Nach einer Stunde in hohen Pumps über Kopfsteinpflaster ärgerte sich Susanne Schmidt, keine bequemeren Schuhe eingepackt zu haben. Am Ende der zweistündigen Führung durch das mittelalterliche Rothenburg ob der Tauber humpelte sie nur noch, so sehr schmerzte ihre rechte Ferse. Den Ausflug konnte sie kaum genießen. „Und zu Hause kam der Schmerz immer wieder, meist konnte ich morgens nicht richtig auftreten“, erzählt die 50-jährige Verkäuferin aus Köln.
Schließlich stellte ein Orthopäde die Diagnose: Fersensporn – so heißt ein knöcherner Auswuchs, der sich zwischen Fersenbein und Sehnenplatte an der Fußsohle bilden kann. Steht der Fuß unter Dauerbelastung, versucht der Körper den Druck mit einer Kalkablagerung auszugleichen. Dies geschieht zum Beispiel, wenn die Wadenmuskulatur verkürzt ist, Schuhe zu schlecht oder gar nicht gepolstert sind und hohe Absätze den Fuß zusätzlich stressen.
Wird der Fuß über längere Zeit falsch oder zu stark belastet, lagert sich Kalk ab. Dieser knöcherne Dorn sitzt häufig am Übergang vom Fersenborn zur Sehnenplatte, seltener an der Achillessehne
Auf dem Röntgenbild sieht der Fersensporn aus wie ein spitzer Zahn, der aus dem Fersenbein wächst. Etwa zehn Prozent der Deutschen bereitet er Probleme, bei den meisten Betroffenen beginnen die Beschwerden nach dem 40. Geburtstag.
In vielen Fällen bleibt der Fersensporn lange unbemerkt. Erst unter großer Belastung entzündet sich die Sehnenplatte dort, wo der Fersensporn sitzt – und dann schmerzt jeder Schritt. Bei Susanne Schmidt war es nach der Tour über das Kopfsteinpflaster so weit: „Ein typischer Auslöser“, sagt Dr. Manfred Thomas, Vizepräsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk.
Die Schmerzen sind meist morgens nach dem Aufstehen am stärksten, wie bei Schmidt, oder nach langem Sitzen. Selten tut der ganze Fuß weh. Patienten beschreiben stattdessen einen punktuellen Schmerz, der nach ein paar Schritten nachlässt oder ganz vergeht.
„Oft ist ein Fersensporn auch das Ergebnis einer jahrelangen Fußfehlstellung, zum Beispiel eines Plattfußes“, weiß Andreas Henzler, Physiotherapeut mit eigener Praxis in Fürstenfeldbruck. Beim Plattfuß rutscht der Fersenknochen nach innen ab, dadurch werden die Sehen ständig gedehnt – Dauerstress für den Fuß.
Am häufigsten bildet sich der spitze Sporn aus Knochenkalk an der Sehnenplatte, er heißt auch plantarer Fersensporn. An der Achillessehne tritt der kraniale Fersensporn auf. Er kommt seltener vor und schmerzt meist nicht so stark.
Ein Fersenkissen im rechten Schuh verschaffte Susanne Schmidt Erleichterung. Damit konnte sie auftreten, und die Schmerzen ließen nach. „Fersenkissen entlasten vorübergehend, man kann wieder schneller aufstehen und besser gehen. Als Langzeittherapie eignen sie sich jedoch nicht“, sagt Andreas Henzler.
Wirksamer sind spezielle Einlagen oder Bandagen – oder gleich neue Schuhe: keine eleganten High Heels oder engen Business-Modelle, sondern eher sportliche Versionen mit gepolsterter Ferse und weicher Sohle.
Bei starken Schmerzen helfen Akut-Maßnahmen an der betroffenen Stelle, zum Beispiel entzündungshemmende Kortison-Injektionen. Langfristig entlastet den Fuß eine Physiotherapie über mehrere Wochen. Massagen fördern die Durchblutung, Dehnübungen strecken die verkürzte Muskulatur, die Belastung der Ferse lässt nach. „Allein kann man beim Fersensporn allerdings wenig ausrichten“, betont Andreas Henzler. „Die Übungen muss einem der Physiotherapeut beibringen. Er kontrolliert zudem, ob sie richtig durchgeführt werden.“ Von einer Fußgymnastik mit den Zehen rät Henzler ab.
Nicht immer ist ein Dehnprogramm die richtige Wahl: „Wenn der Fersensporn hauptsächlich durch falsches Schuhwerk entstanden ist und die Patienten eine gute Muskulatur haben, hilft Dehnung nur begrenzt“, schränkt der Orthopäde Manfred Thomas ein, der an der Hessingpark-Clinic in Augsburg praktiziert.
Selten wird ein Fersensporn operiert. „Das ist nur bei ungefähr zwei bis drei von 100 Patienten nötig“, sagt Thomas. Dabei wird entweder die Sehnenplatte leicht eingeschnitten, um ihr die Spannung zu nehmen, oder der Fersensporn wird entfernt. Manche Patienten leiden jedoch auch nach dem Eingriff weiterhin unter Beschwerden.
Und das ist das Problem beim Fersensporn: So richtig los wird man ihn nicht. Bei Belastung oder schlechten Schuhen macht er sich gleich wieder bemerkbar. Damit der stechende Schmerz nicht zurückkommt, verzichtet Susanne Schmidt mittlerweile ganz auf ihre schicken Pumps. „Mit High Heels über Kopfsteinpflaster? Nie wieder!“
Nadja Katzenberger / Apotheken Umschau;
15.01.2010, aktualisiert am 12.01.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, istock/Redsmiler
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung