule bildet die Therapie mit geeigneten Rheumamedikamenten, die nicht nur die Symptome lindern, sondern den Krankheitsprozess direkt beeinflussen und damit die Gelenke schützen und ihre Funktion soweit wie möglich erhalten können. Nicht-steroidale Antirheumatika und sogenannte Cox-2-Hemmer sowie Kortison werden zur akuten Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. Die langfristige Basistherapie umfasst Medikamente wie Immunmodulatoren oder krankheitsverändernde Arzneistoffe (zum Beispiel Methotrexat, Sulfasalazin oder Hydroxychloroquin bzw. Chloroquin, Mittel, die auch gegen Malaria eingesetzt werden), dann Stoffe, die das Immunsystem unterdrücken, auch Immunsuppressiva genannt (Azathioprin, Ciclosporin, Cyclophosphamid), und sogenannte Biologicals. Die Wirkung zeigt sich, je nach Mittel, erst nach einigen Wochen. Der Arzt wird die medikamentöse Therapie genau überwachen und eventuell das Mittel wechseln, wenn ein Patient nicht darauf anspricht oder es nicht verträgt. Auch kann der Arzt es als sinnvoll ansehen, Medikamente zu kombinieren oder im Laufe der Therapie umzustellen, um so die Wirksamkeit optimal zu steuern und mögliche Nebenwirkungen zu verringern. Wie lange ein Rheumakranker Medikamente einnehmen muss, ist sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall sollte ein Patient sich eingehend von seinem Arzt beraten lassen. Hierbei werden Hausarzt und Rheumatologe eng zusammenarbeiten. Je besser ein Patient informiert ist, umso besser kann er mit seiner Erkrankung umgehen und dazu beitragen, dass seine Lebensqualität soweit wie möglich erhalten bleibt.

Hier erfahren Sie Weiteres zur rheumatoiden Arthritis.


Psoriasis-Arthritis

Symptome: Vergleichbare Krankheitszeichen wie bei der rheumatoiden Arthritis (siehe oben) mit geschwollenen, geröteten, sich heiß anfühlenden Finger- oder Handgelenken, allerdings häufig nur an vereinzelten Gelenken und Schmerzen. Möglich sind auch Entzündungen an den Fußgelenken, Hüfte und Knie oder den Kreuz-Darmbein-Gelenken und der Wirbelsäule. Es können auch alle Gelenke eines Fingers stark geschwollen sein (Wurstfinger) oder aber nur (nicht symmetrisch) einige Endgelenke. Die Nägel sind mitunter verändert, es zeigen sich gelb-braune Flecken, Verdickungen, runde Einkerbungen (Tüpfelnägel) oder ein gestörtes Wachstum. Dazu können sich die für eine Schuppenflechte typischen Hautveränderungen, erhabene, gerötete Hautstellen mit weißlich-silbrigen Schuppen und Juckreiz, einstellen, aber nicht immer. Diese Plaques treten vor allem an Ellbogen, Knien und der behaarten Kopfhaut auf. Auch die Augen können manchmal entzündet sein.

Ursache: Die Psoriasis oder Schuppenflechte, ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die zu den Autoimmunerkrankungen gezählt wird. Sie verläuft in Schüben und tritt auch schon im Kindes- und Jugendalter auf. Am häufigsten entwickelt sich die Gelenkerkrankung im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt. Die Gelenkentzündung kann der Hautkrankheit vorausgehen, bei mehr als der Hälfte der Betroffenen zeigen sich jedoch zuerst die Hautveränderungen. Allerdings entwickeln nur etwa zehn bis 20 Prozent der Psoriasis-Patienten eine Arthritis. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, die genauen Ursachen und Zusammenhänge zwischen Haut- und Gelenkerkrankung sind noch nicht geklärt.

Diagnose: Die kennzeichnenden Merkmale der Haut erleichtern dem Arzt die Diagnose. Da sie auch fehlen können, kommt der Familien- und Krankengeschichte und einer genauen Einschätzung der Gelenkbeschwerden wesentliche Bedeutung zu. Im Blutbild fehlt häufig der Rheumafaktor. Auch das ist ein Hinweis. Eine Röntgenaufnahme zeigt aber häufig schon Knochenschäden und –wucherungen. Die Ultraschalluntersuchung der Sehnen und Sehnenscheiden kann helfen, Entzündungen in diesen Bereichen zu erkennen.

