Dass Frauen im Vergleich zu Männern häufiger Gallensteine haben, weist bereits deutlich auf den Einfluss weiblicher Geschlechts-Hormone hin. Ursache dafür ist vor allem, dass unter der Wirkung von Östrogenen verstärkt Cholesterin von der Leber in die Gallenflüssigkeit abgegeben, die Bereitstellung von Gallensäuren durch die Leber aber gleichzeitig gedrosselt wird. Gallensäuren halten normalerweise das nicht wasserlösliche Cholesterin in der wässrigen Gallenflüssigkeit in Lösung. Sind aber im Verhältnis zur Cholesterinmenge zu wenig Gallensäuren vorhanden, bilden sich Gallensteine.
Bei der Einnahme von östrogenhaltigen Medikamenten zur Empfängnisverhütung oder Hormonersatztherapie in den Wechseljahren ist also grundsätzlich von einem erhöhten Gallensteinrisiko auszugehen. Dieses ist allerdings sehr stark abhängig von der Dosis des verwendeten Östrogens. Die derzeit üblichen „Antibabypillen“ enthalten so wenig Östrogen, dass das erhöhte Risiko praktisch kaum ins Gewicht fällt. Dies gilt insbesondere für junge Frauen. Das Gallensteinrisiko ist nämlich eindeutig auch altersabhängig.
Eine Hormonersatztherapie im fortgeschrittenen Alter birgt demgegenüber ein höheres Risiko, Gallensteine zu entwickeln. Allerdings werden Präparate zur Hormonersatztherapie heute wesentlich kritischer gesehen und zurückhaltender verschrieben als noch vor einigen Jahren, bevor bekannt war, dass insbesondere diese Form der Hormontherapie weitaus gravierendere Gefahren mit sich bringt – nicht nur eine erhöhte Neigung zu Gallensteinen, sondern vor allen Dingen ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.
Prof. Dr. med. T. Poralla, St.-Joseph-Krankenhaus Berlin
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08.11.2007, aktualisiert am 26.06.2010
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