Anschließend sollten die Teilnehmer kurze Geschichten lesen und im Schlaflabor der Universität übernachten. Am nächsten Morgen mussten sie so viele Wörter der Geschichte aufschreiben, wie sie konnten. Die Interleukin-6-Gruppe schnitt dabei besser ab, insbesondere bei den etwas emotionaleren Geschichten.
Wir befragten Professor Jan Born, Leiter der Studie, was die Ergebnisse bedeuten.
Interleukin-6 (IL-6) ist ein zentraler Entzündungsbotenstoff. Wie sind Sie darauf gekommen, dass er vielleicht auch für das Gedächtnis wichtig ist?
Nun, man weiß, dass IL-6 auch auf das Gehirn wirkt. Zudem gab es zuvor bereits Hinweise, dass die Substanz den Tiefschlaf verstärkt. Und dieser ist bekanntlich wichtig für das Verfestigen von Informationen, die wir am Tag aufgenommen haben.
Wir konnten in unserer Studie zeigen, dass durch IL-6 die Tiefschlafphasen zunahmen und die Entzündungssubstanz den Lerneffekt dadurch quasi verstärkt. Es wäre allerdings falsch zu sagen, dass IL-6 direkt das Gedächtnis verbessert.
Sicherlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, dass man im Schlaf lernt. Oder?
Ja, eine ganze Reihe von Faktoren. Wir können auch nicht sagen, dass IL-6 für das Verankern der Informationen im Langzeitgedächtnis eine zentrale Bedeutung hat. Es ist wahrscheinlich ein "Modulator" der Prozesse im Gehirn.
Könnte IL-6, zum Beispiel als Nasenspray, auch einmal therapeutisch genutzt werden?
Das stelle ich mir schwierig vor. Erstens ist die Substanz sehr teuer, zweitens zeigt IL-6 – dosisabhängig – verschiedene Wirkungen. Es verbessert nämlich nur in niedriger Dosierung den Schlaf. Zudem können bei höherer Dosierung Nebenwirkungen wie Fieber auftreten.