Gelbfieber

Gelbfieber ist eine Virus-Erkrankung, die durch Mücken übertragen wird. Wer in Risikogebiete reist, sollte sich vorab zur Gelbfieberimfpung beraten lassen

von Dr. med. Markus N. Frühwein, aktualisiert am 11.03.2013

Das Gelbfieber-Virus unter dem Mikroskop (im Bild gelb eingefärbt)

Getty Images//PhotoResearchers

Gelbfieber ist eine Virus-Erkrankung, die durch bestimmte Mückenarten übertragen wird. Verbreitet ist sie vor allem in wärmeren Regionen Afrikas und Südamerikas.

Meist leiden Betroffene nach der Infektion an hohem Fieber, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Beim (eher seltenen) schweren Krankheitsverlauf kommt es zu Blutungen und Störungen der Leberfunktion mit Gelbsucht - daher der Krankheitsname. Schwere Verläufe sind lebensbedrohlich.

Wer in Gelbfiebergebiete reist, sollte sich vorab informieren, ob eine Gelbfieber-Impfung ratsam ist. Für die Einreise in manche Länder ist ein entsprechender Impfnachweis sogar Vorschrift.

Weltweit erkranken jährlich etwa 200.000 Menschen an Gelbfieber, so die Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Rund 30.000 sterben an der Infektion, davon 90 Prozent in Afrika.

Hier lesen Sie mehr über Verbreitung, Symptome, Therapie und Vorbeugung des Gelbfiebers:


Gelbfieber wird durch bestimmte Mücken übertragen (im Bild eine ägyptische Tigermücke)

Getty Images/Kallista Images

Ursachen: Wie wird Gelbfieber übertragen?

Das Gelbfieber-Virus wird vor allem von Mücken der Aedes-Gattung weitergegeben – und zwar von den weiblichen Mücken. Sie saugen das Blut eines infizierten Menschen. Das Virus vermehrt sich im Körper der Mücke und wird beim nächsten Stich über ihre Speicheldrüsen an das Opfer weitergeben.

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Befinden sich jedoch viele nicht immune Menschen und Mücken auf engem Raum – wie in Städten – können schlagartig große Epidemien entstehen.

Das Gelbfieber-Virus befällt außer Menschen auch Tiere – zum Beispiel Vögel, Schlangen, Fledermäuse und insbesondere auch Affen. Sie bieten in den betroffenen Regionen ein mögliches Reservoir für den Erreger und können zu seiner Verbreitung beitragen.

Verbreitung: Wo kommt Gelbfieber vor?

Das Gelbfieber-Virus kommt in tropischen Regionen Afrikas und Amerikas vor. Das gegenwärtige Verbreitungsgebiet (die Endemie-Zone) in Afrika erstreckt sich vom 15. Breitengrad Nord bis zum 15. Breitengrad Süd und umfasst 33 Länder mit 500 Millionen Einwohnern. Insgesamt nimmt die Erkrankung dort seit 1980 zu.

In Amerika ist Gelbfieber in zehn südamerikanischen Ländern verbreitet, vor allem in Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien und Ecuador. Epidemien kamen seit 1942 nicht mehr vor, es handelte sich stets um Einzelfälle.

In Asien wurde Gelbfieber bisher nie beobachtet. Gründe dafür könnten Resistenzen in der asiatischen Bevölkerung sein. Möglich ist auch eine gewisse Immunität durch Erkrankungen an heimischen Viren aus der gleichen Gruppe (zum Beispiel Dengue-Virus). Vielleicht übertragen die asiatischen Mückenarten Gelbfieber auch nicht so effektiv.

In Europa sind seit dem 19. Jahrhundert keine Gelbfieber-Fälle mehr beschrieben. Importierte Erkrankungen durch ungeimpfte Reisende wurden hier bisher nicht übertragen.

Welche Symptome sind typisch?

Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome) beträgt etwa drei bis sechs Tage.

In dieser Zeit wandert das Gelbfieber-Virus in seine Zielorgane, vor allem die Leber, und vermehrt sich dort. Es folgt die erste Krankheitsphase. Folgende Symptome kommen häufig vor:

  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Abfall der Herzfrequenz (Puls unter 60 Schläge/Minute).

Meist bessert sich die Erkrankung nach wenigen Tagen und heilt vollständig aus.


