80 Prozent der schweren und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumen gehen auf Verkehrsunfälle zurück. (Im Bild: Kernspin-Aufnahme eines gesunden Gehirns)
Zusammenfassung:
Ein Aufprall oder Schlag auf den Kopf können das Gehirn so schwer erschüttern, dass es zu Verletzungen an Gehirnmasse und Blutgefäßen kommt. Das zieht einen länger dauernden Funktionsausfall des Gehirns nach sich. Die Betroffenen sind nach dem Ereignis längere Zeit bewusstlos und haben dann Erinnerungslücken. Sofort den Rettungsdienst verständigen.
Die Behandlung im Krankenhaus beginnt mit der Schockbekämpfung, eine Schmerztherapie ist notwendig und eine sorgfältige Beobachtung des Betroffenen, um Merkmale einer Gehirnblutung so schnell wie möglich erkennen zu können.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird nach einer Gehirnprellung wieder völlig gesund. An Spätfolgen kann ein postkontusionelles Syndrom auftreten oder eine Gehirnblutung. Manchmal kommt es zu einem bleibenden Ausfall von Gehirnnerven. Am häufigsten sind davon der Geruchsnerv und der Hörnerv betroffen. Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Rehabilitation nach einer Gehirnprellung.
| | ||||||
| Quetschungen und Prellungen am Kopf können zu Verletzungen von Gehirnsubstanz und Blutgefäßen führen. Der Hauptschaden liegt meist in der Gehirnrinde, oft an Stirn oder Schläfen. Häufig kommt es auch an der gegenüberliegenden Seite zu Schäden, weil die Gehirnmasse durch die Wucht des Aufpralls dorthin geschleudert wird. Verletzungen im Inneren des Gehirns werden durch den teilweise scharfkantigen Schädelknochen verursacht. Die Verletzungen führen zu einem Ausfall von Gehirnzellen, der schwer wiegende Störungen der Gehirnfunktionen nach sich ziehen kann. Eine Gehirnprellung wird auch als mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet. | ||||||
Ursachen | ||||||
| Die meisten Gehirnprellungen werden durch einen heftigen Stoß oder Schlag auf den Kopf beziehungsweise durch einen Aufprall verursacht. Laut einer US-amerikanischen Untersuchung gehen 80 Prozent der schweren und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumen auf Verkehrsunfälle zurück. Rund 15 Prozent passieren im Haushalt, dann folgen Gewalttaten (auch eine Schussverletzung wird als schweres Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet), Arbeit und Sport. | ||||||
Mögliche Folgeerkrankungen Eine vollständige Regeneration ist nicht immer möglich. Zu den häufigen Spätfolgen einer Gehirnprellung gehören wiederkehrende Kopfschmerzen und Gedächtnisstörungen. Manche Betroffene leiden unter depressiven Verstimmungen (postkontusionelles Syndrom), die längere Zeit anhalten können. Auch epileptische Anfälle können auftreten. Nach Wochen oder Monaten kann es zu einer Blutung im Schädelinneren kommen (chronisches subdurales Hämatom). Ein Ausfall von Gehirnnerven kann zu bleibenden Beeinträchtigungen führen. Hörstörungen sind dabei am häufigsten. Risikofaktoren für alle Formen von Komplikationen und Spätfolgen sind weitere schwere Verletzungen, Bewusstlosigkeit länger als 24 Stunden, Gehirnblutungen in der Akutphase, epileptische Anfälle in den ersten Tagen und höheres Alter. | ||||||
Beschwerden | ||||||
