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Schweres Schädel-Hirn-Trauma

Zusammenfassung:
Bei einem schweren Schädel-Hirn Trauma werden Gehirnsubstanz und Blutgefäße durch äußere Gewalteinwirkung schwer beschädigt. Das zieht anhaltende Störungen der Gehirnfunktion nach sich, die je nach betroffener Region unterschiedlich ausfallen können.
Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ist immer mit einer langen Bewusstlosigkeit verbunden, aus der der Betroffene am Unfallort meist nicht mehr erwacht. Bei länger dauernder Bewusstlosigkeit sofort den Rettungsdienst rufen. Der Betroffene braucht eine Versorgung auf der Intensivstation.
Lähmungen, Ausfälle von Sinnesorganen und epileptische Anfälle, vor allem aber Veränderungen der Persönlichkeit sind mögliche Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas. Zur Behandlung müssen alle Möglichkeiten der medizinischen Behandlung und Rehabilitation ausgeschöpft werden. Manche Betroffene verfallen in ein unter Umständen jahrelang anhaltendes Koma.




Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma werden Gehirnsubstanz und Blutgefäße durch äußere Gewalteinwirkung schwerst beschädigt. Blutungen im Schädelinneren treten auf und Hirngewebe wird zerstört. Die Verletzungen stören und zerstören Nervenzellen im Gehirn, das zieht schwere und schwerste Störungen der Gehirnfunktionen nach sich.

Ursachen

Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ist meist die Folge eines sehr heftigen Aufpralls mit dem Kopf oder eines starken Schlags auf den Kopf. Laut einer US-amerikanischen Untersuchung gehen 80 Prozent der schweren und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumen auf Verkehrsunfälle zurück. Rund 15 Prozent passieren im Haushalt, dann folgen Gewalttaten (auch eine Schussverletzung ist ein schweres Schädel-Hirn-Trauma) sowie Arbeit und Sport.

Mögliche Folgeerkrankungen
Bei vielen Betroffenen führt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu weitreichenden Behinderungen. Die häufigsten Dauerschäden nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma sind Lähmungen, neurologische Ausfälle und psychische Veränderungen.
Ausfall von Gehirnnerven
Der Geruchsnerv fällt bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma häufig aus. Das passiert schon beim Unfall, der Betroffene merkt es aber meist erst Wochen oder Monate danach, wenn wieder Alltag eingekehrt ist. Diese Störung geht bei einem Drittel nach ungefähr einem Jahr vorbei.
Der Sehnerv kann so geschädigt sein, dass der Betroffene unheilbar erblindet. Eine Lähmung der Augenmuskeln hingegen geht fast immer vorbei.
Zerrungen oder Unterbrechungen der Hörnerven können zu Hörstörungen bis hin zur Taubheit führen, die relativ häufig bleibt. Gleichgewichtsstörungen sind ebenfalls möglich.
Schluckstörungen und Heiserkeit in Folge von Nervenschädigungen treten vor allem dann auf, wenn die Gehirnprellung mit einem schweren Schädelbasisbruch kombiniert ist.
Die Schädigung von Gehirnteilen
kann sich als halbseitige oder vollständige Lähmung äußern, als eingeschränktes Sehfeld oder als Sprachstörungen. Die Lähmungen können eine Körperhälfte oder den ganzen Körper betreffen. Der Verletzte kann Schwierigkeiten haben, das Gleichgewicht zu halten. Die Koordination der einzelnen Körperteile kann teilweise verloren gehen, sodass die Bewegungen unkontrolliert werden. Verkrampfungen der Muskeln (Spastik) können zu unnatürlichen Haltungen der Gliedmaßen führen.
Psychisch-organische Auswirkungen
Nach der akuten Phase können indirekte Verletzungsfolgen auf psychisch-organischer Ebene auftreten. Sie können sich in starker Verwirrung, körperlicher und geistiger Unruhe sowie Halluzinationen und zusammenhanglosem Reden äußern. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Medikamente zur Vorbeugung sind in Erprobung.
Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und des Denkvermögens können das ganze Leben anhalten. Lern- und Gedächtnisstörungen treten bei 65 Prozent der Patienten auf. Störungen der Aufmerksamkeit, zum Beispiel der Konzentration, bei 80 Prozent.
Psychische Beeinträchtigungen
Je länger die Bewusstlosigkeit durch den Unfall anhält, umso eher treten dauernde Schäden des Gehirns auf, die sich auf psychischer Ebene zeigen.
Die Persönlichkeit des Menschen kann sich sehr verändern. Charaktereigenschaften, die vorher in Ansätzen vorhanden waren, können dominant und unkontrolliert hervortreten. Viele Betroffene neigen zu Depressionen. Extreme wie totale Antriebslosigkeit oder ungebremste Aggressivität können auftreten. Die seelische Belastbarkeit ist oft sehr gering. Viele Menschen mit einer schweren Hirnverletzung sind durch die psychischen Veränderungen stärker beeinträchtigt als durch körperliche Verletzungsfolgen.
Epileptische Anfälle
können auftreten.
Bewusstlosigkeit
Der Verletzte kann in eine Wochen, Monate oder länger dauernde Bewusstlosigkeit verfallen (Koma, apallisches Syndrom, Locked-In-Syndrom). Das kommt jedoch selten vor.

Beschwerden

Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma führt fast immer zu einer langen Bewusstlosigkeit, aus der der Betroffene am Unfallort meist nicht erwacht. Falls er erwacht, ist er benommen und kann sich nicht an die Ereignisse vor dem Unfall erinnern. Erinnerungslücken betreffen auch Geschehnisse nach dem Aufwachen. Je länger die Bewusstlosigkeit dauert, umso schwerer ist das Gehirn verletzt.
Es kommt zu starken Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Erbrechen. Oft hört der Verletzte plötzlich schlecht oder gar nicht mehr.
Bei manchen rinnt Hirnwasser, das Gehirn und Rückenmark umspült, aus Ohren oder Nase. Das normalerweise farblose Hirnwasser (Liquor) ist gelblich oder rötlich gefärbt. Die Färbung wird durch Blut hervorgerufen, das aus gerissenen Blutgefäßen austritt.

Diagnose

Erste Hilfe zu leisten und den Rettungsdienst zu verständigen sind die wichtigsten Sofortmaßnahmen.
Wenn Lebensfunktionen wie Atmung, Herztätigkeit und Kreislauf stabilisiert sind, können die Verletzungen untersucht werden. Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma sind oft wichtige Körperfunktionen ausgefallen und müssen ersetzt werden.
Nach einer medizinischen Erstversorgung kann mit einer Röntgenuntersuchung nach Verletzungen wie Knochenbrüchen gesucht werden, vor allem bei der Halswirbelsäule (Lähmungsgefahr). Ein Schädelröntgen zeigt, ob der Schädel gebrochen ist.
Mit Hilfe einer Computertomografie kann man erkennen, wie schwer wiegend Blutungen und Gewebeschäden im Gehirn sind. Das volle Ausmaß des Schadens ist oft erst nach 24 bis 48 Stunden sichtbar.
Wie sehr die Funktion des Gehirns beeinträchtigt ist, zeigt der neurologische Befund. Dabei wird die Reaktion der Augen, die Beherrschung der Gliedmaßen und das Sprechvermögen untersucht. Bei bewusstlosen Patienten werden unter anderem Reflexe überpüft - zum Beispiel, ob die Pupillen auf Licht reagieren oder ob sich die Augen mitdrehen, wenn der Kopf auf die Seite gelegt wird. Informationen über den Funktionszustand des Gehirns können durch Messungen der Gehirnströme gewonnen werden.
Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor. Sie können mit einem EKG genauer diagnostiziert werden.
Unter Umständen wird später auch eine Kernspintomografie gemacht, weil damit auch sehr feine Verletzungen des Gehirns erkennbar sind. In der Akutphase ist diese Untersuchung aber nicht wichtig.

Behandlung

Bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ist eine Betreuung in der Intensivstation notwendig.
Zuerst werden die Lebensfunktionen Atmung, Herztätigkeit und Kreislauf stabilisiert. Bei der Erstversorgung können auch Operationen nötig sein, häufig um Blutansammlungen im Schädelinneren (Gehirnblutungen) zu entfernen.
Eine sofortige Operation ist dann notwendig, wenn bei einem Schädelbruch Schädelknochen stärker verrutscht sind, Knochenstücke auf das Gehirn drücken oder wenn es sich um einen offenen Schädelbruch, womöglich einen Trümmerbruch, handelt. Bei dieser Operation geht es darum, die Wunde für eine Heilung zu verschließen und das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern. Zu diesem Zweck bekommt der Patient auch Antibiotika.
Durch die Schädigung des Gehirns ausgefallene Körperfunktionen müssen oft längere Zeit ersetzt werden. Oft braucht der Patient künstliche Beatmung und Ernährung. Zur Ableitung des Urins ist häufig ein Katheter notwendig, der über die Harnröhre in die Blase gelegt wird.
Die kontinuierliche Überwachung des Blutdrucks wird häufig mit einem dünnen Plastikschlauch in einer kleinen Schlagader an Handgelenk, Fußrücken oder Ellenbeuge durchgeführt. Aus dieser Kanüle können Blutproben entnommen, um daraus wichtige Laborwerte zu bestimmen. Die Kontrolle der Körpertemperatur lässt sich über eine Temperatursonde in Speiseröhre oder After durchführen.
Der Hirndruck wird ebenfalls ständig mit einer Sonde kontrolliert.

