Gebärmuttersenkung: Das hilft!

Senkt sich die Gebärmutter ab, kann das unangenehme Symptome verursachen. Was Frauen dagegen tun können und was Beckenbodentraining bringt
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 08.09.2015

Betrifft viele Frauen: Eine – zumindest leichte – Gebärmuttersenkung

Thinkstock/iStockphoto

"Dass sich die Gebärmutter im Laufe des Lebens leicht senkt, ist normal, besonders nach einer Geburt", beruhigt Dr. Inge Reckel-Botzem, Frauenärztin aus Hainburg. Bringt eine Frau – ohne Kaiserschnitt – ein schweres Baby zur Welt oder bekommt mehrere Kinder, beansprucht dies die Gebärmutter. Eine weitere typische Ursache für eine Gebärmuttersenkung: schwere Arbeit. Heben Frauen häufig schwere Lasten oder tragen sie gewichtige Kartons umher, erhöht sich ebenfalls der Druck auf den Beckenboden. Insbesondere, wenn Frauen dabei eher Rücken und Unterbauch anspannen als die Oberschenkel, sie Lasten also in gebeugter Haltung hochheben. Daneben spielt Übergewicht eine Rolle, ebenso wie dauerhafter Husten. Ob ein schwaches Bindegewebe – wie häufig beschrieben – eine Gebärmuttersenkung begünstigt, hält Frauenärztin Reckel-Botzem für fraglich. "Der Beckenboden ist prinzipiell bei jeder Frau der Schwachpunkt ihres Körpers", erklärt sie. Die Muskelanteile des Beckenbodens mit geeigneten Übungen (Beckenbodentraining, siehe unten) zu stärken, ist aber auf jeden Fall gut.

Symptome einer Gebärmuttersenkung

Schlimm ist eine Gebärmuttersenkung im Normalfall nicht. Trotzdem fürchtet sich so manche Frau vor den Folgen, schämt sich, will nicht zum Arzt. Denn die Senkung geht mit eher peinlichen Symptomen einher: Hustet, niest oder lacht eine Frau, geht unfreiwillig etwas Urin ab. Oder umgekehrt, eine Frau geht auf Toilette, kann aber ihre Blase nicht vollständig entleeren. Manchmal gibt es Probleme mit dem Stuhlgang, es zieht im Unterbauch oder im Gehen und Sitzen stellt sich ein unangenehmes Fremdkörpergefühl ein. Daneben gibt es Frauen, die gar keine Symptome verspüren. "Die Beschwerden sind sehr vielfältig und hängen davon ab, wie weit sich die Gebärmutter abgesenkt hat", sagt Reckel-Botzem, die auch im Berufsverband der Frauenärzte aktiv ist.

Verändert die Gebärmutter ihre Position, drückt sie unter Umständen auf Scheide, Blase oder Enddarm. Je nachdem, wie sehr die Gebärmutter Druck ausübt, kann es zu den beschriebenen Symptomen kommen. Zudem können die anderen Organe etwas verschoben werden: Die Scheide wölbt sich manchmal vor und lässt sich zwischen den Schamlippen ertasten. Die Harnblase kann sich in Richtung Scheide schieben, dann liegt eine sogenannte Zystozele oder ein Blasenvorfall vor. Ist der Enddarm betroffen, kann eine Rektozele entstehen. Senkt sich die Gebärmutter stärker ab, wird zunächst der Gebärmutterhals von außen tastbar. Später in selten Fällen sogar die Gebärmutter selbst (Gebärmuttervorfall).

Wann muss man eine Gebärmuttersenkung behandeln?

Solange Frauen keine Beschwerden haben oder diese nicht als störend empfinden, muss eine abgesenkte Gebärmutter nicht behandelt werden. Leiden sie jedoch unter den Symptomen oder hat die Gebärmutter ihre Position zu sehr verändert, gibt es Hilfe. Eine Operation stellt dabei nicht die einzige Möglichkeit dar. "Früher haben Gynäkologen ziemlich oft operiert, obwohl dies nicht immer nötig war", merkt die Expertin an. Heute kommt ein solcher Eingriff nur infrage, wenn die Frau stark unter der Senkung leidet oder beispielsweise ein Gebärmuttervorfall vorliegt. Und selbst dann wägt Reckel-Botzem noch zwischen den möglichen Risiken, die eine Operation mit sich bringen kann, und dem Nutzen ab.

Eine Alternative zur OP ist das Pessar, besonders für ältere Frauen. Dieses Hilfsmittel besteht meistens aus Silikon oder Kunststoff und sieht – je nach Anwendungsgebiet – zum Beispiel ring- oder schalenförmig aus. Ein Pessar stützt Scheide oder Gebärmutter und verhindert, dass sich diese zu weit absenken. Angepasst und eingesetzt wird das Pessar vom Frauenarzt. Alle sechs bis acht Wochen muss er das Hilfsmittel auswechseln.

Vorbeugen mit Beckenbodentraining

Vorbeugend hilft Beckenbodentraining. Gestärkt wird der Beckenboden durch so gut wie jede Art von Sport – ob dies Bauch-Beine-Po-Training im Fitnessstudio ist oder Joggen. Spezielle Übungen, wie die sogenannte Beckenbodengymnastik, kräftigen zudem gezielt die Muskeln im Becken. Lassen Sie sich dazu in unserem Video "Training für den Beckenboden" anregen.

Hat sich die Gebärmutter einmal abgesenkt, lässt sich dies durch Beckenbodentraining nicht mehr rückgängig machen. Aber positiv wirkt es sich auch da aus. Denn eine gestärkte Beckenbodenmuskulatur kann verhindern, dass die Gebärmutter ihre Position weiter verändert. Zudem hilft Beckenbodentraining gegen Inkontinenz, wie eine Studienauswertung der Cochrane-Inkontinenz-Gruppe 2014 ergab. Das Training half mehr als der Hälfte der Frauen: Sie verloren seltener und weniger Urin und mussten seltener zur Toilette. Auch ihr Sexualleben bewerteten sie zufriedener als Frauen, die nicht trainierten. "Eigentlich sollte jede Frau jeden Tag etwas für ihre Beckenbodenmuskeln tun", empfiehlt deshalb die Gynäkologin.


Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Frau krümmt sich vor Schmerzen

Endometriose

Bei einer Endometriose findet sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle im Körper, zum Beispiel an Eierstöcken, Blase oder Darm. Mögliche Folgen sind Unterbauchschmerzen und Unfruchtbarkeit »

Spezials zum Thema

Junge Frau auf Bett

Gebärmutter: Heimstatt des Lebens

Es sind zentrale weibliche Organe: In den Eierstöcken reifen in der gebärfähigen Zeit die Eizellen heran. In der Gebärmutter wächst während einer Schwangerschaft der Embryo beziehungsweise Fetus »

Haben Sie schon einmal versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages