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Gallensteine: Welche Rolle spielt die Ernährung?

Wer viel Fettiges isst, bekommt eher die Steinchen. Wie sich am besten vorbeugen lässt


Eigentlich könnte man diesen dunklen Stein für ein seltenes Mineral halten. Doch es ist ein Gallenstein, der wohl überwiegend aus Bilirubin besteht und daher zu den Pigmentsteinen zählt

Manchmal gleichen sie einer versteinerten Muschel, manchmal schimmern sie wie Bernstein. Gallensteine können bizarre Formen annehmen. Etwa 80 Prozent aller Gallensteine bestehen vorwiegend aus auskristallisiertem Cholesterin – daher auch der Name Cholesterinsteine. Gut 20 Prozent machen sogenannte Pigmentsteine aus. Sie enthalten hauptsächlich den Gallenfarbstoff Bilirubin.



Cholesterin kommt – ganz natürlich und in gelöster Form – in der Gallenflüssigkeit vor. Dort befindet es sich in einem fein abgestimmten Gleichgewicht mit anderen Gallenbestandteilen, unter anderem Gallensäuren und Bilirubin. Reichert sich zuviel Cholesterin in der Galle an, kann es auskristallisieren.


Da liegt die Vermutung nahe, dass fettiges, cholesterinreiches Essen Cholesterinsteine begünstigt. Doch ganz so einfach ist es nicht: „Die Höhe der Fett- und Cholesterinzufuhr hat keinen direkten Einfluss auf die Bildung von Gallensteinen“, sagt Christine Hinsky, Ernährungsberaterin am Else-Kröner Fresenius-Zentrum, der ernährungsmedizinischen Einrichtung der Technischen Universität München. Es liegt vielmehr daran, dass fettige Mahlzeiten reichlich Kalorien enthalten und damit überflüssige Pölsterchen begünstigen. „Hochkalorische Kost, ebenso wie Übergewicht, stellen typische Ursachen von Gallensteinen dar“, erklärt Hinsky. Obwohl fettreiche Mahlzeiten, zumindest aus tierischer Herkunft, generell auch viel Cholesterin enthalten, besteht nach derzeitigem Wissensstand kein direkter Zusammenhang mit dem Entstehen von Gallensteinen.

Doch nicht nur ein Übermaß an Kalorien ist schuld, wenn sich die kristallinen Objekte bilden. „Auch eine Nulldiät oder Fasten wirkt sich negativ auf das Entstehen von Gallensteinen aus“, merkt Hinsky an. Dadurch, dass dem Körper dabei oft gar kein Fett zugeführt wird, bleibt die Galle unterfordert. Im Normalfall verpackt sie Nahrungsfette im Darm so, dass der Körper sie aufnehmen kann. Durch eine Nulldiät kann sich die nicht benötigte Gallenflüssigkeit in der Gallenblase aufstauen, was das Auskristallisieren von Cholesterin fördert.

Neben dem Faktor Ernährung spielt das Geschlecht eine Rolle. Frauen neigen häufiger zu Gallensteinen als Männer, da die weiblichen Geschlechtshormone die Steinbildung begünstigen. Erhöhte Östrogenspiegel liegen zum Beispiel währen der Schwangerschaft vor. Darüber hinaus haben ältere Menschen und Diabetiker ein höheres Risiko. Lesen Sie mehr dazu in unserem Krankheitsratgeber Gallensteine.

Wie lässt sich Gallensteinen vorbeugen? Erstens: Kalorien einsparen. Also mehr Obst und Gemüse essen, dafür weniger Fleisch, Sahnesoßen und Süßigkeiten. Fettarme tierische Produkte bevorzugen, zum Beispiel Kochschinken statt Salami oder Putenbrustaufschnitt statt Mettwurst. Butter sparsam aufs Brot streichen oder besser gleich auf Margarine setzen. Wenig Zucker verwenden, da dieser sich auch ungünstig auf Gallensteine auswirkt.

Zweitens: Reichlich Ballaststoffe essen. „Sie binden im Darm Cholesterin“, weiß Ernährungsexpertin Hinsky. Dadurch wird Cholesterin, zusammen mit dem gesunden „Ballast“, vermehrt ausgeschieden. Folglich reichert sich auch weniger Cholesterin in der Gallenflüssigkeit an. Ballaststoffe stecken in Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.

Drittens: Mehr Fisch auf den Tisch. Denn „die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können die Konzentration an Cholesterin in der Gallenflüssigkeit senken“, erklärt Hinsky. Vor allem Fische wie Lachs, Hering, Sardine und Makrele weisen viele der gesunden Fettsäuren auf. Und auch pflanzliche Öle wie Raps- und Walnussöl sind reich an Omega-3-Fettsäuren.

Wer sich gesund ernährt und Übergewicht abbaut, kann also Gallensteinen vorbeugen. Werden dennoch Steinchen festgestellt, besteht kein Grund zur Panik. Solange die körpereigenen Kristalle keine Beschwerden hervorrufen, bedarf es vorerst auch keiner Therapie. Und dies trifft auf 75 Prozent aller Steinträger zu!



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 20.09.2010
Bildnachweis: W&B/Norbert Michalke

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