Betroffene leiden höllische Schmerzen: Die Kalkablagerungen im Schultergelenk quälen beim Liegen, aber auch bei Überkopf- und Drehbewegungen. Was dagegen hilft; mit Schulterübungen
Schulterprobleme: Frauen sind häufiger betroffen
Wäsche aufhängen, Äpfel vom Baum pflücken, einen Volleyball schmettern: Für viele alltägliche oder sportliche Aktivitäten brauchen wir gut funktionierende Schultern. Der Schultergürtel ermöglicht ein hohes Maß an Beweglichkeit und gewährleistet, dass wir mit Armen und Händen weiter entfernte Objekte erreichen. Die Schulter ist aber auch eines der kompliziertesten Gelenke des menschlichen Körpers. Sie wird von zahlreichen Muskeln und ihren Sehnenansätzen geführt und stabilisiert.
Frauen sind häufiger betroffen
Für schmerzhafte Probleme (Schulter-Arm- Syndrom) sorgt die „Kalkschulter“, die hauptsächlich bei Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auftritt. Dabei verkalkt nicht das Schultergelenk selbst, wie der Begriff vermuten lässt; vielmehr bilden sich Kalkdepots in den Strukturen, die das Schulterblatt umgeben – vor allem in der Supraspinatus-Sehne. Sie sind auf dem Röntgenbild gut sichtbar. Meist machen diese Mini-Kalkkugeln den Betroffenen lange Zeit keine Schwierigkeiten. Ab einer bestimmten Größe aber verursachen die Einlagerungen aus Kalziumphosphat bei Drehbewegungen des Arms über Schulter- oder Kopfhöhe Reizungen und Schmerzen. Weil sich erst in diesen Situationen Beschwerden bemerkbar machen, gehen die meisten Betroffenen davon aus, dass sie ihrem Gelenk zu viel zugemutet haben, es überlastet ist. Aber das stimmt nicht. „Weder Überlastung noch Inaktivität sind auslösende Faktoren für die Kalkschulter“, sagt Prof. Markus Loew, Schulter- und Ellbogenspezialist an der Orthopädischen Universitätsklinik in Heidelberg.
Lokale Durchblutung ist gestört
Ursache für die erbsen- bis mandelgroßen Kalkdepots in den Sehnenansätzen ist vermutlich eine anlagebedingte schlechtere Durchblutung dieser Sehnen. Das kann durch die spezielle Anatomie noch gefördert werden. „Die Sehne ist sehr stark eingeengt durch den Oberarmkopf und das Schulterdach und daher von Natur aus eher schlecht durchblutet“, erklärt Loew. „Aus ungeklärten Gründen kommt die lokale Durchblutung manchmal völlig zum Erliegen – wie bei einem kleinen Infarkt. Dadurch sterben vermutlich Knorpelzellen ab, und es bilden sich feine Kalkstrukturen als Kondensationspunkt für eine immer größere Verkalkung.“ Je mehr Kalk sich dort ablagert, desto enger wird es unter dem Schulterdach. Dadurch wird die Sehne zunehmend gereizt und entzündet sich. „In dieser Phase wird der Kalk in fast allen Bewegungspositionen zum mechanischen Ärgernis.“ Reißen die Kalkknoten schließlich auf, ergießt sich der Inhalt in den benachbarten Schleimbeutel und löst dort heftige Entzündungsreaktionen aus. „Das ist sehr schmerzhaft. Aber der Körper hat dann die Möglichkeit, den Kalk dort wegzutransportieren“, erklärt Experte Loew. Auch nachts leiden die Patienten unter heftigen Schmerzen und schlafen sehr schlecht. Sie vermeiden jede Bewegung, um die Schulter zu schonen; das Gelenk droht steif zu werden. Typisch für die Erkrankung ist ihr wellenförmiger Verlauf. Schmerzfreie Zeiten wechseln sich mit heftigen Beschwerden ab, die monatelang anhalten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Physiotherapie und Kortison
In der ersten Erkrankungsphase, wenn die Kalkdepots nur bei Überkopf-Belastungen zu Beschwerden führen, empfiehlt Loew seinen Patienten Physiotherapie und Druckpunktmassagen, um die örtliche Durchblutung anzuregen. Auch Elektro- und Ultraschallbehandlung können den Stoffwechsel so anregen, dass der Organismus die cremigpastösen oder kristallinen Fremdkörperchen selbst beseitigt. Laufen ständig entzündliche Prozesse ab (dauernder Bewegungsschmerz, Nachtschmerz), helfen Eispackungen und Spritzen mit entzündungshemmendem Kortison. „Jetzt ist es besonders wichtig, zu verhindern, dass das Gelenk steif wird. Deshalb motivieren wir die Patienten verstärkt zu Selbsttraining und Krankengymnastik.“ In der Durchbruchsphase zählt die Schmerzlinderung. Mit einem orthopädischen Kissen kann der Arm bis zu eine Woche ruhig gestellt werden. Zudem erhält der Patient stärkere Schmerzmittel. Falls das nicht den gewünschten Erfolg bringt, werden invasive Behandlungsmethoden
eingesetzt. Loew nennt die drei wichtigsten:
Hilfe aus der Apotheke
Präparate gegen akute Schmerzen:
Verwandte Krankheitsbilder:
Erkrankungen der Schulter, die häufig in Zusammenhang oder infolge einer Verkalkung auftreten:
Apotheken Umschau
Apotheken Umschau;
05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Foto: PhotoDisc
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