Medikamentöse Behandlung
Wenn der Patient in den ersten Tagen nach dem Unfall mehr als einen epileptischen Anfall hat, wird er mit einem Antiepileptikum behandelt. Leidet der Verletzte unter großer Unruhe, bekommt er Beruhigungsmittel (Morphin). Zur Thromboseprohylaxe bekommt der Patient niedermolekulares Heparin.
Eine gut durchgeführte Schmerztherapie verringert die Beschwerden beträchtlich. Im Akutstadium können als Schmerzmittel Opiate eingesetzt werden, später reichen nichtsteroidale Antirheumatika.
Die sonstige medikamentöse Behandlung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten und kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welche Organfunktionen aufrecht erhalten werden müssen. Der Körper verbraucht nach einer schweren Gehirnverletzung sehr viel Energie. Die Patienten bekommen durch künstliche Ernährung 4000 bis 5000 Kalorien pro Tag, sonst würden sie in einer Woche bis zu 15 Prozent ihres Körpergewichts verlieren.
In manchen Fällen ist es sinnvoll, den schwer Verletzten in ein künstliches Koma zu versetzen. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit weiterer Schäden verringert werden. Narkosemittel und Beruhigungsmittel halten den Verletzten in einem Tiefschlaf ohne Bewusstsein und Schmerz.

Behandlung eines Hirndruckanstiegs
Die am meisten gefürchtete Folge von mittelschweren und schweren Schädel-Hirn-Traumen ist ein Hirndruckanstieg durch Blutungen im Schädelinneren, Ödeme oder eine allgemeine Schwellung des Gehirns. In den ersten Tagen drohen vor allem Blutungen als Auslöser, in der zweiten Hälfte der ersten Woche Ödeme. Bei einem Anstieg des Gehirndrucks besteht Lebensgefahr, weil innere Teile des Gehirns zusammengedrückt werden. Dadurch können alle Nervenbahnen zwischen Gehirn und Körper und die Blutzufuhr ins Gehirn unterbrochen werden.
Anzeichen für einen Anstieg des Gehirndrucks sind Eintrübung des Bewusstseins, Erbrechen, Unterschiede in der Größe der Pupillen und eine halbseitige Gliederschwäche oder Lähmung. Ist der Betreffende bei Bewusstsein, klagt er über starke Kopfschmerzen.
Zu den Maßnahmen, die einen Hirndruckanstieg verhindern beziehungsweise einen schon erhöhten Gehirndruck senken sollen, gehört die halb aufgerichtete (30°) Lagerung des Oberkörpers, damit das Blut besser abfließen kann. Ist der Hirndruck schon erhöht, wird mit einem Katheter eine Drainage in Kopf oder Rückenmark gelegt, um Hirnwasser abfließen zu lassen. Bei der medikamentösen Behandlung eines erhöhten Hirndrucks stehen hochprozentige Lösungen von Zuckern wie Mannit oder von Salzen an erster Stelle. Sie entziehen dem Gehirn Flüssigkeit. Barbiturate und Kortikosteroide zu diesem Zweck sind umstritten.

Risiken und Komplikationen
Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma können im Schädelinneren Blutungen auftreten, die anfangs so klein sind, dass sie erst nach Wochen oder Monaten entdeckt werden, wenn sich größere Mengen Blut angesammelt haben. So ein chronisches subdurales Hämatom ist weniger gefährlich als eine Blutung im akuten Stadium, äußert sich aber ähnlich durch Kopfschmerzen, Benommenheit und Verwirrung. Meist kann die Blutansammlung durch eine kleine Öffnung im Schädel entfernt werden, manchmal sind größere Operationen nötig. Risikofaktoren: höheres Lebensalter (über 60 Jahre), Blutgerinnungsstörungen und Alkoholmissbrauch.