Rascher Fieberanstieg – häufiges Symptom bei Gelbfieber

W&B/Christine Beckmann

Schwerer Verlauf: In zirka 15 Prozent der Fälle verläuft die Infektion schwer und geht in eine zweite Krankheitsphase über, das sogenannte "hepatorenale Syndrom".

Die Temperatur steigt beim gleichzeitigen Abfall der Pulsfrequenz (bis auf 40 Schläge/Minute) wieder an.

Der Patient beginnt aus Schleimhäuten und Körperöffnungen zu bluten. Es kommt zu Einblutungen in Organe und Haut, auch zu Bluterbrechen – das erbrochene Blut sieht durch den Kontakt zur Magensäure oft schwarz, kaffeesatzartig aus. Blutungen in den Darm verursachen Durchfall mit frischen Blutungen oder zeigen sich als schwarzer, sogenannter Teerstuhl.

In schweren Fällen kommt es zu einer Lebervergrößerung mit Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht / Ikterus). Bei einigen Patienten versagt die Niere – die Urinausscheidung nimmt ab oder versiegt völlig.

Durch die gestörte Leber- und Nierenfunktion können Giftstoffe nicht mehr aus dem Blut gefiltert werden, was zu einer Blutvergiftung führen kann. Mögliche Folge ist eine Schädigung des Gehirns (Enzephalopathie), die sich zum Beispiel in Sprachstörungen, Bewegungsstörungen, Zittern und Krämpfen äußert. Im fortgeschrittenen Stadium können Erkrankte ins Delirium oder Koma fallen.

Die Genesungsphase dauert oft lange, führt aber meist zu einer vollständigen Heilung ohne bleibende Schäden. Sehr schwere Verläufe sind allerdings lebensbedrohlich – in solchen Fällen versterben bis zu 50 Prozent der Betroffenen.


Autor und Experte: Dr. med. Markus N. Frühwein

W&B/Privat

Diagnose: Wie stellt der Arzt Gelbfieber fest?

Kehrt ein Patient aus einem Risikogebiet zurück und leidet innerhalb der nächsten sechs bis zehn Tage an Fieber, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, sollte das immer auch an eine mögliche Gelbfieberinfektion denken lassen.

In den ersten Krankheitstagen lässt sich das Virus im Blut mittels PCR (Polymerase chain reaction) nachweisen.

Die Diagnose kann auch indirekt gestellt werden, indem nicht das Virus selbst, sondern die vom Körper gegen das Virus gebildeten Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Dies ist jedoch erst nach einigen Tagen möglich, da der Körper Zeit braucht, um passende Antikörper als Antwort auf das Virus zu produzieren. Dieses Testverfahren ist nicht beweisend für Gelbfieber, sondern muss im Zusammenhang mit weiteren Befunden gesehen werden. Weil das Gelbfiebervirus anderen Viren ähnelt, kann der Test anschlagen, obwohl keine Gelbfieberinfektion vorliegt.

Das Virus ist auch in Leberzellen nachweisbar. Eine Probeentnahme ist jedoch aufgrund der erhöhten Blutungsgefahr während der Erkrankung nicht sinnvoll.

Manche auffällige Laborergebnisse können – unter anderem – auf eine Gelbfieberinfektion hindeuten: zum Beispiel eine Eiweißausscheidung im Urin, Gerinnungsstörungen, eine Erhöhung der Leberwerte als Zeichen der Leberschädigung, sowie eine verringerte Zahl an Blutplättchen.

Therapie: Wie kann man Gelbfieber behandeln?

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich. Die Maßnahmen beschränken sich auf das Lindern der Symptome: Der Arzt empfiehlt zum Beispiel Maßnahmen zur Fiebersenkung, eine Flüssigkeitsgabe oder Schmerzmittel. Verläuft die Krankheit schwer, ist eine Behandlung auf der Intensivstation nötig.

Vorbeugung: Wie kann man sich vor Gelbfieber schützen?

Schutz vor Mückenstichen: Gelbfieber wird von tagaktiven Mücken übertragen. Wer in Verbreitungsgebiete reist, sollte sich deshalb möglichst effektiv vor Stichen schützen – zum Beispiel weite, helle Kleidung und festes Schuhwerk tragen. Das Imprägnieren der Kleidung mit Mücken-abwehrenden Stoffen (Repellentien) bietet einen guten zusätzlichen Schutz über mehrere Wochen. Unabhängig davon ist ein Hautschutz mit Repellentien wichtig. Bei der Auswahl geeigneter Produkte kann die Apotheke helfen.


