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Das hilft gegen Myome in der Gebärmutter

Die gutartigen Geschwülste können unangenehme Beschwerden verursachen. Viele Frauen leiden daran. Doch es gibt Hilfe


Starke Monatsblutung? Dahinter können Myome stecken

Lange Zeit beeinträchtigte das Myom in der Gebärmutter Karin Hofstätter (Name von der Redaktion geändert) nicht. Plötzlich aber begann es zu wachsen, erreichte eine Größe von zehn Zentimeter und machte sich unangenehm bemerkbar. „Ich hatte ein ständiges Druckgefühl im Bauch, musste oft auf die Toilette“, berichtet die 44-Jährige, „und meine monatlichen Blutungen waren schmerzhaft.“ Das war vor etwa zwei Jahren.


Meist entdeckt der Frauenarzt die fast immer harmlosen Geschwülste zufällig bei einer Vorsorge- oder einer Ultraschalluntersuchung. „Etwa jede vierte Frau über 30 hat Myome“, schätzt die Frauenärztin Dr. Anja Engelsing aus dem bayerischen Bad Feilnbach. Sie wachsen einzeln oder zu mehreren am Organ und seinen Aufhängebändchen, aber auch direkt in der Muskelschicht und unter der Schleimhaut der Gebärmutter. Die Wucherungen können klein wie Kirschen sein oder groß wie Honigmelonen. Ob sie Probleme bereiten, hängt ab von Lage und Größe.



Myome können außen an der Gebärmutter sitzen, aber auch unterhalb der Organhülle (subserös) oder im Muskelgewebe (intramural)

Sitzt ein großer Knoten vorne auf oder im Organ, kann er auf die Blase drücken, ein nach hinten reichender beengt möglicherweise den Darm. Manchmal führen unter der Gebärmutterschleimhaut liegende Myome zu starken Monatsblutungen. Gelegentlich gelten die Geschwülste auch als Grund, wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappen will.


Bei all diesen Symptomen sollten sich Frauen untersuchen lassen, um andere Ursachen auszuschließen. Denn hinter einem vermeintlichen Myom kann sich in Ausnahmefällen eine bösartige Muskel- und Bindegewebegeschwulst verbergen, ein Sarkom. „Es wächst extrem schnell und lässt sich unter anderem dadurch von einem Myom unterscheiden“, erläutert Gynäkologin Engelsing. Hat die Ärztin ein Myom entdeckt, bestellt sie ihre Patientin nach der übernächsten Periode wieder ein, um den Verlauf zu beobachten.  
Warum sich die gutartigen Geschwülste bilden, ist bislang nicht bekannt. Offenbar gibt es dafür eine genetische Veranlagung. Hat die Mutter Myome, sind die Töchter eher davon betroffen.


„Wir wissen auch, dass Östrogen, ein weibliches Sexualhormon, das Wachstum sehr begünstigt“, berichtet Engelsing. Deshalb kann während einer Schwangerschaft – da stellt der Körper besonders viel Östrogen bereit – ein Myom rasch wachsen. Befürchtungen der werdenden Mutter, sie könnte dadurch ihr Baby verlieren, sind jedoch meist unbegründet.


Auch wenn zu Beginn der Wechseljahre die weiblichen Hormone aus dem Gleichgewicht geraten, erhalten Geschwülste oft einen Wachstumsschub. Danach lässt die Bildung des Östrogens nach, die Wucherungen schrumpfen.  


Bei Frauen mit kleinen Wucherungen und ohne Symptome genügt es, die Myome regelmäßig zu kontrollieren. Verursachen sie dagegen Probleme, sollten sie therapiert werden. Engelsing beginnt zunächst mit einer naturheilkundlichen Behandlung, zum Beispiel mit pflanzlichen Mitteln: „Schafgarbe als Heiltee zusammen mit anderen Pflanzen hat sich bewährt. Auch eine Schafgarbenauflage auf den unteren Bauch kann Linderung bringen.“ Daneben verschreibt sie weitere pflanzliche Präparate. Auch die klassische Homöopathie sei einen Versuch wert, meint Engelsing.


In der chinesischen Medizin gelten Myome als Problem des Lebermeridians. Der Lehre zufolge sollen dann Heilpflanzen das Organ bei der Ausscheidung unterstützen. Akupunktur soll den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen. Yoga und Qigong entkrampfen den Bauch und unterstützen die Behandlung. „Bei den naturheilkundlichen Verfahren gibt es oft keine gute Studienlage, aber sehr gute Erfahrungen. Je kleiner die Myome, desto sinnvoller der Einsatz dieser vielfältigen Methoden“, erklärt Engelsing.


