Was hilft bei Spreiz-, Senk- und Plattfuß?

Fußfehlstellungen bereiten sehr häufig Probleme. Orthopädische Schuheinlagen können helfen, eine Operation ist nur selten nötig

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 04.09.2014

Tragen Sie bequeme Schuhe, gehen Sie öfter barfuß – das hält die Füße gesund

Shotshop/Brigitte G.

Kaum verlassen wir das Bett, schlurfen wir in Pantoffeln herum. Außer Haus tragen wir Schuhe. Barfuß sind wir selten unterwegs. Schade, findet Professor Markus Walther, Orthopäde und Fußchirurg an der Schön Klinik München-Harlaching. "Barfuß laufen stärkt die Fußmuskeln und wirkt Fehlstellungen entgegen."

Eine Fußform, die nicht dem Lehrbuch entspricht, betrifft sehr viele Menschen. "Bei etwa jedem Zweiten senkt sich das Fußgewölbe leicht ab, es besteht die Neigung zu einem Senkfuß", sagt Walther. Ebenfalls sehr häufig: ein Spreizfuß. Auch die Zehen können sich verbiegen. Die bekannteste Zehenfehlstellung ist der Hallux valgus. Mehr dazu finden Sie hier: Hallux valgus.


Knick-, Senk-, Plattfuß: Das Längsgewölbe des Fußes senkt sich ab. Die Ferse kippt nach außen

W&B/Jörg Neisel, Prof. Dr. Markus Walther

Knick-, Senk-, Plattfuß

Was ist das? Diese drei Fehlstellungen hängen meistens zusammen. Zunächst senkt sich das Längsgewölbe des Fußes (siehe Grafik), es entsteht ein Senkfuß. "Das kommt bei vielen Menschen vor und ist normalerweise nicht problematisch", sagt Orthopäde Walther. Meist gleichzeitig knickt der Fuß zur Seite und es bildet sich ein Knick- beziehungsweise ein Knick-Senkfuß. Der Senkfuß kann in einen Plattfuß übergehen. Im Kindesalter ist dieser laut Walther normal. Bis zur Pubertät sollte sich das Längsgewölbe allerdings normal ausgebildet haben. "Zur Krankheit wird der Plattfuß vor allem dann, wenn er zu Beschwerden führt oder auf Fehlbildungen im Fuß zurückzuführen ist", erklärt der Experte. Zu den Beschwerden zählen beispielsweise Schmerzen auf der Innenseite des Fußknöchels, der auch anschwellen und sich entzünden kann. Steht die Ferse nicht mehr gerade, belastet dies unter anderem das Sprunggelenk und die dazugehörigen Bänder und Sehnen.


Ein Klick auf die Lupe vergrößert die Grafik: der Aufbau des Fußes

W&B/Jörg Neisel

Was sind die Ursachen? Die Anlage zu dieser kombinierten Fehlstellung ist meist angeboren. Tritt sie im Erwachsenenalter neu auf beziehungsweise fängt ein über viele Jahre vorhandener Plattfuß an zu schmerzen, sind in vielen Fällen geschwächte Sehnen und Bänder schuld. "Gibt die Sehne nach, die das Fußgewölbe stabilisiert, senkt sich der Fuß ab und die Ferse kippt zur Seite", so Walther. Eine untrainierte Fußmuskulatur begünstigt dies ebenso wie Übergewicht oder Rheuma.

Was hilft? Fußgymnastik und barfuß laufen stärken die Muskeln im Fuß und steuern einer Fehlstellung entgegen. Tipp: Wer an Diabetes oder Durchblutungsstörungen leidet, sollte vorab seinen Arzt fragen, ob etwas gegen das Barfußlaufen spricht. "Bei einem bestehenden Plattfuß helfen orthopädische Einlagen für die Schuhe. Sie stützen das Längsgewölbe und heben den Fuß wieder an. Lassen Sie die Einlagen in einem Fachgeschäft genau anpassen. Nach einem Jahr sollten Sie sich ein neues Paar verordnen lassen – sofern dies medizinisch angebracht ist. Hat sich das Fußgewölbe abgesenkt, ist normalerweise keine Operation nötig, wenn der Fuß ansonsten gesund und ohne Probleme belastbar ist. Gibt es jedoch Hinweise, dass die Fehlstellung bereits Sehnen oder Gelenken geschadet hat, kann ein chirurgischer Eingriff im Einzelfall sinnvoll sein. Dies gilt teilweise auch für den Plattfuß, wenn er Schmerzen verursacht. "Ziel dieser Operationen ist es die Fehlstellung zu beseitigen, bevor die Gelenke zu sehr geschädigt werden", erläutert Fußchirurg Walther.