Impftermin beim Arzt: Bei Reisen in Gelbfieber-Regionen empfiehlt sich meist eine Gelbfieber-Impfung

Your Photo Today/Phanie

Gelbfieberimpfung: Wer eine Reise in Gelbfieber-Gebiete in Südamerika, Mittelamerika oder Afrika plant, sollte sich unbedingt vorab an seinen Arzt wenden. In der Regel ist eine Gelbfieberimpfung mit einem Lebendimpfstoff ratsam. Ein Impfschutz besteht für mindestens 10 Jahre.

Im Rahmen der Impfung können leichte Nebenwirkungen auftreten. Schwerere Nebenwirkungen kommen bei der Erstimpfung älterer Personen vor. Sehr selten tritt hier eine "yellow fever-associated visceral disease" (YEL-AVD) auf. Über 60-jährige sollten daher nur bei hohem Infektionsrisiko geimpft werden. Für Menschen mit Abwehrschwäche (zum Beispiel durch Einnahme bestimmter Medikamente) und bei Hühnereiweißallergie ist der Impfstoff nicht geeignet.

Ob die Gelbfieberimpfung infrage kommt und welche Risiken oder Nebenwirkungen damit verbunden sein können, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Da es sich um eine reisespezifische Impfung handelt, werden die Kosten nicht generell von den Krankenkassen übernommen. Einzelne gesetzliche und private Krankenversicherungen bieten eine Übernahme der Kosten für Reiseimpfungen und damit auch der Gelbfieberimpfung an. Nachfragen kann sich also lohnen.


Achtung: Für die Einreise in bestimmte Länder ist ein Impfnachweis vorgeschrieben! Sie verlangen eine Impfbescheinigung im Impfausweis mit dem offiziellen Impfsiegel der Gesundheitsbehörden durch eine ermächtigte Gelbfieberimpfstelle. Gegebenenfalls kann die Einreise verweigert werden. Kommt eine Befreiung von der Impfpflicht aus medizinischen Gründen infrage, kann der Arzt ein entsprechendes Impfbefreiungszeugnis (Exemption Certificate) ausstellen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass das Zertifikat anerkannt wird.


Gelbfieber: Geschichte

Die Ursprünge des Gelbfiebers liegen sehr wahrscheinlich in Zentral-Afrika. Durch den Schiffsverkehr gelangte die Erkrankung im 15. Jahrhundert nach Südamerika. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu mehreren großen Epidemien in Afrika, Südamerika und auch Europa mit tausenden von Toten.

Schon 1881 vertrat der kubanische Arzt Carlos Juan Finlay erstmals die These, die Erkrankung werde durch Mücken übertragen. Doch erst nach der amerikanischen Invasion Kubas 1961, während der die Erkrankung 13 Mal mehr Todesopfer forderte als die militärischen Auseinandersetzungen, konnte der Übertragungsweg durch Mücken bewiesen werden.

1927 gelang Adrian Stokes die Isolierung des Virus aus Affen in Westafrika. Jetzt ließen sich Impfstoffe entwickeln. Der 1937 entwickelte D 17 Impfstoff wurde in Hühnereiern gezüchtet und brachte seinem Erfinder Max Theiler knapp fünfzehn Jahre später den Nobelpreis für Medizin ein. Parallel entwickelte ein französisches Forscherteam den Impfstoff FNV, der jedoch mit einer erhöhten Rate von Gehirnentzündungen bei Kindern einherging und seit 1961 nicht mehr empfohlen wird.

Trotz Versuchen die Gelbfiebermückenverbreitung zu kontrollieren und intensiven Impfprogrammen gelang die Ausrottung des Virus weder in Afrika, noch in Südamerika. Noch heute besteht in vielen Ländern hohe Ansteckungsgefahr. In den letzten 30 Jahren haben die Gelbfieberfälle weltweit wieder deutlich zugenommen.

Autor: Dr. med. Markus Frühwein, Vorstand der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie, Getty Images/Kallista Images, Getty Images//PhotoResearchers, W&B/Christine Beckmann, W&B/Privat
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