Um ein Zuviel an Östrogen auszugleichen, kann die Patientin gestagenhaltige Verhütungsmittel einnehmen. Karin Hofstätter probierte es sowohl damit als auch mit Akupunktur – beide Anwendungen waren erfolglos.

GnRH-Analoga – synthetisch veränderte Hormone des Zwischenhirns – lassen die Wucherungen schrumpfen, denn sie hemmen die Produktion von Östrogen. Die Frau kommt damit allerdings innerhalb kurzer Zeit in die Wechseljahre – mit all den möglichen Beschwerden. Werden die Hormone abgesetzt, beginnen viele Myome erneut zu wachsen. Ab einer Größe von sechs bis acht Zentimeter empfehlen viele Ärzte, sie zu entfernen. Auch Karin Hofstätters Frauenärztin riet ihr zu diesem Schritt.


Bei einem operativen Eingriff hängt das Verfahren von Lage und Größe des Myoms ab. „Wenn es Alternativen zur Operation gibt, möchte ich sie unbedingt ausschöpfen“, dachte damals Karin Hofstätter. Und das auch deshalb, weil die Ärzte ihr kaum Hoffnung ließen, dass ihre Gebärmutter zu retten sei.


Noch immer verlieren zu viele Frauen dieses Organ – meist aufgrund gutartiger Geschwülste. Rund 125.000-mal wurde es aus diesem Grund im vergangenen Jahr entnommen. Hofstätter suchte im Internet nach Hilfe und wurde Mitte 2009 fündig. Seit einigen Jahren lassen sich Myome auch ohne Operation entfernen. Dabei werden Ultraschallwellen – ähnlich wie Sonnenstrahlen in einem Brennglas – gebündelt und in das Myominnere geleitet. „Nur dort zerstören wir die Eiweißstruktur des Gewebes, indem wir es wenige Sekunden lang mit den gebündelten Ultraschallwellen auf 65 bis 85 Grad erhitzen“, erklärt Dr. Matthias Matzko, Leiter des Zentrums für Fokussierten Ultraschall am Klinikum Dachau. Das umliegende Gewebe bleibt unangetastet.


Der Radiologe veranschaulicht das Prinzip: „Es ist so ähnlich, als würden Sie die Kerne eines Apfels aus seinem Inneren entfernen, ohne ihn anzuschneiden.“ So können Mediziner bis zu sechs Myome bei einer Frau behandeln, die maximal zehn bis zwölf Zentimeter groß sein dürfen. Ob eine Patientin für dieses Verfahren infrage kommt, prüfen die Ärzte anhand einer Magnetresonanztomografie (MRT). Bei Schallhindernissen – etwa wenn der Dünndarm den Weg zur Geschwulst versperrt – kann der Eingriff nicht durchgeführt werden. Das gilt auch für Myome, die tiefer als 15 Zentimeter in der Beckenhöhle liegen – der Schall reicht nicht so weit. Stark durchblutete Myome wie bei Karin Hofstätter muss der Arzt zuvor mit Medikamenten behandeln. Diese Vorgehensweise praktizieren Matzko und sein Team häufig bei Frauen mit Kinderwunsch, wenn ansonsten keine andere Therapie als das Entfernen der Gebärmutter möglich wäre.

Der fokussierte Ultraschall eignet sich für etwa jede dritte betroffene Frau. „Gestielte Myome löst der Chirurg besser in einer Operation ab. Dagegen birgt unsere Methode weniger Risiken, wenn es sich um Myome unter der Gebärmutterschleimhaut oder in der Gebärmutterwand handelt“, sagt Matzko.

Bei jeder Ultraschallsalve liefert das MRT-Gerät zeitgleich Bilder aus dem Inneren des Körpers. So können die Radiologen beobachten, ob das Ultraschallbündel das anvisierte Gewebe punktgenau trifft und zerstört. „In den folgenden Tagen spürte ich ein leichtes Ziehen im Bauch und hatte eine etwas erhöhte Temperatur“, erzählt Karin Hofstätter. In den Monaten nach der Behandlung schrumpft die Geschwulst auf etwa 40 Prozent ihrer ursprünglichen Größe und bleibt inaktiv. „Die Stärke des Verfahrens liegt insbesondere da, wo der operative Eingriff schlechter funktioniert, nämlich in der Gebärmutterwand“, fasst Matzko zusammen. Das Verfahren kostet rund 4000 Euro, allerdings übernimmt nicht jede gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Für Karin Hofstätter hat sich die sorgfältige Suche jedoch gelohnt: „Drei Monate nach dem Eingriff hatte ich keinerlei Beschwerden mehr.“



Christine Wolfrum / Apotheken Umschau; 08.11.2010
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, Your Photo Today/A1PIX GbR/Phanie/Garo

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