Rehabilitation
Die Rehabilitation wird den jeweiligen Ausfallserscheinungen angepasst. Die Dauer richtet sich nach der Schwere der Beeinträchtigungen. Im Vordergrund steht die Hilfe zur Selbsthilfe und die Förderung der individuellen Leistungsfähigkeit. Der Patient darf aber weder seelisch noch körperlich überfordert werden. Zeitdruck zum Beispiel wirkt sich sehr negativ aus. Vom Konsum von Alkohol ist dringend abzuraten.
Die Frührehabilitation wird in einem Akutkrankenhaus durchgeführt, weil die Patienten noch viel medizinische Betreuung brauchen. Anfangs können schon Ansprache, Berührungen und eine sitzende Haltung zu einer Besserung der Bewusstseinslage führen. Schon im Akutkrankenhaus kann eine psychologische Betreuung für Schädel-Hirn-Trauma-Patienten sehr hilfreich sein.
Der Patient findet sich nach dem Unfall in einer Situation wieder, die meist über die Grenzen seiner seelischen Belastbarkeit geht. Enge Bezugspersonen können ihm wichtige seelische Unterstützung geben, weil vor allem sie ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln können.
Unmittelbar nach dem Akutkrankenhaus sollte ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik folgen.
Die Neurorehabilitation kann verlorene Körperfunktionen zum Teil wieder zurück bringen. Zerstörte Nervenzellen können sich zwar nicht regenerieren. Es kann aber zur Umorganisation von Hirnarealen (Plastizität des Gehirns) kommen, sodass manche Hirnfunktionen wieder neu erlernt werden können. Auch bei den Nerven, die den Körper versorgen, sind Umorganisationsprozesse möglich. Die Neurorehabilitation unterstützt diese Umorganisationsprozesse einschließlich der davon abhängigen Muskulatur.
Eine effektive Neurorehabilitation braucht das Zusammenwirken mehrerer therapeutischer Bereiche. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie (Logopädie), Psychologie und Sozialarbeit. Den größten Beitrag zur Genesung von Schädel-Hirn Trauma-Patienten leistet die Physiotherapie. Mit physiotherapeutischen Methoden können Bewegungsfähigkeit und Mobilität des Patienten mit Lähmungserscheinungen gefördert und teilweise auch wieder erlangt werden. Anfangs werden die Gliedmaßen nur bewegt, im Lauf der Zeit werden sie immer stärker beansprucht. Störungen bei den Grob- und Feinbewegungen sowie in der Koordination werden verbessert. Die Sensibilität beeinträchtigter Körperteile kann wieder gesteigert werden. Die Ergotherapie hilft bei der Bewältigung des Alltags trotz körperlicher Beeinträchtigungen. Die Funktion der Hände und der Arme steht dabei im Vordergrund. Dabei geht es um selbstständige Nahrungsaufnahme, Körperpflege oder Benutzung von Gegenständen im Haushalt. Auch die Beschäftigung mit verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten kann den Genesungsprozess fördern. Mit Methoden der Logopädie werden Beeinträchtigungen des Sprechvermögens, aber auch der non-verbalen Kommunikation (Gesten, Mimik) behandelt. Auch an der Wiederherstellung von zeitlicher und räumlicher Orientierung wird gearbeitet. Die Fähigkeit zu Lesen oder Schreiben oder der Umgang mit Zahlen kann dadurch deutlich gebessert werden. Bei sehr schweren Hirnverletzungen muss der Patient damit beginnen, einzelne Laute wieder zu erlernen. Manchmal kann die Kommunikationsfähigkeit nur über Hilfsmittel wie Zeigetafeln oder spezielle Computersysteme erhalten werden.
Logopäden arbeiten auch mit dem Patienten, wenn es um die Behebung von Schluckstörungen geht. Massage (klassische Massage, Bindegewebsmassage, Lymphdrainage, Reflexzonenmassage) hat positive Auswirkungen auf Muskulatur und Bindegewebe. Dasselbe gilt auch für schmerzlindernde oder muskelaktivierende Elektrotherapie und transkutane Nervenstimulation (TENS) .
Wenn Störungen der höheren Gehirnleistungen im Vordergrund stehen, wenn es also um Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit, des Gedächtnisses und des problemlösenden Denkens geht - dann ist die Unterstützung von Psychologen besonders wichtig. Störungen der Aufmerksamkeit führen oft auch zu Angstzuständen. Die verschiedensten Freizeitbeschäftigungen wie Musiktherapie können eine sinnvolle Ergänzung der Rehabilitation sein. Spiel, Kunst, Musik, Werken und Sport können vielen Patienten helfen, mit dem Leben wieder besser zurecht zu kommen. Besonders gute therapeutische Erfolge werden bei Lähmungen oft mit Pferden (Hippotherapie) erzielt.
Sozialpädagogen können den Patienten auf verschiedene Art und Weise helfen, mit dem neuen Leben zurecht zu kommen. Das reicht von der Beschaffung eines Behindertenausweises über Unterstützungszahlungen bis zur Begleitung therapeutischer Arbeitsversuche und der Suche nach einem entsprechenden Arbeitsplatz.