| Der Betroffene ist oft längere Zeit bewusstlos. Je länger die Bewusstlosigkeit dauert, umso schwerer ist das Gehirn verletzt. Auf die Bewusstlosigkeit folgt ein Zustand der Benommenheit mit Erinnerungslücken. Der Verletzte kann sich meist nicht daran erinnern, was vor dem Unfall passiert ist. Oft verschwinden auch Ereignisse nach dem Aufwachen aus dem Gedächtnis. Dazu kommen starke Kopf- und Nackenschmerzen und Erbrechen. Oft ist dem Betroffenen schwindlig und er hört plötzlich schlecht oder gar nicht. | ||||||
Diagnose | ||||||
| Zuerst wird nach Verletzungen wie Knochenbrüchen gesucht, vor allem bei der Halswirbelsäule (Lähmungsgefahr). Besonders Kinder sind hier empfindlich. Ein Schädelröntgen zeigt, ob der Schädel gebrochen ist. Mit Hilfe einer Computertomografie kann man erkennen, wie schwer wiegend die Blutungen und Gewebeschäden im Gehirn sind. Das volle Ausmaß des Schadens ist oft erst nach 24 bis 48 Stunden sichtbar. Möglichst rasch sollte eine Kernspintomografie gemacht werden, weil damit auch sehr feine Verletzungen des Gehirns erkennbar sind. Ob und wie sehr die Funktion des Gehirns beeinträchtigt ist, zeigt der neurologische Befund. Dabei wird die Reaktion der Augen, die Beherrschung der Gliedmaßen und das Sprechvermögen überprüft. Bei bewusstlosen Patienten werden unter anderem Reflexe überprüft - zum Beispiel, ob die Pupillen auf Licht reagieren oder ob sich die Augen mitdrehen, wenn der Kopf auf die Seite gelegt wird. Herzrhythmusstörungen kommen bei einer Gehirnprellung relativ häufig vor. Sie können mit einem EKG genauer diagnostiziert werden. | ||||||
Behandlung | ||||||
| Erste Hilfe leisten und den Rettungsdienst verständigen sind die ersten und entscheidenden Maßnahmen. Surfmed hilft bei der Wahl des nächstgelegenen Krankenhauses. Der Verletzte muss sofort ins Krankenhaus, wo er ungefähr eine Woche zur Betreuung und Beobachtung bleibt. An erster Stelle steht die Schockbekämpfung, also die Stabilisierung von Atmung und Kreislauf. Zur Stabilisierung des Kreislaufs eignen sich zum Beispiel Sympathomimetika. Eine gut durchgeführte Schmerztherapie verringert die Beschwerden beträchtlich.. Im Akutstadium können als Schmerzmittel Opiate eingesetzt werden, später reichen nichtsteroidale Antirheumatika. Wenn der Patient in den ersten Tagen nach dem Unfall mehr als einen epileptischen Anfall hat, müssen Antiepileptika eingesetzt werden. Die weitere medikamentöse Behandlung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten und kann daher sehr unterschiedlich sein. Die am meisten gefürchtete Folge von mittelschweren und schweren Schädel-Hirn-Traumen ist ein Anstieg des Gehirndrucks durch eine Blutansammlung im Schädelinneren (Gehirnblutung), Ödeme oder eine allgemeine Schwellung des Gehirns. In den ersten Tagen drohen vor allem Blutungen, in der zweiten Hälfte der ersten Woche Ödeme. Bei einem Anstieg des Gehirndrucks besteht Lebensgefahr, weil innere Teile des Gehirns zusammengedrückt werden. Dadurch können alle Nervenbahnen zwischen Gehirn und Körper und die Blutzufuhr ins Gehirn unterbrochen werden. Anzeichen für einen Anstieg des Gehirndrucks sind zunehmende Kopfschmerzen, Erbrechen, eine neuerliche Eintrübung des Bewusstseins, Unterschiede in der Größe der Pupillen und eine halbseitige Gliederschwäche oder Lähmung. Um den Gehirndruck zu senken, wird der Oberkörper des Verletzten halb aufgerichtet (30°), damit das Blut besser abfließen kann. Bei der medikamentösen Behandlung stehen hochprozentige Lösungen von Zuckern wie Mannit oder von Salzen an erster Stelle. Sie entziehen dem Gehirn Flüssigkeit. Barbiturate oder Kortikosteroide zu diesem Zweck sind umstritten. In Kopf oder Rückenmark kann eine Drainage mit einem Katheter gelegt werden, um Liquor (Hirnwasser) abfließen zu lassen. Eine Blutansammlung kann in den meisten Fällen durch eine kleine Öffnung im Schädelknochen entfernt werden. | ||||||