Eine extreme Form des Spreizfußes: die Mittelfußknochen im Vorfuß klaffen auseinander

W&B/Jörg Neisel, Prof. Dr. Markus Walther

Spreizfuß

Was ist das? Ein Spreizfuß entsteht, wenn sich der Vorfuß verbreitert. Die Mittelfußknochen im Vorfuß klaffen auseinander (siehe Grafik oben) und die große Zehe verformt sich zunehmend. Der Spreizfuß ist die Fußfehlstellung, die am häufigsten Schmerzen bereitet. Betroffen sind oft die mittleren Zehen und die Fußunterseite. Dort bilden sich auch vermehrt Schwielen und Hühneraugen. "Außerdem begünstigt ein Spreizfuß einen Hallux valgus", ergänzt Walther.

Was sind die Ursachen? Frauen sind weitaus häufiger betroffen als Männer. Als Auslöser spielt zum einen ein schwaches Bindegewebe eine Rolle, zum anderen Übergewicht. Drittens: die falschen Schuhe! Hohe Hacken und spitz zulaufende Damenschuhe belasten den Vorfuß zu stark und können damit einen Spreizfuß begünstigen.

Was hilft? Weiche, speziell angefertigte Einlagen entlasten die überbeanspruchten mittleren Zehen und lindern die Schmerzen. Ein chirurgischer Eingriff kommt nur infrage, wenn der Fuß stark verformt ist und die Einlagen nicht ausreichend helfen.


Ein Hohlfuß entsteht, wenn das Längsgewölbe des Fußes stark überhöht ist

Your Photo Today/MANCEAU

Hohlfuß

Was ist das? Ein Hohlfuß kommt nur selten vor, spielt aber bei bestimmten Krankheiten eine wichtige Rolle. Er ist sozusagen das Gegenteil vom Plattfuß. Orthopäden sprechen bei einem sehr ausgeprägten, überhöhten Längsgewölbe von einem Hohlfuß. Das Körpergewicht lastet größtenteils auf Ferse und Vorfuß, weshalb dort Schmerzen und Schwielen auftreten können. "Zudem ist ein Hohlfuß typischerweise sehr beweglich, wodurch es vermehrt zu Umknick-Traumen kommt", sagt Walther. Der Grund: Die Ferse kippt häufig nach innen. Das überlastet die Bänder im Bereich des Sprunggelenks.

Wie entsteht er? Ein Hohlfuß kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens bilden. Tritt er im Erwachsenenalter neu auf, sollte immer ein Neurologe den Patienten mit untersuchen. Denn verschiedene Erkrankungen des Nervensystems können zu einem Hohlfuß führen – nicht selten ist er sogar das erste Anzeichen dafür. Daneben begünstigen bestimmte Muskelkrankheiten und Lähmungen die Entwicklung eines Hohlfußes.

Was hilft? Orthopädische Schuheinlagen stützen das erhöhte Fußgewölbe und vermindern damit den Druck auf Ferse und Vorfuß. Teilweise wird sogar ein speziell gefertigter Schuh nötig. Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder verformt sich der Fuß zusehends, kann eine Operation nötig werden.

Fußgymnastik-Übung:

Diese Übung eignet sich für Füße, die nicht schmerzen oder akut gereizt sind.

Setzen Sie sich. Spreizen Sie die Zehen für einige Sekunden auseinander – soweit Sie können. Fünfmal wiederholen. Ziehen Sie die Zehen anschließend so kräftig wie möglich zusammen. Ebenfalls fünf Wiederholungen. Stellen Sie sich im Sitzen auf die Zehenspitzen, Spannung kurz halten. Wiederholen. Legen Sie zuletzt ein Tuch auf den Boden und versuchen Sie, es mit den Füßen hochzuheben. Los geht´s!


Unser Experte: Professor Markus Walther

Schön Kliniken München Harlaching

Unser Experte: Professor Markus Walther, Orthopäde, Fußchirurg und Ärztlicher Direktor der Schön Klinik München Harlaching



Bildnachweis: Shotshop/Brigitte G., W&B/Jörg Neisel, Prof. Dr. Markus Walther, W&B, Your Photo Today/MANCEAU, Schön Kliniken München Harlaching, W&B/Jörg Neisel

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