Heilungschancen
Jeder zweite Patient mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma stirbt an den unmittelbaren Folgen seiner schweren Verletzungen. Über zwei Drittel der Betroffenen weisen neben der Hirnverletzung weitere unfallbedingte Schäden auf. Besonders schwer wiegen zusätzliche Verletzungen des Rückenmarks. Besonders in der akuten Phase, die einige Wochen dauern kann, können die Ärzte keine Aussagen darüber machen, ob und wie der Verletzte überleben wird. Nach der akuten Phase beginnt der Patient langsam zu erwachen und auf äußere Reize zu reagieren. Er öffnet die Augen, wenn man ihn anspricht, und beginnt sich zu bewegen. Nun können die Ärzte sagen, ob er seine Verletzungen überstehen wird. Nun zeigt sich auch langsam, ob neurologische Ausfallserscheinungen wie Lähmungen oder Sprachstörungen zu erwarten sind. Eine genaue Prognose ist aber noch immer nicht möglich. Der Endzustand nach schweren Kopfverletzungen ist im Allgemeinen erst nach zwei bis drei Jahren erreicht. Danach bessern sich neurologische Ausfallserscheinungen trotz intensiver Rehabilitation kaum noch. Viele der Überlebenden behalten schwere Behinderungen, können aber trotzdem in ihr früheres Arbeits- und Familienleben zurückkehren. Einige wenige Prozent bleiben hilflos und sehr wenige werden wieder völlig gesund.

Leben mit der Krankheit

Psychologische Betreuung
Je schwerer die Folgen der Verletzung, umso wichtiger ist diese Art der Unterstützung.
Auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann das Leben mit körperlichen Beeinträchtigungen und seelischen Lasten wesentlich erleichtern.

Ergänzende Maßnahmen
Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformendie, in späterer Folge nach der akuten Phase angewendet werden können, wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.
Mit Akupunktur und Akupressur können anhaltende Schmerzen und Muskelverspannungen gelindert werden.
Unkonventionelle, wissenschaftlich nicht anerkannte Therapieverfahren, die aber von Einzelpersonen als hilfreich empfunden werden: In manchen Fällen können anhaltende Schmerzen durch Anthroposophische Medizin, Bach-Blütentherapie, Aromatherapie oder Reflextherapie gelindert werden. Entspannungstechniken wie Biofeedback können ebenfalls positive Wirkung zeigen.
Abgeraten wird von Zell- und Organotherapien, bei denen Produkte aus Geweben neugeborener Tiere oder aus Tierföten injiziert oder geschluckt werden. Dabei kann es zu allergischen Reaktionen bis zum tödlichen Schock kommen. Außerdem ist die Übertragung von Krankheitserregern nicht auszuschließen.

Hilfen für den Alltag
Hilfen, die das Leben mit der Behinderung erleichtern, reichen von speziellem Besteck, Tellern mit erhöhtem Rand oder Schnabeltassen über Gehhilfen und Treppenlift bis zum Luftkissenbetten. Neben nützlichen Hilfsmitteln sind auch zahlreiche sinnlose Produkte am Markt. Ergotherapeuten und Physiotherapeuten helfen bei der Auswahl geeigneter Hilfsmittel für die Alltagsbewältigung nach einem Schädel-Hirn-Trauma.

Betreuung zu Hause
Je nach Schwere der Verletzung und ihrer Folgen brauchen die Betroffenen Betreuung und Pflege. Viele Erkrankte wünschen sich eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden. Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.

Nachuntersuchungen
Nachuntersuchungen sind erforderlich, solange Verletzungsfolgen bestehen, und werden im Allgemeinen in dem Krankenhaus durchgeführt, das die Betreuung nach der Intensivstation durchgeführt hat. Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ist auch ein enger und regelmäßiger Kontakt mit dem Hausarzt sinnvoll.
 

Letzte Aktualisierung:
21.09.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Karin Gruber
Experten für diese Seite:
Univ. Doz. DDr. med. Josef Finsterer (Neurologie)
Univ. Doz. Dr. med. Günther Kleinpeter (Neurochirurgie)
Dr. med. Thomas Sycha (Pharmakologie)


Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.


Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010

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