Gedächtnis: Wie wir Informationen speichern

Unser Gedächtnis ist ähnlich wie eine große Festplatte. Hier erfahren Sie mehr über Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis und über die Hintergründe von Merkstörungen

von Sandra Schmid, aktualisiert am 14.07.2014

Informationsspeicher Gehirn: Hier fällt die Entscheidung über wichtig und unwichtig

Brand X Pictures/RYF

Können Sie sich noch erinnern, wie Sie Ihren 8. Geburtstag gefeiert haben? Oder wo Sie Ihren ersten Kuss bekamen? Oder an ihren letzten Kinobesuch? Dass wir uns an so viele entscheidende, prägende, aber auch teilweise komplett unwichtige Dinge erinnern können, haben wir unserem Gedächtnis zu verdanken.


Das Gedächtnis ist ein diffuses Konstrukt. Im Gehirn treffen die über die Sinnesorgane eingehenden Informationen zusammen, werden gefiltert, geordnet und unter Umständen länger gespeichert. Damit unser selektiver Erinnerungs-Pool nicht überlastet wird, werden die Daten in verschiedenen Teilen unser Speicherplatten geparkt oder zwischengelagert: im Sensorischen Gedächtnis (oder Ultrakurzzeitgedächtnis), im Kurzzeitgedächtnis oder im Langzeitgedächtnis.

Die gute Nachricht: Gehirn und Gedächtnis lassen sich in gewisser Weise traininieren. Wichtig ist dazu unter anderem der Austausch mit anderen Menschen und entsprechende Anregung. Wer sein Denkorgan fördert und fordert, verbessert damit seine Chancen, geistig fit zu bleiben.

Ultrakurzzeitgedächtnis

Im Ultrakurzzeitgedächtnis werden visuelle oder auditive Informationen für einen kurzen Zeitraum (teilweise sogar weniger als eine Sekunde) gespeichert. Das sensorische Gedächtnis hilft uns so zum Beispiel, Zusammenhänge in Gesprächen oder in einem Film nicht zu verlieren. Oder uns bei der Parkplatzsuche daran zu erinnern, dass wir gerade eben ein Halten-Verboten-Schild gesehen haben. Werden diese Daten nicht innerhalb kürzester Zeit abgerufen oder als relevant bewertet, werden sie gleich wieder gelöscht, um Platz für neue Informationen zu machen. Was von Interesse ist, schafft den Übergang ins Kurzzeitgedächtnis.

Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis wird nicht umsonst auch Arbeitsgedächtnis genannt. Informationen werden darin für Sekunden bis Minuten aufbewahrt. Das begrenzte Kurzzeitgedächtnis speichert diese Daten, um sie wiederzugeben, aber nicht, um sie sich einzuprägen. Wo habe ich denn gerade meine Brille hingelegt? Welche Durchwahl hat mir der Kollege gerade genannt? Ohne Kurzzeitgedächtnis könnten wir unseren Alltag kaum gestalten. Nur wenige dieser Informationen werden vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übertragen, um sie dort langfristig abzuspeichern.

Langzeitgedächtnis

Das Langzeitgedächtnis ist unbegrenzt und dauerhaft. Manchmal kann man sich Erlebnisse oder Lerninhalte ein Leben lang merken. Dabei spielen die Vernetzungen dieser Informationen eine große Rolle: je intensiver diese sind, um so besser lassen sich die Inhalte abrufen. Dieses dauerhafte Einprägen funktioniert durch zwei Systeme: das deklarative (oder explizite) und das implizite.

Das deklarative Gedächtnis speichert Fakten, Handlungsabläufe oder Erlebnisse, die bewusst wiedergegeben werden können. So erinnern wir uns an Kindheitserlebnisse, so merken wir uns wie man ein Spiegelei macht. Oder kennen die Regeln von "Mensch ärgere dich nicht". Jede Gesellschaft hat in diesem Zusammenhang auch ein kollektives semantisches Gedächtnis. Es beinhaltet allgemein gültige Regeln wie beispielsweise Gesetze oder die Verkehrsordnung, damit das Leben in der Gruppe funktioniert.

An die Informationen aus dem impliziten System erinnern wir uns hingegen unbewusst. Beispiel: Wir fallen ins Wasser und denken nicht darüber nach wie schwimmen geht. Wir tun es einfach.

Was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird und was nicht, ist auch das Ergebnis von Übung. Man kann das Gedächtnis also trainieren. Je interessanter und wichtiger man Daten für das Gedächtnis macht, um so eher kann man sie sich merken. Beliebte Eselsbrücken sind Reime ("333, bei Issos Keilerei") oder Assoziationsketten.

Zahlreiche Erkrankungen können die Gedächtnisleistung beeinträchtigen. Die Bandbreite reicht von milden Hirnleistungsstörungen – im Fachjargon "leichte kognitive Störung" – bis hin zur schweren Demenz. Die möglichen Ursachen für eine gestörte Gedächtnisleistung sind zahlreich: Neben organischen und neurologischen Krankheiten wie Stoffwechselstörungen, bestimmten Infektionen, Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit oder einem Hirntumor können auch psychische Leiden wie eine Depression oder aber bestimmte Medikamente hinter Gedächtnisschwierigkeiten stecken.

Wer Merkdefizite bei sich erkennt, sollte daher besser frühzeitig einen Arzt aufsuchen und die Ursache klären lassen. Verordnete Arzneimittel jedoch niemals ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eigenmächtig absetzen!



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