Rehabilitation Wenn es zu größeren Beeinträchtigungen kommt, wie es bei Ausfällen von Gehirnnerven der Fall sein kann, ist ein Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik sinnvoll. Die Neurorehabilitation kann verlorene Körperfunktionen zum Teil wieder zurück bringen. Zerstörte Nervenzellen können sich zwar nicht regenerieren, es kann aber zur Umorganisation von Hirnarealen kommen ("Plastitzität" des Gehirns), sodass manche Hirnfunktionen wieder neu erlernt werden können. Auch bei den Nerven, die den Körper versorgen, sind Umorganisationsprozesse möglich. Die Neurorehabilitation unterstützt diese Umorganisationsprozesse und auch die von den Nerven abhängige Muskulatur. Eine effektive Neurorehabilitation braucht das Zusammenwirken mehrerer therapeutischer Bereiche. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, Psychologie und Sozialarbeit. | ||||||
Physikalische Therapie Die Physiotherapie muss gezielt den jeweiligen Ausfallserscheinungen angepasst werden. Ihre Dauer richtet sich nach der Schwere der Beeinträchtigungen. Physiotherapeutische Methoden können bei Gleichgewichtsstörungen zum Beispiel zu einer deutlichen Besserung führen. Eine große Rolle dabei spielt die Schulung einer aufrechten Körperhaltung. | ||||||
Heilungschancen Mehr als die Hälfte der Patienten mit einer Gehirnprellung wird wieder völlig gesund. Zum Tod führt eine Gehirnprellung sehr selten. Wenn, dann liegt die Ursache in einer anfangs nicht erkennbaren Gehirnverletzung, die meist zu einem Anstieg des Gehirndrucks führt. Verletzungsfolgen, die nach zwei bis drei Jahren noch nicht abgeklungen sind, gehen wahrscheinlich nicht mehr völlig zurück. Gehirngewebe kann sich nicht regenerieren. | ||||||
| ||||||
Leben mit der Krankheit | ||||||
| Körperliche Folgen wie der Ausfall von Gehirnnerven und psychische Auswirkungen können oft in einer Selbsthilfegruppe leichter bewältigt werden, Informationen über solche Selbsthilfegruppen erhält man meist schon im Krankenhaus bzw. Rehabilitationszentrum. | ||||||
Psychologische Beteuung Eine psychologische Betreuung kann zur Bewältigung der psychischen Folgen einer Gehirnprellung beitragen. Sie kann auch helfen, etwaige Angst vor weiteren Unfällen zu verringern. | ||||||
| Ergänzende Maßnahmen Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformen, die in späterer Folge nach der akuten Phase angewendet werden können, wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar. | ||||||
| ||||||
Nachuntersuchungen Bei schwereren Verletzungen ist eine Nachuntersuchung nach sechs Wochen sinnvoll. Nach drei Monaten und einem Jahr sind Kontrollen nach einer Gehirnprellung allgemein üblich. | ||||||
| Letzte Aktualisierung: 21.09.2007 (Patricia Herzberger) |
| Autor: Karin Gruber |
| Experten für diese Seite: Univ. Doz. DDr. med. Josef Finsterer (Neurologie) Univ. Doz. Dr. med. Günther Kleinpeter (Neurochirurgie) Dr. med. Thomas Sycha (Pharmakologie) Dr. Albert Wuschitz (Neurologie) |
Quelle: surfmed;
13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Foto: W&B/ Klinik für Radiologie, Universität Innsbruck
Anzeige