Doch was ist das Gedächtnis? Seinen Sitz hat es im Gehirn. Dort treffen die über die Sinnesorgane eingehenden Informationen ein, werden gefiltert und unter Umständen länger gespeichert. Nach Bruchteilen von Sekunden gehen schon erste Informationen verloren. Ins Kurzeitgedächtnis schaffen es nur solche, die das Gehirn nach der Verknüpfung mit Vorwissen für bedeutend hält.
Das Gedächtnis ist stark gefühlsabhängig. Reagieren Emotionszentren mit, verstärken sich die Reize. Dies erklärt, warum zwei Menschen vom gleichen Ereignis ganz unterschiedlich berichten können. Nur wichtige Informationen werden in der Hirnrinde in festen Nervenverbindungen gespeichert. In diesen Langzeitspeicher überführt der Hippocampus verstärkte Informationen.
Zahlreiche Erkrankungen können die Gedächtnisleistung beeinträchtigen. Diese reichen von milden Hirnleistungsstörungen – im Fachjargon "leicht kognitive Störung" – bis hin zur schweren Demenz. Nicht immer stecken ernsthafte Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit, Creutzfeld-Jakob-Syndrom, Epilepsie oder ein Hirntumor hinter Gedächtnisschwierigkeiten.
Bei zehn bis 15 Prozent der Betroffenen gehen die Merkprobleme auf Krankheiten zurück, die sich heilen oder bessern lassen. Dazu zählen Depressionen, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen oder Schilddrüsenunterfunktion. Ursache können auch nächtliche Atemaussetzer oder bestimmte Medikamente sein.
Zum Schluss die gute Nachricht: Gehirn und Gedächtnis lassen sich traininieren. Wichtig ist der Austausch mit anderen Menschen und ständige Anregung. Wer sein Denkorgan auf Trab hält, hat gute Chancen, lange geistig fit zu bleiben.