Therapie: Für den Hautbefall gibt es eine Reihe spezieller Therapiemaßnahmen. Gegen die Gelenkentzündung selbst kommen mitunter nicht-steroidale Antirheumatika infrage bzw. Kortisoninjektionen in die erkrankten Gelenke. Neuere Medikamente wie die sogenannten Biologicals können gegen beide Erkrankungsbilder (Haut- wie Gelenkerkrankung) gut wirksam sein. Andere Möglichkeiten sind Methotrexat, eventuell auch Immunsuppressiva. Unterstützend wirkt physikalische Therapie, zum Beispiel Kälteanwendung.


Reaktive Arthritis (nach Infektionen)

Symptome: Entzündliche Schwellungen, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit an einzelnen Gelenken, meist an Hüfte, Knie oder an den Füßen, aber mitunter auch an Hand und Fingern. Dort sind dann oft alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe geschwollen (Wurstfinger, Wurstzehe). Die Schwellungen zeigen sich Tage oder Wochen nach einer Infektion. Dazu können Harnwegsinfektionen, Hautausschläge, Geschwüre der Mundschleimhaut, Rückenschmerzen, Fieber und Augenentzündungen kommen.

Ursache: Bisweilen sind Gelenkentzündungen, auch an der Hand, eine Folgeerkrankung einer bakteriellen Infektion im Magen-Darm-Trakt, im Harnwegs- und Genitalbereich oder in den Atemwegen. Häufige auslösende Bakterien sind hier Chlamydien, Gonokken (die Erreger der Gonorrhö), Mykoplasmen oder Salmonellen und andere Erreger von Darminfekten sowie Streptokokken. Auch nach einer Infektion mit Borrelien, einer Lyme-Borreliose, durch einen Zeckenbiss kann sich eine Arthritis entwickeln. Ebenso können Vireninfektionen, zum Beispiel eine Hepatitisinfektion, manchmal als Vorerkrankung infrage kommen. Die genauen Zusammenhänge zwischen Infektionen und reaktiven Arthritisformen sind noch nicht geklärt.

Diagnose: Die vorausgegangenen Infektionen können eventuell entsprechende Hinweise geben, auch die Symptome. Rheumafaktoren fehlen im Blutbild, dafür sind die Entzündungszeichen erhöht oder es finden sich Antikörper gegen die Erreger. In weiteren Laboruntersuchungen von Stuhl, Urin, Genital- oder Atemwegssekret lassen sich die jeweiligen Erreger nachweisen, allerdings nicht immer, wenn es schon zu Gelenkentzündungen gekommen ist. Bei einem Teil der Patienten lässt sich ein bestimmtes Merkmal im Blut, HLA-B-27, nachweisen, häufiger bei Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke. Der Ausschluss anderer rheumatischer Erkrankungen ist bei der reaktiven Arthritis wegweisend.

Therapie: Antibiotika helfen gegen bakterielle Infektionen und können bei rascher Gabe verhindern, dass sich eine reaktive Arthritis entwickelt. Ist es bereits dazu gekommen, ist die Wirksamkeit einer antibiotischen Therapie nicht gesichert. Der positive Nachweis von Chlamydien im Urin oder Genitalabstrich begründet die gezielte antibiotische Behandlung, auch des Partners – jedoch in der Regel noch bevor sich die Gelenkschwellung zeigt. Je nach Erreger kann ihr Einsatz auch danach erfolgreich sein. Bei einem Infekt der oberen Atemwege durch Streptokokken wird Penicillin oder bei einer Allergie ein anderes geeignetes Antibiotikum gegeben.

Gegen die Gelenkentzündung kann der Arzt nicht-steroidale Antirheumatika einsetzen oder Kortisonspritzen direkt in das betroffene Gelenk oder den entzündeten Sehnenbereich geben. Eine längerfristige Behandlung mit weiteren Medikamenten, die auch gegen Rheuma eingesetzt werden, beispielsweise Sulfasalazin, Azathrioprin oder Methotrexat, kann bei schwereren Verläufen angebracht sein. Eine wichtige Rolle spielt auch hier wie bei anderen Gelenkerkrankungen die begleitende krankengymnastische Therapie, um die Gelenke beweglich zu erhalten.

 

Enteropathische Arthritis

Im Zuge von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa können entzündliche Gelenkschwellungen auch an Händen und Fingern auftreten. Die Entzündungen bessern sich jedoch häufig mit der Behandlung der Grunderkrankung und führen dann zu keinen fortschreitenden Gelenk- und Knochenschäden.



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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 06.07.2009, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel

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