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Weibliche Beschneidung:
Auch in Deutschland ein Thema

Mädchenbeschneidung – ein grausames, altertümliches Ritual, das nur in Afrika stattfindet, denken die meisten. Aber auch in Deutschland werden Mädchen beschnitten


Viele beschnittene Frauen haben mit deutschen Ärzten negative Erfahrungen gemacht, weil die sich häufig nicht vorstellen können, dass es sowas auch hier gibt.

 „Ich war schockiert, als ich erfuhr, dass dieser schreckliche Brauch aus meiner Heimat auch hier in Europa tausendfach praktiziert wird, und kaum jemand weiß das“, schreibt Waris Dirie in ihrem Buch („Schmerzenskinder“). Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte: «Wir haben lange Zeit gedacht, dass das für uns kein
Thema ist.» Tatsächlich würden immer mehr Migrantinnen, die eine Genitalverstümmelung erlitten haben, in Deutschland einen Artz aufsuchen.

6000 Mädchen sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes in Deutschland potenziell gefährdet, beschnitten zu werden. Mindestens 24 000 beschnittene Frauen und Mädchen leben in Deutschland, so die Schätzungen und Hochrechnungen. Die genauen Zahlen sind unbekannt, da weibliche Beschneidung statistisch nicht erfasst wird. Die meisten der beschnittenen Frauen stammen aus afrikanischen oder arabischen Ländern.

 

Ärzte schlecht darauf vorbereitet

„Viele Ärzte können sich nicht vorstellen, dass es so etwas hier gibt“, sagt Prof. Dr. Klaus Friese, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe München-Großhadern und –Innenstadt. „Der Arzt sieht sie zum ersten Mal während der Geburt und weiß dann oft nicht mit der Situation umzugehen“, beschreibt Jawahir Cumar, Vorsitzende des Vereins „stop mutilation“, die Situation in Deutschland.

 

Auch Fana Asefaw, Assistenzärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -neurologie der Universitätsklinik, die zu Weiblicher Beschneidung in Deutschland forscht, weiß Ähnliches zu berichten: „Meine Forschungen in Deutschland bestätigen, dass das medizinische Personal unadäquat mit den betroffenen Patientinnen umgeht“. Mehr als 80 Prozent der befragten Frauen hätten negative Erfahrungen im Gesundheitswesen gemacht, insbesondere infibulierte Frauen.

Eine Umfrage von Unicef, Terre des Femmes und dem Berufsverband der Frauenärzte unter Frauenärzten ergab, dass sich Ärzte, insbesondere Gynäkologen, in der Praxis mit weiblicher Beschneidung auseinandersetzen müssen. 43 Prozent von knapp 500 befragten Gynäkologen hatten bereits eine beschnittene Frau in ihrer Praxis behandelt, ein Drittel auch bei der Geburt betreut.

Tradition mit schwerwiegenden Folgen
Weibliche Beschneidung ist kein „afrikanisches Problem“, aber in erster Linie ein Problem der Migranten und Ausländer. „Die Migranten haben ein großes Problem: Sie werden nicht angenommen. Sie werden in das Land reingelassen, aber es wird nichts für sie getan“, erklärt Fadumo Korn, die sich in München für die Organisation FORWARD gegen Beschneidung engagiert.

 

Viele Ausländer würden sich in der Gesellschaft einsam fühlen, daraufhin sehr engen Kontakt zu anderen Ausländern suchen und auf Traditionen des Heimatlandes zurückgreifen. „Hier in Europa hängen viele Einwanderer fast noch mehr an ihren Traditionen als zu Hause: Der ganze Rassismus, die Ausgrenzung, der Hass... Das alles lässt die ferne Heimat und alles, was damit zusammenhängt, zum einzigen Anker im Leben werden“, erläutert Waris Dirie in einem Interview mit GesundheitPro.

Weibliche Beschneidung ist eine Tradition mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Unmittelbar nach der Beschneidung sterben viele Mädchen durch Blutungen und Infektionen. Langfristig leben viele Frauen mit großen Problemen beim Wasserlassen und bei der Menstruation. Es bilden sich Fisteln und Zysten, die Geburten sind extrem schwierig, Geschlechtsverkehr ist für viele eine Tortur. Dazu kommen die psychischen Folgen.



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GesundheitPro.de; 07.12.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: Foto: PhotoDisc

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